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Judo-Bundesliga

Der Rekordmeister legt vor

Die Judoka des TSV Abensberg gewinnen den Hinkampf zum Viertelfinale in Witten mit 7:1. Gleich sechs Duelle enden mit einem Unentschieden.
Von Martin Rutrecht, MZ

Manuel Scheibel (in blau) zeigte bis 60 kg eine gute Vorstellung und erkämpfte eines von sechs Unentschieden. Foto: TSV Abensberg

witten/abensberg.Lange mussten die Kampfrichter nachdenken. Doch ihnen fiel kein vergleichbares Ergebnis ein. Ein Aufeinandertreffen in der Judo-Bundesliga, das in 14 Einzelkämpfen sechs Duelle ohne Sieger erlebt, genießt hohen Seltenheitswert. Dem TSV Abensberg konnte das Kramen in der Historie egal sein. Denn von den restlichen acht Begegnungen mit SUA Witten gingen sieben an den 17-fachen deutschen Meister. Was nach Adam Riese ein 7:1 im Hinkampf zum Bundesliga-Viertelfinale 2012 bedeutet. Das Wiedersehen an der Abens in drei Wochen scheint Formsache.

„Jetzt sieht das Resultat deutlich aus. Aber wenn nur zwei, drei dieser Remis-Kämpfe auf die Seite der Hausherren kippen, wird’s plötzlich eng“, sagte TSV-Chefcoach Radu Ivan nach getaner Arbeit. Verstärkt durch den US-Amerikaner Travis Stevens (81 kg) machte sich der Süd-Meister auf in den Ruhrpott. Witten hatte Wort gehalten und den Babonen einiges entgegen geworfen. Doch am Ende bestach gerade die Klasse der nationalen Judoka auf TSV-Seite.

Beinahe wäre schon das erste Duell dieses frühen Abends mit einem Unentschieden ausgegangen. Aber 15 Sekunden vor Ablauf der Kampfzeit von fünf Minuten hatte Stevens gegen den Wittener Stefan Oldenburg endlich einen Haltegriff durchgebracht. „Travis will es für uns immer besonders gut machen. Er setzt sich dabei zu sehr unter Druck und geht manchmal zu verkrampft auf die Matte“, befindet Trainer Ivan. Dadurch habe er es sich im Auftaktkampf unnötig schwer gemacht.

Dann folgte das erste Remis und auch die erste kleinere Überraschung an diesem Tag. Der Olympionike Christopher Völk (73 kg) brachte gegen SUA-Athlet Henrik Lauer keinen Griff durch. Man sah, dass sich beide von Kadermaßnahmen sehr gut kennen. So konnte der Wittener alle Angriffe abwehren. Keine einzige Wertung gab es zu notieren, was ein 0:0 bedeutete. Folgerichtig erhielt kein Team einen Punkt. Mit dem nächsten Fight glich der Gastgeber aus. Dominik Gerzer (100 kg) hatte sich gegen Benjamin Behrla viel vorgenommen, doch der starke Deutsche düpierte den Abensberger mit einem Abtaucher. Die dafür ausgesprochene Wazaari-Wertung verteidigte er bis zum Schluss.

Der Pförringer Sebastian Seidl (66kg), vor einer Woche Dritter beim Weltcup-Turnier in Rom, hatte gegen den jungen Christopher Köllner hingegen überhaupt keine Mühe. Nach gut einer Minute ließ Seidl seinen Widersacher aus einer Festhaltetechnik nicht mehr entwischen. Die 2:1-Führung hielt sein Kollege Robert Dumke (90kg) durch ein wichtiges Unentschieden gegen den Niederländer Robby van Laarhoven. Mit seinem Ausländer hatte sich der Nord-Gruppen-Vierte Witten sicher mehr erhofft. Doch erneut stand nichts auf der Anzeigetafel.

Die nationalen Verhältnisse im Schwergewicht unterstrich der Olympia-Dritte Andreas Tölzer eindrucksvoll. Seinen vermeintlichen Herausforderer André Breitbarth brachte er nach knapp eineinhalb Minuten zur Strecke. Auch an alter Wirkungsstätte betonte der Doppel-Vizeweltmeister seine Ambitionen Richtung Rio 2016. Als Gegenpol zum Duell der Kolosse gaben die Superleichtgewichte (60 kg) Marcel Haupt und Manuel Scheibel aus Dürnhart den Abschluss des ersten Durchgangs. Zunächst dominierte der Wittener, dann wurde der Biburger immer stärker. Es endete – ohne Wertung. Der TSV führte 3:1.

Radu Ivan atmete kurz durch. „Ein 3:3-Zwischenstand wäre für mich keine Überraschung gewesen.“ Nun konnten die Gäste ihren breiten und qualitativ starken Kader ausspielen, während die Hausherren in ihren Wechselmöglichkeiten begrenzt waren. Ein neues Gesicht bei Witten war Florian Heimlich, der US-Boy Stevens bis in die vierte Minute fordern konnte, dann aber mit seinem Latein am Ende war. Henrik Lauer ärgerte nach Völk auch dessen Vertreter Fabian Seidlmeier. Wie gegen den Olympia-Starter schaffte er ein Remis. Bis 100kg spielte der TSV die Trumpfkarte Dimitri Peters aus. Der Olympia-Dritte gönnte seinem Gegner Stefan Langwald ganze 44 Sekunden auf der Matte. Dann hatte das 5:1 für die Niederbayern Bestand.

Witten hätte nun schon die restlichen vier Kämpfe gewinnen müssen, um zumindest ein 5:5 zu holen. Seidl zerstörte auch diese theoretische Möglichkeit, als er Haupt in vollen fünf Minuten niederrang. Der Niederländer van Laarhoven und Florian Germroth (90 kg) „einigten“ sich wieder auf ein Remis. Im Schwergewicht übertrieb es Benjamin Behrla mit seinen Kampfgebärden an die Adresse Tölzers, ging aber immerhin in Führung. Wegen einer angeblichen Verletzung am Finger hatte Behrla dann aber keine Lust mehr auf Fortsetzung des Duells. Der 14. und letzte Auftritt zwischen den 60kg-Burschen Nicki Graczyk und Abensbergs Philip Graf endete – welche Überraschung – in einem Unentschieden. Die zwei jungen Talente gaben eine interessante Vorstellung, aber hüben wie drüben hatten die Kampfrichter nichts zu notieren.

Das 7:1 ist für Abensberg eine optimale Ausgangsbasis für das Rückmatch, auch wenn Chefcoach Ivan noch in Zurückhaltung machte: „Witten hat angekündigt, bei uns auch auf Ausländer zu setzen. Wir selbst werden wahrscheinlich nur mit heimischen Judoka antreten. Graf und Seidl fehlen.“ Vier Punkte müssen die Babonen holen, dann kann sich die SUA mühen, wie sie will.

Ivan gefiel das Resultat auch insofern, „als nicht wieder ein 12:1 oder so da steht. Ich denke, dass auch der Rückkampf spannend wird.“ Mit der Mannschaftsleistung der TSV-Recken war er „sehr zufrieden“. Und auch mit dem Gegner: „Die Wittener haben alles versucht und sich teuer verkauft. Ihre Kämpfer waren auf unsere Athleten sehr gut eingestellt. Zum ersten Mal in dieser Saison hatten wir etwas Mühe.“

Am Ausgang des Viertelfinales wird aber keiner zweifeln. Damit darf sich der TSV Abensberg auf die Rolle als Ausrichters der Bundesliga-Endrunde am 24. November einstellen. Die vier Halbfinalisten werden an diesem Tag den deutschen Vereinsmeister küren.

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