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Das Weihnachtsgeschenk liegt in Paris

Abensbergs Judoka kämpfen drei Tage vor Heilig Abend um die europäische Vereinstrophäe. 19 Teams wollen den Titelverteidiger entthronen.
Von Martin Rutrecht, MZ

  • Zurück zu den Wurzeln: Diese Aufnahme zeigt Abensberg beim Europacup-Finale 1995 in Paris. Ein Jahr zuvor hatte sich der Verein zum ersten Mal diese Trophäe geholt. Foto: Verein
  • Für die Franzosen ist er der große Star: Teddy Riner, Olympiasieger und sechsfacher Weltmeister. Er tritt für Levallois an. Foto: dpa-Archiv

Abensberg.Im Vorjahr fiel Weihnachten auf den 20. Oktober: Nach sechs Jahren Pause ging die europäische Vereinskrone im Judo zum insgesamt sechsten Mal an den TSV Abensberg. In Istanbul waren die Babonen mit einem Finalsieg über Yawara Neva St. Petersburg auf den Thron geklettert. Heuer trifft sich die Klubelite des Kontinents in der französischen Hauptstadt Paris. Am Samstag, 21. Dezember, liegt dort das Weihnachtsgeschenk bereit.

„Wir werden versuchen, unseren Titel zu verteidigen“, steckt TSV-Chefcoach Radu Ivan das Ziel ab. Am Donnerstag macht sich ein etwa 55-köpfiger Tross aus Abensberg mit dem Bus auf an die Seine. Team, Betreuer und Fans fahren gemeinsam. Ein paar Athleten und Verantwortliche werden den Flieger nehmen.

Wieder einmal hat der Europäische Judo-Verband (EJU) die „Champions League“ reformiert. Der neue Modus scheint aber anzukommen: 20 Vereine aus ganz Europa werfen ihren Hut in den Ring. Voraussetzung für eine Teilnahme ist ein Podestplatz in der nationalen Liga – sofern es sie gibt – oder bei einem entsprechenden Turnier im Heimatland. Parallel tragen auch die Frauen in der Halle „Institut du Judo“ in der Avenue de la Porte de Châtillon ihre Konkurrenz aus. Auf vier Matten gleichzeitig wird gekämpft.

Dabei: Olympiasieger, Weltmeister

Der Weg auf den Thron ist beschwerlich. Zunächst werden Gruppen (Pools) gebildet, wobei die europäischen Top-Klubs von 2012 – wie Titelverteidiger Abensberg – als Köpfe gesetzt sind. Aus diesen Gruppen kommen Erster und Zweiter weiter, die in die K.o.-Runde einziehen. Ab 14.30 Uhr geht’s über Achtel-, Viertel- und Halbfinale Richtung Entscheidung. „Wer ganz oben stehen will, muss also eine Reihe von Kämpfen bestreiten“, weiß Abensbergs Coach. Fünf Gewichtsklassen (in der Bundesliga sieben) sind zu besetzen: 66 kg, 73 kg, 81 kg, 90 kg und plus 90 kg. Der Sieger reist mit 10 000 Euro ab. „Wenn man das auf einen Kader von 15 bis 20 Athleten überträgt, bleibt dem einzelnen Judoka nicht besonders viel. Allein die Hotelkosten fressen einiges Geld auf“, so Trainer Ivan.

Der Blick auf die Teilnehmerliste nötigt dem deutschen Rekordmeister Respekt ab. Das Gastgeberland Frankreich schickt allein vier Vereine ins Rennen, darunter SC Levallois mit Schwergewichts-Superstar Teddy Riner (Olympiasieger 2012 und sechsfacher Weltmeister). Ein Aufeinandertreffen des erst 24-Jährigen mit TSV-Koloss Andreas Tölzer, der Nummer zwei der Welt hinter dem Franzosen, wäre ein letztes Giganten-Duell am Ende der Laufbahn des deutschen Olympiadritten und Doppel-Vizeweltmeisters. Die weiteren Vertreter Frankreichs neben Levallois sind Sainte Genevieve, US Orleans und Hauptstadtklub ACBB Paris.

Vierfach repräsentiert ist auch Russland durch St. Petersburg, Dinamo Alania, Judo Sport Club Adyghea sowie Sambo 70 Moskau. Die Petersburger greifen fast ausschließlich auf Olympia- oder WM-Medaillen-Gewinner zurück, etwa Mansur Isaev, Arsen Galstyan, Alim Gadanov, Ivan Nifontov oder Tagir Kaibulaev.

Babonen haben Neuling an Bord

Erfreulicherweise findet der Wettbewerb auch wieder Resonanz in anderen Ländern, wie teilnehmende Vereine aus Portugal, Italien, Schweiz, Österreich, Belgien, Schweden oder Serbien belegen. Die Niederlande schicken Staffeln aus Rotterdam und Haarlem. Die Türkei setzt ganz auf Galatasaray Istanbul, das Weltklasse-Athleten aus Georgien und türkische Nationalkaderkämpfer vereint. „Wir werden in Paris eine Parade der Stars sehen“, sagt Radu Ivan.

Auch Abensberg wird seinen Teil dazu beitragen, unter anderem mit einem neuen Mann. Bis 73 kg wird erstmals der Georgier Zebeda Rekviaschvili (22) eingesetzt, heuer EM-Dritter sowie Team-Weltmeister. Christopher Völk und Kiyoshi Uematsu bereichern seine Gewichstklasse. In der Kategorie darunter sind Sebastian Seidl und Georgii Zantaraia an Bord. Sven Maresch und Travis Stevens (81 kg), Robert Dumke und Ilias Iliadis (90 kg) sowie für die schweren Brocken die Könner Tölzer, Dimitri Peters und Lukas Krpalek sind jedem Herausforderer gewachsen. Zantaraia, Uematsu und Iliadis holten sich eben erst Medaillen bei einem Grand Prix in Korea. Peters gewann zuvor in Abu Dhabi, Krpalek in Tokio einen Grand Slam. Abensbergs Garde ist wohl vorbereitet auf das Weihnachtsfest in Paris.

Programm: Am Freitag, 20. Dezember, ist offizieller Anreisetag für die Teams. Um 19 Uhr findet das Wiegen statt. Der erste spannende Moment wird um 20 Uhr die Auslosung der Gruppen (Pools) sein. Erst dann erfahren die Klubs, wer ihre Vorrundengegner am Samstag ab 9 Uhr sind.

Entscheidung: Die ersten zwei Teams je Pool qualifizieren sich für die Finalrunden nach K.o.-System am Samstag ab 14.30 Uhr. Nach der Siegerehrung folgt gegen 20 Uhr ein Gala-Abend.

Live-Übertragung: Die EJU sendet im Internet auf www.eju.net

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