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Porträt

Der Vater von 180 Fußball-Kindern

Andreas Meister hat in Offenstetten eine erstaunliche Nachwuchsarbeit aufgebaut. BFV würdigt ihn mit dem Ehrenamtspreis.
Von Martin Rutrecht

Nur ein Teil „seiner“ Kinder: Andreas Meister mit einer Jugendtruppe, die er selbst trainiert.
Nur ein Teil „seiner“ Kinder: Andreas Meister mit einer Jugendtruppe, die er selbst trainiert. Foto: xlf

Offenstetten.Ein wenig aufpassen muss man schon, wenn man einen Mann als Vater von 180 Kindern tituliert. Tatsächlich hat Andreas Meister (43) zwei eigene Jungs (8 und 10); die anderen 178 Schützlinge sind die Jugendfußballer des TSV Offenstetten. „Wir haben sämtliche Altersstufen von den G- bis zu den A-Junioren mit einem oder mehreren Teams besetzt. Und das in Zeiten, wo selbst größere Klubs nur über Spielgemeinschaften oder JFG’s überleben können“, sagt der Jugendleiter stolz. Der Bayerische Fußballverband (BFV) hat Andreas Meister nun bei der Ehrenamtspreis-Verleihung in München als Sieger im Fußballkreis Landshut ausgezeichnet. Einer der Gratulanten war der deutsche Welt- und Europameister und FC Augsburg-Manager Stefan Reuter.

Eines möchte der Preisträger zwingend betonen: „Die Arbeit leiste nicht ich als Jugendleiter allein, dahinter stecken viele Betreuerkollegen, Helfer, Spielerväter, die bei Aktionen mitmachen, Spielermütter, die Kuchen backen und so weiter. Im Grunde ist es eine Auszeichnung für uns alle.“ Meister geht aber voran, das will er nicht abstreiten. „Letztlich muss schon einer das Schiff steuern und die Fäden zusammen führen. Die Räder greifen bei uns ineinander.“

26 Trainer stehen hinter den Teams

Als Junge wurde der Offenstettener selbst mit Fußball groß. „Ich bin seit dem achten Lebensjahr beim TSV“, erzählt er. Bei den Herren schaffte er es über die Reserve in die erste Mannschaft, die „damals im Abensberger Stadtgebiet das Team in der höchsten Klasse war. Wir haben in der heutigen Kreisliga gespielt.“ Auf seiner Position im rechten Mittelfeld kickte Meister lange, ehe er mit 33 Jahren nach Knieproblemen vom Arzt die Empfehlung bekam: „Hör’ auf mit Fußball.“

„Halloween-Party, Faschingsgaudi, Zeltlager, Turniere – damit hält man heute die Jugend im Verein.“

Andreas Meister

Meister übernahm ein Betreueramt in der E-Jugend. „Ich habe dann festgestellt, dass manches nicht so schnurrt.“ So war der Übergang zu den einzelnen Altersklassen wenig strukturiert, für Meisters Begriffe war der Nachwuchsbereich auch zu sehr auf nur gute Spieler ausgelegt. „Das kann nicht klappen, weil dir irgendwann die talentierten Kicker ausgehen und Jugendteams nicht mehr zu besetzen sind. Jeder, der Spaß am Fußball hat, soll mitmachen dürfen.“ Damit formuliert der Familienvater einen Grundsatz seiner Amtszeit, die vor sechs Jahren mit einer interimsmäßigen Führung und zwei Jahre später mit der offiziellen Wahl zum Jugendleiter begann.

Die Früchte des Erfolgs erntet der TSV nun: zwei G-Jugend-Mannschaften spielen, zwei in der F, drei in der E, drei in der D – davon ein Mädchenteam – sowie je eine C-, B- und A-Truppe. „Alles in allem haben wir 180 junge Fußballer.“ Dabei zählt Offenstetten ganze 2100 Einwohner. „Wir haben Zulauf aus Pullach, Arnhofen und Sallingberg“, ergänzt Meister. Hinter all den vielen Mannschaften stehen – 26 Jugendtrainer.

Geheim zur Wahl vorgeschlagen

Der 43-Jährige, der bei der Abensberger Firma Kroschu (Kabelbäume für Autos/40 000 Mitarbeiter weltweit) für den technischen Einkauf zuständig ist, hat die Zeichen der Zeit erkannt. „Es reicht nicht, wenn du Training und Spiele anbietest.“ Halloween-Party, Faschingsgaudi, Zeltlager, Turniere – „damit hält man die Jugend im Verein“. Die Kinder fühlten sich wohl im TSV, „am Samstag kommen sie zu uns ins Vereinsheim zum Bundesliga gucken“.

Am Platz, sagt Meister, sei die Anerkennung für die Kinder wichtig. „Man muss sie auch anfeuern, wenn sie Schwächen zeigen. Der Leistungsgedanke steht bei uns nicht im Vordergrund. Es ist schön, wenn mal eine junge Truppe wie im vergangenen Winter bei der niederbayerischen Meisterschaft in der Halle dabei ist und den TSV vertritt. Aber allein auf solche Erfolge zielen wir nicht ab.“

Stefan Reuter (l.), BFV-Präsident Rainer Koch und Kreisehrenamtsbeauftragter Erich Schneider (r.) zeichneten Andreas Meister (2. v. l.) aus.
Stefan Reuter (l.), BFV-Präsident Rainer Koch und Kreisehrenamtsbeauftragter Erich Schneider (r.) zeichneten Andreas Meister (2. v. l.) aus. Foto: BFV

„Anerkennung für unsere Arbeit“ hätten nun er und seine Mitstreiter durch den BFV-Ehrenamtspreis erfahren. Andreas Meister wusste zunächst gar nichts von der Würdigung. „Unser TSV-Ehrenamtsbeauftragter Hubert Habermeier hat mich vor einem halben Jahr in München vorgeschlagen. Der Vereinsausschuss hatte es beschlossen.“

Der Jugendleiter erfuhr nichts. „Eines Tages hat sich der Kreisbeauftragte Erich Schneider bei mir gemeldet und gesagt, er möchte mit mir etwas bereden.“ Der Rohrer kam zu einem Training – und unterrichtete Andreas Meister, dass er den Preis bekommen soll. „Offiziell wird man dann gefragt, ob man ihn annimmt. Ich habe natürlich nicht gezögert. Es ist eine riesen Ehre. Die Überraschung war wirklich gelungen.“

Die eigenen Söhne trainiert er nicht

Das GOP-Varieté-Theater in München sei für den Ehrenabend ein „sehr schöner Rahmen“ gewesen. Meister reiste mit Ehefrau Carmen und TSV-Vorsitzendem Alfred Junker an. BFV-Präsident Rainer Koch und Stefan Reuter zeichneten die 24 bayerischen Kreissieger stellvertretend für das Engagement aller Ehrenamtlichen in den 4600 Fußballvereinen Bayerns aus. Natürlich ließ sich Meister gerne mit Weltmeister Reuter ablichten.

Der gewürdigte Offenstettener ist kein reiner Schreibtischfunktionär. „Ich trainiere nach wie vor Jugendteams selbst, nur meine eigenen Junges nicht. Das ist ein Prinzip von mir.“ In monatlichen Trainer- und Ausschusssitzungen wird die Arbeit abgesteckt. „Es ist viel Aufwand dahinter – aber ohne geht’s nicht.“

Wunsch: ein dritter Fußballplatz

Der TSV bemüht sich auch um Asylbewerber. „Wir haben drei Spieler bei den Erwachsenen aufgenommen, fünf in der A- und B-Jugend.“ Die Jungs stammen vom Berufsbildungswerk und einer Aufnahmeeinrichtung in Gaden. „Die sprachlichen Barrieren sind nicht einfach zu meistern, aber das wird mit der Zeit.“ Ebenfalls einen Platz im Verein finden lernschwache Kinder, etwa aus dem Cabriniheim. „Da sind gute Fußballer darunter, das möcht’ man gar nicht glauben“, schmunzelt Andreas Meister.

Für die Zukunft sieht der Jugendleiter den Fußballnachwuchs in Offenstetten gut aufgestellt. „In den nächsten Jahren sollte es stabil bleiben. Was in zehn Jahren ist, weiß keiner.“ Einen Wunsch hat der Ehrenamtspreisträger: „Wir brauchen endlich einen dritten Fußballplatz beim TSV, wir kommen mit den Trainingseinheiten der vielen Teams vorne und hinten nicht mehr zusammen.“ Die Eingabe sei schon bei der Stadt Abensberg. Und es ist davon auszugehen, dass Andreas Meister hartnäckig an dem Projekt dranbleiben wird. Schließlich stehen 180 Kinder hinter ihm.

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