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Sport aus Kelheim
Samstag, 22. September 2018 19° 3

Judo

David Krämers Coolness im hitzigen Derby

Im letzen Kampf markiert der Abensberger das 8:6 gegen Großhadern. Philip Graf kocht fünf Kilo ab, Belgier verletzt sich.
Von Martin Rutrecht

David Krämer wählte trotz seines Husarenstücks seinen Abensberger Kollegen Philip Graf (in blau im Bild) zum „Man of the day“. Fotos: Rutrecht
David Krämer wählte trotz seines Husarenstücks seinen Abensberger Kollegen Philip Graf (in blau im Bild) zum „Man of the day“. Fotos: Rutrecht

Abensberg.David Krämer rannte auf seine jubelnden Teamkollegen zu, selbst Trainer Jürgen Öchsner sprintete über die Matte. Mit seinem Ippon-Punkt im allerletzten Kampf bescherte der 25-jährige Krämer dem TSV Abensberg in der Judo-Bundesliga den 8:6-Sieg gegen den bayerischen Rivalen TSV Großhadern und die Tabellenführung in Gruppe Süd. „Ich wusste, dass ich meine Chance kriege und bin cool geblieben“, sagte der Matchwinner.

„Auch ein kühler Kopf ist erlernbar.“

David Krämer

Endlich wieder Dramatik, endlich wieder eine tobende Halle: Das bayerische Aufeinandertreffen hielt, was man sich erhofft hatte. „So eng hätt’s nun auch wieder nicht sein müssen, das geht an die Nerven“, stöhnte ein mitgenommener, aber glücklicher Jürgen Öchsner lächelnd. Zur Pause lag Abensberg bereits 5:2 vorne. Aber Großhaderns Vize-Weltmeister Karl-Richard Frey sollte recht behalten: „Es ist noch was drin für uns.“

Kontrahent ist bitter enttäuscht

Beim Stand von 7:3 benötigte der deutsche Rekordmeister noch einen Punkt für den Sieg. Doch der Erzrivale holte auf. Marc Odenthal („David hat mich heute gerettet“) unterlag einem taktisch klug kämpfenden Timo Cavelius, Philip Graf konnte seinen Erfolg gegen Maximilian Heyder aus Durchgang eins nicht wiederholen und Simon Glockner war im Schwergewicht gegen Johannes Frey überfordert. David Krämer oder Julian Kolein hieß es im letzten Fight (73 kg): Sieg für Abensberg oder Remis. „Bei einem Unentschieden wär wir nach der Aufholjagd moralisch der Sieger gewesen“, sagten die Frey-Brüder aus dem Gästelager.

Trainer Jürgen Öchsner gratuliert Matchwinner David Krämer.
Trainer Jürgen Öchsner gratuliert Matchwinner David Krämer.

Tatsächlich schien es darauf hinaus zu laufen – Kolein landete eine Wertung. Etwa drei Minuten waren noch auf der Uhr. „Ich wusste, dass ich ihn schlagen kann. Das Selbstbewusstsein und die Ruhe habe ich aus ähnlichen Situation. Auch ein kühler Kopf ist erlernbar“, erklärte Krämer später. Mit einer Innensichel warf er Kolein auf den Rücken – voller Punkt, Sieg für den TSV Abensberg.

Judoka auf neuen Wegen

  • Musiker:

    Der verabschiedete Sven Maresch hat sich in „Ambiente-Musik“ versucht. „Das ist chillig. Ich lege auch auf.“ Bald studiert er Medienwissenschaft.

  • Doktor:

    Christopher Völk ist als Arzt auf Jobsuche, „in München und Regensburg“. Orthopädische Unfallchirurgie soll’s werden. Beim TSV hilft er als Trainer mit.

Der Kontrahent war am Boden zerstört: „Ich hatte Angst vor der eigenen Courage. Ich hätte den Vorsprung über die Zeit bringen können, wollte David aber noch mal werfen. Und dann hatte ich ein völliges Blackout.“ Seine Haderner Kollegen richteten Kolein wieder auf. „Natürlich sind wir enttäuscht, aber nächstes Jahr ist Abensberg fällig“, kündigte Johannes Frey an.

„Wunderbare Jahre“ mit TSV-Duo

Begonnen hatte das Derby ebenfalls mit einem Kraftakt – für die bayerischen U12-Meister aus Abensberg (weiblich/männlich). Sie rannten vor ihrem Einsatz als Einlaufkinder beim Turmlauf mit. „Ich habe eine Runde gemacht, dann musste ich hierher“, sagte ein Youngster. „Bei mir gingen sich fünf Runden aus“, ergänzte ein Kollege. Zum Vorspiel zählte auch die Verabschiedung der Leistungsträger Christopher Völk und Sven Maresch. Teammanager Fabian Seidlmeier und Fanclub-Chef Ernst Hueber dankten für „wunderbare Jahre“.

Toma Nikiforov, Vize-Weltmeister aus Belgien, kämpfte erstmals für Abensberg.
Toma Nikiforov, Vize-Weltmeister aus Belgien, kämpfte erstmals für Abensberg.

Türöffner der Babonen in beiden Durchgängen war ein starker Manuel Scheibel. „Ich bin froh, dass ich zweimal vorlegen konnte. Ich wollte keinen Fehler machen“, sagte er. Dominik Gerzer zwang den Olympia-Fünften Karl-Richard Frey mit einem couragierten Auftritt in die Verlängerung, unterlag aber. Dafür marschierten Benjamin Münnich und Odenthal wie geschnitten Brot.

„Am Dienstag hatte ich noch 66 Kilogramm.“

Philip Graf

„Last Samurai“ Philip Graf bändigte den aufstrebenden Nachwuchsmann Maximilian Heyder. Um in der 60 kg-Klasse kämpfen zu können, hatte Graf binnen weniger Tage fünf Kilogramm abgenommen. „Als der Coach mich anfragte, ob ich in der 60er kämpfen kann, habe ich am Dienstag ein Bild von der Waage geschickt: Ich hatte 66 Kilo“, erzählte der gebürtige Chamer und grinste: „Man muss zum richtigen Zeitpunkt fit sein.“

Nikiforov beklagt „unfaire Aktion“

Gebannt blickte man auf das Debüt des belgischen Weltklasse-Judoka Toma Nikiforov auf Babonen-Seite. Gegen Johannes Frey (Schwergewicht) tobte ein Duell auf hohem Niveau. Bis der Großhaderner ein Trennkommando des Kampfrichters überhörte und Nikiforov warf, der schon die gesamte Spannung aus dem Körper gelassen hatte. Der Vize-Weltmeister fiel auf sein rechtes Knie und musste wenig später aufgeben. „Die Aktion war unfair. Wenn ich verliere, gehört das zum Judo. Aber nicht so“, sagte der 25-Jährige, der mit einer Pause von ein paar Wochen rechnen muss. „Trotzdem bin ich glücklich über den Abensberger Sieg und komme gerne wieder.“

Stark in Form war auch Manuel Scheibel (in blau).
Stark in Form war auch Manuel Scheibel (in blau).

Sebastian Seidl (hochgerückt bis 73 kg) setzte den erfolgreichen Schlusspunkt im ersten Durchlauf und führte Kollegen der bayerischen Polizei-Sportfördergruppe durch die TSV-Halle. Nach Scheibels neuerlichem Sieg, einer Niederlage von Teamkapitän Robert Dumke und dem zweiten Punkt von Münnich in letzter Sekunde zum 7:3 nahm die Dramatik Fahrt auf, die David Krämer mit dem erfolgreichen Schlussakt beendete. Und er kürte sich TSV-intern nicht selbst zum „Man of the day“, sondern Philip Graf. „Die Mannschaft gewinnt, nicht ich.“

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