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Judo-Bundesliga

Der erste Auftrag nach Olympia

Rekordmeister TSV Abensberg gastiert am Samstag bei JC Leipzig. Der Olympia-Zweite Ole Bischof fehlt bei den Babonen.
von Martin Rutrecht, MZ

Sven Maresch (r.) trägt in Abwesenheit des Olympiazweiten Ole Bischof die Hauptlast in der Klasse bis 81 kg. Foto: Archiv

abensberg. Die Gastgeber vom Judoclub (JC) Leipzig haben sich was einfallen lassen. Auf dem Plakat zum Bundesliga-Auftritt des TSV Abensberg am Samstag, 17 Uhr, prangt hinter zwei kämpfende Judoka ein landendes Flugzeug und eine Abflugtafel: „Olympic Stars F(l)ightplan“, Flug „London to Leipzig“. Das mit den Luftlotsen-Streiks konnten die Veranstalter nicht vorhersehen. Trotzdem werden die Babonen in Leipzig ankommen, sie fahren mit dem Bus.

Die Hausherren kündigen das Bundesliga-Duell des dritten Kampftags auch unter dem Motto „Vom olympischen Siegerpodest in die Grube-Hölle“ an. Geradezu euphorisch sprechen die Leipziger von einer TSV-Mannschaft „mit dem schillerndsten Kader der gesamten Liga. Nicht weniger als 18 London-Starter stehen auf deren Kämpferliste, darunter alle drei deutschen Medaillengewinner.“ Der JC versteht es, Heimauftritte zu inszenieren, was nicht selten eine volle Ernst-Grube-Halle bringt. Den 9:4-Erfolg der Leipziger vor der Sommerpause gegen JC Wiesbaden sahen knapp 1000 Zuschauern. Diesmal lockt zudem eine After-Show-Party „mit nichtolympischem Tanzsport“.

Zuvor kommt es zum Tänzchen auf der Matte. Auch Abensbergs Chefcoach Radu Ivan anerkennt die tolle Atmosphäre, welche die Sachsen in ihre Halle bringen. „Das verstehen die wirklich“, sagt der 43-Jährige. Den Babonen geht es aber vorrangig um den sportlichen Part. Der erste Auftrag nach den erfolgreichen Judo-Einsätzen von TSV-Vertreten bei den Olympischen Spielen in London heißt: Sieg in Leipzig.

Der für die Olympioniken intensive Sommer hat Spuren hinterlassen. Viele Athleten gönnen sich noch eine Auszeit. So fehlen beim deutschen Rekordmeister der Olympiazweite Ole Bischof (81 kg) und London-Starter Christopher Völk (73 kg). Andere Kämpfer laborieren noch an den Gillamoos-Folgen. Das sollte sich aber bis Samstag legen.

Der TSV Abensberg geht auch nach der Sommerpause mit aller Akribie an die Bundesliga heran. So werden zwei Armenier, die derzeit an der Abens trainieren, in Leipzig im Aufgebot stehen. Hovhannes Davtyan und Armen Nazaryan springen in den leichtesten Gewichtsklassen 60 und 66 kg den Eigengewächsen Philip Graf und Sebastian Seidl bei. In der 73 kg-Kategorie läuft Fabian Seidlmeier in Anbetracht von Völks Abwesenheit zum Alleinunterhalter auf.

Bischofs nationaler Konkurrent Sven Maresch, der dem Olympiasieger von 2008 das London-Ticket bis zuletzt streitig machte, wird seinen Teamkollegen vertreten. Robert Dumke und Florian Germroth (beide 90 kg) sowie die Olympia-Dritten Dimitri Peters (100 kg) und Andreas Tölzer (Schwergewicht) werden in den höheren Gewichtsklassen kaum etwas anbrennen lassen.

Trotzdem warnt Radu Ivan: „Leipzig sieht sich als Favoritenschreck und setzt bei jeder Begegnung alles daran, uns zu schlagen. Wir erwarten sehr spannende Kämpfe gegen eine hochmotivierte Mannschaft.“ Die deutschen Kontrahenten kennen sich von vielen Meisterschaften sowie Trainingslagern, weiß der Coach. JC-Athleten wie die Conrad-Brüder oder Norbert Fleischer und Robert Gess haben schon einige angesehene Widersacher ins Stolpern gebracht.

„Für unsere London-Starter ist es nicht einfach, die Konzentration wieder aufzunehmen“, so Ivan. Dennoch muss das schleunigst gelingen. Bereits nächste Woche wartet der Auswärtskampf bei KSV Esslingen, der die Entscheidung um Rang eins in der Bundesliga-Gruppe Süd bringen wird. Beim Süd-Meister – einen Viertelfinal-Erfolg gegen den Nord-Vierten vorausgesetzt – steigt heuer das Finale der Liga (20. Oktober). In 14 Tagen wird sich Wiesbaden wohl vergeblich in Abensberg mühen. Dann ist die Vorrunde auch schon rum. Und der Flieger steuert die nächste Destination an.

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