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Der Hopfen-Kanonier und St. Pauli-Fan

Torjäger Manfred Gröber vom TV Aiglsbach kriegt nur bei einem Klub „weiche Knie“. Fußball interessierte ihn als Kind nicht.
Von Martin Rutrecht

Manfred Gröber (in blau) steht auch in der laufenden Saison nach 17 Partien schon wieder bei 21 Treffern. Foto: Rimmelspacher
Manfred Gröber (in blau) steht auch in der laufenden Saison nach 17 Partien schon wieder bei 21 Treffern. Foto: Rimmelspacher

Aiglsbach.Das Bekenntnis ist mindestens erstaunlich. „Meine Eltern haben mir erzählt, dass ich als Kind nichts vom Fußball wissen wollte“, sagt Manfred Gröber. Er hat es sich doch anders überlegt und heute ist der 25-Jährige der Kanonier der Hallertau schlechthin: 31 Tore in der vergangenen Landesliga-Saison beim TV Aiglsbach. In der Bezirksliga steht Gröber aktuell bei 21 Treffern. Angebote hat er bis aus der Regionalliga. Doch nur bei einem Klub kriegt er „weiche Knie“.

„Bei anderen Sportarten von ihm muss man sagen: Gut, dass er Fußball kann.“

Georg Gröber-Lex

„Mane“ Gröber schmunzelt, wenn er in Kindheitserinnerungen kramt. „Von heute auf morgen hatte ich plötzlich Freude am Fußball und bin nicht mehr runter vom Platz.“ Was nach neckischen Worten seines Bruders Georg Gröber-Lex (29) eine gute Entwicklung sei: „Bei anderen Sportarten, die er macht, wie Dart, kann man nur sagen: Wenigstens Fußball beherrscht er.“

Beim FC Ingolstadt rangekämpft

Mit sieben Jahren entzündete sich die Leidenschaft am Kicken bei Manfred Gröber. „In der Offensive wollte ich schon immer spielen.“ Seine Trefferquote schraubte sich von Jahr zu Jahr nach oben – in der B-Jugend erzielte er in einer Saison über 40 Tore.

Kein Wunder, dass in dieser Zeit der Profiklub FC Ingolstadt auf den Plan trat, der 16-jährige Aiglsbacher wechselte zur FCI-U19 in die Bayernliga. „Es gestaltete sich anfangs sehr holprig.“ Zeitweise stand der junge Kicker nicht einmal im Kader. Als er aber eine Chance bekam, wusste er sie zu nutzen. „Es war ein Spiel gegen Unterhaching. Ich habe einen Hattrick erzielt.“

Mit 31 Toren war Gröber in der Saison 2017/18 Torschützenkönig der Landesliga Südost – obwohl sein Team als Tabellenletzter abstieg. Foto: FuPa/Archiv
Mit 31 Toren war Gröber in der Saison 2017/18 Torschützenkönig der Landesliga Südost – obwohl sein Team als Tabellenletzter abstieg. Foto: FuPa/Archiv

Trotzdem reichte es nach zwei Jahren nicht für einen Anschlussvertrag bei den Amateuren in der Regionalliga. „Für mich war’s nicht schlimm“, sagt Gröber, „den großen Traum vom Profi hatte ich nie.“ Der TV Schierling klopfte an. „Schierling war damals Landesliga, Aiglsbach Kreisliga. Mittlerweile hat sich der Spieß umgedreht.“ Das Laabertal reizte und Gröber erzielte für Schierling in zwei Spielzeiten 24 Tore.

„Ein vorbildlicher Spieler ist für mich Keeper Gianluigi Buffon.“

Manfred Gröber

Im Sommer 2014 kehrte er zum TV Aiglsbach zurück und marschierte mit den Hallertauern binnen drei Jahren in die Landesliga. Die vergangene Saison stachelte Gröber noch mehr an. „Ich habe sehr an meiner Fitness gearbeitet und mich über Monate an einen Ernährungsplan gehalten.“ Disziplin mache auch einen guten Profi aus, so sei für ihn Keeper Gianluigi Buffon ein „vorbildlicher Spieler“. Erst dann nennt er Cristiano Ronaldo „als komplettesten Spieler“. Gröbers 31 Tore waren stark, trotzdem stieg Aiglsbach ab.

Im Video wird Manfred Gröber für seine 31 Landesliga-Tore ausgezeichnet – mit 15 Kisten Bier:

Die vielen Tore riefen Interesse bis aus der vierten Liga hervor. „Mane würde mit seinen Fähigkeiten auch in höheren Spielklassen treffen“, sagt Aiglsbachs Coach Benjamin Flicker, der auch aus seiner Erfahrung des Leistungsfußballs in der Ingolstädter Nachwuchsschmiede spricht. „Er braucht nicht fünf Chancen für ein Tor, ihm reicht eine.“

Trainer: „Er kann aus dem Stand explodieren“

Der Torjäger stellt seine Qualitäten unter eine Überschrift: „sportlicher Ehrgeiz und riesiger Wille“. „Ich kenne nur einen Weg: Richtung Tor“, sagt der 25-jährige Kicker, der von Beruf Projektleiter bei einer Geisenfelder Firma für große Lüftungsanlagen ist. „Meinem früheren Trainer habe ich manchmal gesagt: Wenn ich den Ball habe, gibt’s kein nach hinten spielen.“ Aber Gröber agiert nicht eigensinnig, wie 18 Torvorlagen im Aiglsbacher Landesliga-Jahr zeigen.

Trainer Benjamin Flicker sagt: „Mane braucht nicht fünf Chancen für ein Tor, eine reicht ihm.“ Foto: Rutrecht
Trainer Benjamin Flicker sagt: „Mane braucht nicht fünf Chancen für ein Tor, eine reicht ihm.“ Foto: Rutrecht

Trainer Flicker fasst die Stärken kompakt zusammen. „Aggressivität, Laufbereitschaft, Dynamik, sehr gute, präzise Schusstechnik – und er kann aus dem Stand heraus explodieren.“ Schwächen? „Es gibt die eine oder andere Kleinigkeit, aber die werde ich hier nicht verraten“, lacht Flicker. Eine Ausrichtung nur auf einen Spieler lehnt der Coach aber grundsätzlich ab. „Was macht man, wenn dieser Spieler nicht mehr da ist?!“ Abseits der aktuell 21 Treffer von Gröber erzielte Aiglsbach weitere 29 Tore, „die auch ohne Mane eine überragende Quote darstellen würden“.

Einer für alle – alle für einen

  • Vorbild:

    „Vor allem die jungen Spieler schauen zu ihm auf“, sagt Coach Benjamin Flicker. Gröber nehme sich ihrer auch an und „versucht, sie mit seiner Aggressivität anzustecken“.

  • Leader:

    Gröber geht gerne voran, „auch mit strengerem Ton“, verrät der Torjäger. Beim Fußball-Förderverein ist er 2. Vorsitzender. „Die Spieler kriegen kein Geld – auch ich nicht.“

Abwanderungsgedanken hegt Gröber ohnehin nicht. „Ich möchte es nicht ausschließen, aber ich pendle zu keinem Verein eine Stunde hin.“ In Aiglsbach fühle er sich wohl, bekundet der seit mehreren Jahren liierte Torjäger, „und vielleicht schaffen wir nochmal den Sprung in die Landesliga“. Nur bei einem Klub bekommt er „weiche Knie“. „Ich bin ein riesen Fan von St. Pauli. Wenn da eine Anfrage käme, würde ich nicht lange überlegen“, lacht er.

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