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Judo

Bronze glänzt für Abensbergs Judoka auch

Der Titelverteidiger erlebt, dass in der Golden League Nuancen entscheiden. Und dass in Samara auf Schnee gesurft wird.
Von Martin Rutrecht

  • Dritter der Europacup-Golden-League 2014: der TSV Abensberg mit Ehrenabteilungsleiter Otto Kneitinger (2. v. r.) und Trainer Radu Ivan (l.). Foto: privat
  • Coach Ivan klopft Neuzugang Dominic Ressel ab, der im Viertelfinale einen wichtigen Sieg für den TSV feierte. Links daneben wartet Ilias Iliadis auf seinen Einsatz. Foto: Mayorova/EJU
  • Sebastian Seidl (in blau) zeigte im Kampf um Bronze einen bärenstarken Auftritt. Foto: Mayorova/EJU

Abensberg.Sven Maresch, verletzter 81 kg-Recke des TSV Abensberg, saß also neben der Reporterin, die den Livestream der Europäischen Judo-Union (EJU) von der Europacup-Endrunde im russischen Samara kommentierte. „Ich hätte Abensberg im Finale erwartet“, sagte die nette Dame. „Ich auch“, entgegnete Maresch, „der dritte Triumph in Folge, der achte insgesamt und der Sieg bei der Premiere der Golden League – das wäre was gewesen. Wir waren knapp dran, aber es hat nicht sollen sein. Ein dritter Rang ist aber auch sehr gut.“ Der Traum des deutschen Rekordmeisters endete im Halbfinale gegen den russischen Vertreter Dinamo Alania mit einem 2:3. Das kleine Finale gegen Sainte Genevieve beherrschten die Babonen mit 4:1. Der erste Sieger der Golden League heißt Yawara Newa St. Petersburg.

Mareschs Sätze brachten die Stimmung im Abensberger Tross auf den Punkt: Eine leise Enttäuschung schwang mit, doch insgesamt war der TSV mit Bronze hoch zufrieden. „Wir haben zuletzt zweimal in Folge gewonnen, jetzt war eben ein anderer Klub dran“, sagte Abensbergs Ehrenabteilungsleiter Otto Kneitinger, der sich über die Attraktivität der neuen Golden League mit acht Teams freute. „Jede Mannschaft hat im Vorfeld Chancen gesehen und deshalb Spitzenleute aus der Weltelite nach Samara gebracht.“ Halbfinal-Gegner Alania etwa zauberte Victor Scvortov aus dem Hut – den Weltranglisten-Zweiten bis 73 kg. An ihm scheiterte Christopher Völk in der Vorschlussrunde.

Das Duell mit Alania war ein hochklassiger Vergleich. Der Ukrainer Georgii Zantaraia (66 kg) brachte den TSV in Führung, dann kassierte Völk besagte Niederlage. Abensbergs Neuling Dominic Ressel (81 kg) war gegen den WM-Dritten von 2013, Ivan Vorobev, überfordert. Olympiasieger Ilias Iliadis (90 kg) glich gegen Murat Gasiev zum 2:2 aus.

„Es gibt keine Vorwürfe bei uns“

Der Olympiadritte Dimitri Peters (plus 90 kg) hätte den Titelverteidiger ins Finale bringen können. „Dimitri hat bei seinem Gegner David Bitiev zwei Armhebel angesetzt, wo du normalerweise nicht mehr rauskommst“, so Kneitinger. Doch der Russe befreite sich. Zwei Strafen gegen Bitiev sprachen auch für den TSV-Mann – doch kurz vor Schluss sicherte sich sein Kontrahent eine kleine Wertung (Yuko) und führte seine Farben ins Duell um Gold. „An Dimitri gibt’s keinen Vorwurf. So was machen wir in unserem Team sowieso nie. Was sollte man ihm auch vorwerfen? Es war ein brutal enger Kampf.“

Im kleinen Finale gegen Genevieve war „der Druck groß“, denn der Verlierer musste wie alle anderen drei Teams abseits des Podests den Weg in die Europa League antreten, die parallel in den Niederlanden vier Aufsteiger kürte (Fighter Tiflis, Kenamju Haarlem, Sporting Portugal, Red Star Serbien). Abensberg geriet jedoch nie ins Wanken. Seidl, Debütant Sagi Muki (73 kg) aus Israel, Iliadis und der dritte TSV-Neuling Andrè Breitbarth (plus 90 kg) räumten ihre französischen Widersacher mit blitzsauberen Techniken ab. Nur Ressel unterlag.

Zum Auftakt, also im Viertelfinale, gegen Sambo 70 Moskau hatte Ressel mit einem Sieg positiv überrascht und gemeinsam mit Muki und Iliadis den Weg in die Vorschlussrunde bereitet. Seidl und Peters verloren bei diesem 3:2-Erfolg. In Peters Kategorie mussten die Babonen auf den Tschechen Lukas Krpalek verzichten, der sich vor dem Endrunden-Tag verletzt abmeldete und am Montag am Knie operiert werden muss. „Sambo war mit Russen angetreten, gegen die von uns noch keiner gekämpft hat. Taktisch konnten wir unsere Athleten überhaupt nicht einstellen. Ich bin froh, dass wir da gut rausgekommen sind“, erklärte der Ehrenabteilungsleiter.

Farewell-Party dauerte etwas länger

Im Finale demontierte St. Petersburg seinen russischen Rivalen Dinamo Alania mit 5:0 und ist nun mit acht Europacup-Triumphen alleiniger Rekordhalter (TSV Abensberg: sieben). Im Konzert von acht Frauen-Klubs hatte sich zuvor Galatasaray Istanbul erstmals überhaupt die Krone aufgesetzt. Damen- und Herren-Teams feierten am Abend gemeinsam mit den Offiziellen im Hotel Renaissance, wo auch die Abensberger untergebracht waren, eine Farewell-Party, die beim einen oder anderen länger dauerte. „Wir sind aber vollzählig“, schmunzelte Kneitinger bei der Abreise aus Samara gegen Sonntagmittag.

In Russland hatte die Babonen tiefer Winter begrüßt. „Wir hatten zwei Tage Schneefall und Schneestürme.“ Augen machten die Niederbayern, als sie auf einer Straße ein Auto sahen, das einen Mann auf dem Surfbrett in flottem Tempo am Seil über den Schnee zog. Die neue Europa League entpuppte sich für die Gäste als großer Wurf. „Die Organisation war hervorragend. Eine Konkurrenz mit acht Teams kann man wunderbar an einem Tag durchziehen und die Klubs fahren die besten Leute auf.“ Solange allerdings Frauen und Männer parallel auf zwei Matten kämpften, „können wir uns aufgrund unserer zu kleinen Halle nicht als Gastgeber bewerben“, sagt Kneitinger, der für 2015 eine Korrektur vornehmen möchte – der Sieger soll wieder TSV Abensberg heißen.

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