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Judo

Der FC Bayern des Judo ist zurück

Abensberg sitzt nach fünf Jahren Pause wieder am Bundesliga-Thron. Sebi Seidl war Tränen nah - weil er nicht feiern durfte.
Von Martin Rutrecht

  • Der TSV Abensberg ist Bundesliga-Meister 2019 - Abteilungsleiter Martin Oberndorfer stemmt die Trophäe. Foto: DJB
  • Abensbergs Beka Gviniashvili (in weiß) bezwang in einem epischen Duell den Weltmeister Noël Van `t End. Foto: Oliver Lang
  • Jubel, Trubel, Heiterkeit bei Meister TSV Abensberg Foto: Alois Steffl
  • Ex-Großhaderner wie Timo Cavelius (in weiß) wurden zu Leistungsträgern des neuen Meisters. Foto: Oliver Lang

Abensberg.Nach einer Durststrecke von fünf Jahren, die sich anfühlte wie ein Gillamoos ohne Bier, hat Judo-Rekordmeister TSV Abensberg am Samstag die Hackordnung mit dem 21. Titel wieder gerade gerückt. Nach einem dramatischen Finale beim KSV Esslingen feierten die Babonen bis in die Morgenstunden. Abteilungsleiter Martin Oberndorfer war glückselig: „Ich kann gar nicht sagen, wie happy ich bin.“

„Wahnsinn! Ein Krimi vom Allerfeinsten.“

Sebastian Seidl

An Spannung und auch sportlicher Qualität war dieses 8:6 im Finale gegen Ausrichter Esslingen nicht zu überbieten. „Wahnsinn! Ein Krimi vom Allerfeinsten“, brach es aus TSV-Topathlet Sebastian Seidl heraus. „Wir waren ein Team wie nie zuvor“, unterstrich der Olympionike. „Ich wusste, dass es knalleng wird, aber so hatte ich es nicht erwartet“, sagte auf der Gegenseite der KSV-Athlet Dimitri Peters, der früher für die Babonen kämpfte.

Marc Odenthal verbflüffte: Eigentlich schon „Judo-Rentner“ warf einen Weltmeister spektakulär.
Marc Odenthal verbflüffte: Eigentlich schon „Judo-Rentner“ warf einen Weltmeister spektakulär.

Mit seinem Erfolg im Schwergewicht gegen den TSV-Legionär Iakiv Khammo hatte Peters den Showdown auf die Spitze getrieben - er glich zum 6:6 aus. Aber die letzten beiden Duelle gingen an die Niederbayern. „Zefix, wieder unser alter Dima“, schilderte Martin Oberndorfer die Gefühlslage beim Streich des Ex-Babonen. „Aber was Max Heyder und Marc Odenthal dann abgeliefert haben, war sensationell.“ Superleichtgewichtler Heyder machte in der Verlängerung den entscheidenden Punkt zum 7:6 (selbst ein Sieg im letzten Kampf hätte Esslingen nichts gebracht, weil der TSV in der Unterbewertung vorne lag). Odenthal zauberte spektakulär gegen Weltmeister Nikoloz Sherazadishvili die Kirsche auf die Meistertorte.

Johannes Frey stürmt wutentbrannt die Matte

Heyder, Timo Cavelius und Karl-Richard Frey waren die Großhaderner Flügelzange der Babonen, die den KSV heftig kniff. „Wir sind mit unseren Kämpfern aus Großhadern eine Einheit geworden“, so Oberndorfer. Die Münchner waren zu Beginn der Saison nach dem eigenen Bundesliga-Rückzug an die Abens gestoßen. In jeder Faser hatte der Rekordmeister das „Mia san die Bayern“-Gen gefunden. Das galt selbst für den Georgier Beka Gviniashvili, der Weltmeister Noël Van `t End mit der dritten Passivitätsstrafe in die Knie zwang. Dabei hatte der Niederländer schon gejubelt. Aber das Kampfgericht nahm einen Ippon zurück und gab Wazaari. Gviniashvili blieb im Spiel und sorgte für die 4:3-Pausenführung.

Sebastian Seidl (in weiß) demontiert hier Steffen Hoffmann. Foto: Alois Steffl
Sebastian Seidl (in weiß) demontiert hier Steffen Hoffmann. Foto: Alois Steffl

Schon im allerersten Duell gingen die Wogen in einer stimmungsvollen Esslinger Halle hoch. KSV-Altmeister Dino Pfeiffer kochte Vizeweltmeister Karl-Richard Frey mit einem Armhebel ab - wutentbrannt sprintete Freys Bruder Johannes auf die Matte. Abteilungsleiter Oberndorfer hatte für diese Aktion kein Verständnis: „Was Johannes da gemacht hat, geht gar nicht. Auch wenn man weiß, dass Pfeiffer seinen Armhebel schon extrem durchzieht.“ Der Ausraster wurde vom Kampfgericht entsprechend geahndet - der Schwergewichtler wurde für den weiteren Wettkampfverlauf gesperrt.

„Irgendwo habe ich meine Stimme verloren.“

Martin Oberndorfer

Eine Disqualifikation holte sich auch TSV-Ausländer Georgii Zantaraia ab. Er attackierte Igor Wandtke mit Kopfstößen. „Zanta hätte sich das sparen müssen“, sagte Oberndorfer auch dazu. Von einem „faden Beigeschmack“ sprach KSV-Trainer Carsten Finkbeiner angesichts des Verhaltens von Frey und Zantaraia. „Wir sind trotzdem cool geblieben und haben uns von nichts beeinflussen lassen“, sah Sebi Seidl die Disqualifikation eher als zusätzliche Motivation. „Wir standen mit dem Rücken zur Wand, haben uns aber mit einer riesen Moral behauptet.“

Abensberg mit Manuel Scheibel (in weiß) ist oben auf, Esslingen geschlagen. Foto: Alois Steffl
Abensberg mit Manuel Scheibel (in weiß) ist oben auf, Esslingen geschlagen. Foto: Alois Steffl

Seidl und Manuel Scheibel waren die waschechten „Omschberger“ Punktgaranten in diesem Finale. „Es fühlt sich geil an, nach fünf Jahren wieder ganz oben zu stehen“, so Seidl, der an der Meistersause nicht teilnehmen konnte. „Mir sind fast die Tränen gekommen. Aber ich bin mit meinen Eltern gleich heimgefahren, weil ich diese Woche beim Grand Slam in Abu Dhabi kämpfe.“ Seine Teamkollegen ließen sich nicht lumpen und feierten bis in die Morgenstunden. „Irgendwo habe ich auch meine Stimme verloren“, krächzte Martin Oberndorfer schmunzelnd.

Bundesliga-Rückzug ist kein Thema mehr

Zur Rückkehr auf den Thron gratulierte auch KSV-Coach Finkbeiner. „Es war ein verdienter Erfolg der Abensberger. Und die gemeinsame Feier im Anschluss hat uns auch brutal gefreut“, so der Trainer. Sein Recke Dimitri Peters war wie seine KSV-Kollegen „enttäuscht“, kündigte aber fürs nächste Jahr wie sein Coach die Gegenattacke an.

Judo

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Nach dem Hickhack um die Endrunden-Terminierung und spitzen Pfeilen war auch TSV-Abteilungschef Martin Oberndorfer an der sportlichen Würdigung gelegen. „Der Funke ist innerhalb der Mannschaft übergesprungen. Das hat man schon am Ende der Vorrunde gemerkt“, freute er sich.

Der Jubel bricht sich Bann: Der TSV Abensberg holt den Titel. Foto: Alois Steffl
Der Jubel bricht sich Bann: Der TSV Abensberg holt den Titel. Foto: Alois Steffl

„Wir werden der Bundesliga treu bleiben“, legte Oberndorfer auch Andeutungen im Vorfeld ad acta. „Ein Ausstieg ist keine Option, auch wenn das Olympia-Jahr vor der Tür steht.“ 2015 zog sich Abensberg angesichts vieler Olympia-Kandidaten in den eigenen Reihen zurück. „Das hat unserem Image nicht gut getan“, sagt der Funktionär heute.

Platz sieben bei U21-WM

  • Weltelite:

    Raffaela Igl (18) vom TSV Abensberg kämpfte sich bei ihrer ersten U21-WM in Marokko auf Rang sieben. Die junge Rottenburgerin hatte dabei nicht wirklich Losglück - sie traf auf die Top-Fünf-Damen der Welt. Lokalmatadorin Yousra Mahrek zählte noch nicht dazu. Igl setzte sich nach 48 Sekunden durch.

  • Spitzenduelle:

    Dann wurde es happig. Im Viertelfinale wartete die Portugiesin Patricia Sampaio, die Nummer eins der U21-Welt. Erst im Golden Score scheiterte Igl. Die Chance auf eine Medaille gab es über die Trostrunde. Aber hier hatte die Weltranglisten-Fünfte Daria Kariakina aus Russland etwas dagegen.

„Wir werden auf junge Athleten setzen. Sinn macht auf Dauer nur ein eigener Unterbau.“ Eine Dominanz wie in der Vergangenheit mit einem Abo auf den Bundesliga-Titel sieht Martin Oberndorfer nicht heraufziehen. „Aber wir bleiben dran. Unsere Botschaft lautet: Der TSV Abensberg ist wieder da.“

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