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BMW setzt Saaler WM-Piloten vor die Tür

Markus Reiterberger erhält für 2020 keinen Platz im Superbike-Team. Suche nach einem neuen Rennstall ist auch eine Geldfrage.
Von Martin Rutrecht

Markus Reiterberger muss von seiner BMW absteigen. Er findet keinen Platz mehr im Superbike-WM-Team. Fotos: Matteo Cavadini
Markus Reiterberger muss von seiner BMW absteigen. Er findet keinen Platz mehr im Superbike-WM-Team. Fotos: Matteo Cavadini

Saal.Das bayerisch-bayerische Gespann ist zerbrochen. Kaum aus der Sommerpause der Superbike-WM zurückgekehrt, erfuhr Pilot Markus Reiterberger von seiner Entlassung. Das WorldSBK-Team von BMW Motorrad setzt im kommenden Jahr nicht mehr auf die Dienste des Bayern. „Das ist sehr schade für ihn“, sagt der Saaler Josef Meier, der „Reiti“ vor acht Jahren zum bayerischen Hersteller brachte und bis heute sein Mentor ist.

„Eine bayerische Marke braucht nicht unbedingt einen bayerischen Fahrer. Der Weltmarkt tickt da anders.“

Josef Meier

„Enttäuscht und allein gelassen.“ So beschreibt Reiterberger seinen Gemütszustand. Seit 2011 fuhr der Bayer für BMW, sei es in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft, der Superbike- oder der Langdistanz-WM. „Ich finde es auch enttäuschend, aber für jede Saison stellen sich die Teams neu auf. Das ist der Lauf der Dinge in diesem Geschäft“, erklärt Josef Meier. „In einer weltweiten Serie ist die Nationalität des Piloten nicht entscheidend. Da muss nicht ein Bayer für eine bayerische Marke fahren. Wichtig ist die Präsenz der Marke.“

Ein Nordire ersetzt den Bayern

Das WorldSBK-Team von BMW gab nicht direkt Reiterbergers Abschied bekannt – vielmehr wurde in einer Pressemitteilung der Nordire Eugen Laverty (33) als neuer WM-Fahrer für 2020 präsentiert. „Er übernimmt den Platz von Markus Reiterberger“, heißt es im letzten Satz der Mitteilung. Pilot Nummer eins im blau-weißen Stall bleibt der Brite Tom Sykes (34), der mit guten Platzierungen in dieser Saison die Erwartungen erfüllt.

Die WM-Ergebnisse sprechen nicht für den Bayern: Auch zuletzt in Portimao sprang kein Top-Ten-Rang heraus.
Die WM-Ergebnisse sprechen nicht für den Bayern: Auch zuletzt in Portimao sprang kein Top-Ten-Rang heraus.

„Es kam überraschend, zumal Laverty gemessen an den WM-Resultaten in diesem Jahr hinter Reiti liegt“, sagt Meier. Der aktuelle Ducati-Pilot war aber schon Superbike-Vizeweltmeister (2013) und fuhr zwei Jahre in der MotoGP. „Seine Verpflichtung dürfte letztlich daher rühren, dass er bereits zwei Jahre im Rennstall von Shaun Muir war, der jetzt das BMW-Team leitet.“

Die Saaler Firma alpha Racing ist Partner vom BMW Motorrad Rennsport. Zum Teil werden Komponenten über 3-D-Drucker entwickelt:

Das Motorrad aus dem 3-D-Drucker

Mit warmen Worten danken Muir und Marc Bongers, Direktor von BMW Motorrad Motorsport, dem am Ende der Saison scheidenden Reiterberger. „Er war von Anfang an in die Entwicklung der S 1000 RR involviert und hat entscheidenden Anteil am Erfolg“, sagt etwa Bongers. „Von daher hätte ich mir ein weiteres Jahr mit BMW in der WM erhofft“, vermisst der Superbike-Europameister von 2018 das Vertrauen.

„Es ist auch eine Frage des Geldes: Wer kann Geld in ein Team mitbringen?“

Josef Meier

Reiterberger kehrte heuer in die Weltmeisterschaftsserie zurück, nachdem er im Vorjahr den EM-Titel in der 1000er-Serie geholt hatte. Mit dem derzeit 14. Platz in der WM-Gesamtwertung fährt der Obinger der Spitze ein gutes Stück hinterher. „Letztlich wird immer auf die Platzierungen geschaut. Im Vergleich zu seinem Teamkollegen Sykes fällt Reiterberger ab. Das spielte bei den Überlegungen sicher eine Rolle“, befindet Josef Meier.

Fahrer müssen sich einkaufen

Und: „Es ist auch eine Frage, wer Geld in ein Team mitbringen kann. Wer gute Sponsoren hinter sich hat, kommt leichter unter.“ Nur um die Topfahrer werde gepokert – „alle anderen müssen sich einkaufen“. Das erfuhr auch Reiterberger, der fürs nächste Jahr schon ein Angebot hatte. „Aber das Geld kann ich nicht aufbringen.“

Durchbruch in der WM fehlt

  • Erfolge:

    Markus Reiterberger gewann drei Mal die IDM-Serie (Internationale Deutsche Meisterschaft), 2013 als bisher jüngster Fahrer, zuletzt im Jahr 2017 mit 13 Siegen in 14 Rennen. Im Vorjahr war er Superstock-Europameister.

  • Rückstand:

    Die beste Platzierung in einem WM-Rennen fuhr er 2016 mit Rang fünf heraus. Den Anschluss nach ganz vorne sucht Reiterberger seither vergeblich. Zwei sechste Plätze in Assen waren heuer bisher die beste Ausbeute.

Meiers Unternehmen alpha Racing, das er gemeinsam mit Josef Hofmann (Stephanskirchen) führt, bleibt unverändert Zulieferer und Entwickler für BMW Motorrad Rennsport. „Da muss man klar trennen: Reiterberger ist ein wenig mein Ziehsohn. Die Firma hat aber mit ihm null zu tun.“

Als Mentor würde er gerne sehen, „dass Reiti die Trennung als Chance begreift“. Der Bayer möchte in der Superbike-WM bleiben. „Es wird nicht einfach, einen Rennstall zu finden“, weiß Meier. Sein Schützling denkt auch an Superbike-Serien in den USA oder in Großbritannien. Selbst eine Zukunft auf einem BMW-Bike ist nicht unmöglich. Die Plätze im SBK-Werksteam sind allerdings vergeben – ans britisch-britische Duo Sykes und Laverty.

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