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Judo

Die „geilen Typen“ im Kimono

Das bekannteste Brüder-Paar im Judo kämpft für Abensberg. Sie sind unzertrennlich und wollen beide eine Medaille bei Olympia.
Von Martin Rutrecht

Vizeweltmeister Karl-Richard Frey (weiß) und Marc Odenthal (blau) waren im Vorjahr noch Rivalen. Jetzt kämpfen beide für den TSV Abensberg. Foto: Alois Steffl
Vizeweltmeister Karl-Richard Frey (weiß) und Marc Odenthal (blau) waren im Vorjahr noch Rivalen. Jetzt kämpfen beide für den TSV Abensberg. Foto: Alois Steffl

Abensberg.Wenn Karl-Richard Frey über Platzierungen spricht, beginnt er mit Rang zwei. „Platz eins ist besetzt, von meinem Bruder und mir“, sagt der Judo-Vizeweltmeister von 2015 mit gewinnendem Lächeln. Der 27-Jährige und sein Bruder Johannes (22) haben hohe Ansprüche. Sie wollen vorne stehen, nicht nur mit ihrem neuen Klub TSV Abensberg, sondern auch in einem Jahr bei den Olympischen Spielen. „Wir sind nicht überheblich, aber eine Medaille streben wir in Tokio an. Sonst würden wir nicht auf dieses riesen Ereignis hinarbeiten.“

„Wir waren verletzt, jetzt stehen wir wieder im Saft.“

Karl-Richard Frey

Die Frey-Brüder – von denen es mit Gerrit Manuel (25) auch einen dritten, nicht mehr aktiven Judoka gibt – sind das neue Glanzstück des deutschen Bundesliga-Rekordmeisters. Kleiner Schönheitsfehler: Bislang konnte man sie noch nie im Abensberger Kimono sehen. „Wir waren beide verletzt, jetzt stehen wir wieder voll im Saft“, erklärt Karl-Richard Frey. Damit kann am Samstag die Premiere erfolgen. „Auch der Bundestrainer hat grünes Licht gegeben, wir dürfen trotz einer intensiven Trainingsphase antreten.“

Explosion auf der Matte

Der Bundeswehr-Soldat Karl-Richard und der Bundespolizist Johannes Frey leben gemeinsam in einer Wohnung in Köln. Nur zehn Minuten haben sie bis zum Judo-Leistungszentrum, wo die beiden Nationalkaderkämpfer tagtäglich trainieren. „Den Rhythmus ist man gewohnt: Frühstück, Training, Mittagessen, Schlafen, noch mal Essen, gegen 18 Uhr wieder Training“, schildert der Vizeweltmeister und WM-Dritte von 2014.

Hier sehen Sie Karl-Richard Frey auf der Matte und im Interview:

„Am Nachmittag kann man Freunde treffen, aber meist liest man oder schaut Fernsehen“, ergänzt der jüngere Bruder. Gerade in einer hohen Trainingsintensität fallen auch Samstag und Sonntag als freie Tage aus. Von Karl-Richard Frey stammt der Ausspruch: „Wenn ich nicht trainiere, könnte mein Gegner trainieren.“ Er nickt: „Wir beide legen freiwillig eine Schippe drauf.“ Ihr Nationalteamkollege Anthony Zingg sagt über die Freys: „Das sind geile Typen, umgänglich, locker. Aber auf der Matte explodieren sie.“

„Ich hatte mit 19 schon 100 Kilo, da bietet sich das Schwergewicht an.“

Johannes Frey

Für das große Ziel Olympia schuften die Brüder mit voller Hingabe. Der 27-Jährige kämpfte bereits bei den Spielen 2016 in Rio – und wurde undankbarer Fünfter. Johannes Frey, Junioren-Vizeeuropameister 2016, fehlen noch die WM-Meriten seines Bruders. „Vor seiner Verletzung hat er beim Grand Slam in Düsseldorf den aktuellen Vizeweltmeister besiegt. Das Potenzial ist absolut vorhanden“, stärkt Karl-Richard Frey seinen „kleinen“ Bruder, der mit 1,92 Meter vier Zentimeter größer ist.

Der Kleine ist vier Zentimeter größer

Die Größe gab mit den Ausschlag, warum Johannes Frey vor zwei Jahren von der 100-kg-Gewichtsklasse ins Schwergewicht umstieg. „Ich hatte mit 19 Jahren an die 100 Kilo, da macht es Sinn, in die Ü100 zu gehen“, sagt er. Unter anderem mit Abensbergs früherem Topkämpfer Andreas Tölzer (Olympia-Dritter, Doppel-Vizeweltmeister) wurde der Wechsel besprochen. Charmanter Vorteil: Die Freys gehen sich aus dem Weg, denn zuvor standen beide in der 100-kg-Kategorie. „Ich muss zulegen, aber man muss nicht mehr über 130 Kilo gehen, um konkurrenzfähig zu sein“, so der mittlerweile zweifache deutsche Schwergewichts-Meister.

Johannes Frey möchte im Schwergewicht in die Weltspitze aufsteigen. Foto: Jonas Güttler/dpa
Johannes Frey möchte im Schwergewicht in die Weltspitze aufsteigen. Foto: Jonas Güttler/dpa

Dass der eine vom anderen genug hat, kommt eher selten vor. „Wir streiten maximal zehn Minuten, dann ist’s wieder gut“, sagen beide lachend. Der Zusammenhalt rührt auch aus der gemeinsamen Judoerfahrung von Kindesbeinen an. „Unser Vater ist Polizist und hat selbst Kampfsporterfahrung.“ Für das Training seiner Kinder hat ihm Judo am besten gefallen. Das ist nicht zuletzt dem Regelwerk und der Werteordnung geschuldet.

Johannes Frey wurde in Düsseldorf Zweiter bei der „Sportler des Jahres“-Kür – hinter Tischtennis-Star Timo Boll:

Alle drei Brüder tobten sich früh auf der Matte aus. „Ich bin mit fünf Jahren zum Beueler Judo-Club gegangen, Johannes erst mit sieben, er wollte lieber weiter nur mit seinen Brüdern kämpfen und von ihnen lernen“, erzählt Karl-Richard Frey aus seinen Kindheitstagen in Sankt Augustin (NRW).

Das Bayern-Gen aufgenommen

Manuel Frey verabschiedete sich mit 15 Jahren vom Leistungssport, kämpfte sich aber weiter durch die Liga und war noch 2018 eine Stütze des JC Düsseldorf in der 2. Bundesliga. Hier trat er sogar zweimal gegen den „Neu-Esslinger“ Saeid Mollaie aus dem Iran, Weltmeister 2018 (bis 81 kg), an. Johannes und Karl-Richard Frey fanden zur Saison 2017 im TSV Großhadern einen gemeinsamen Bundesliga-Klub. „Den TSV Abensberg habe ich schon immer für seine großen nationalen und internationalen Erfolge bewundert. Konkurrenzverhalten empfand ich als Großhaderner Athlet nur am Kampftag“, sagt Karl-Richard Frey.

Sebastian Seidl und Manuel Scheibel kennt er seit Jahren aus dem Nationalteam. „Die beiden Kameraden und Fabian Seidlmeier haben uns auch zum Verbleib in Bayern motiviert, als sich Großhadern Ende des Vorjahres, für uns überraschend, verabschiedete. Wir wollen mit der gelebten mannschaftlichen Geschlossenheit zum Titel stürmen“, erklärt Johannes Frey.

Blick nach Tokio und Abensberg

  • Olympia:

    Nach ihren Verletzungen benötigen die Frey-Brüder noch Punkte, um im Olympia-Ranking nach oben zu klettern. Im Judo dürfen nur die Top 32 der Weltrangliste starten. Mit dem Grand Prix in China (ab 24. Mai) sowie den European Games Ende Juni in Minsk stehen wichtige Turniere für alle Olympia-Kandidaten an.

  • Bundesliga:

    Mit dem Heimkampf am Samstag, 17 Uhr, gegen JC Rüsselsheim bestreitet der TSV Abensberg seinen dritten Auftritt in dieser Saison. In der Vorwoche konnte Titelrivale KSV Esslingen mit 9:5 über JC Leipzig vorlegen und die Tabellenspitze übernehmen. Rüsselsheim war auch im Einsatz und siegte ebenfalls mit 9:5 gegen Offenbach.

Dabei spielt eine überschaubare monatliche Prämie nur eine untergeordnete Rolle. Damit unterscheiden sich die Frey-Brüder vom derzeitigen Kämpferkontingent des KSV Esslingen, welches mit Hauptsponsor Peter Widmann von der Isar an die Elbe und jetzt auch an den Neckar tingelte.

Eine Kostprobe ihres Könnens wollen die Brüder am Samstag gegen JC Rüsselsheim geben. Bei aller Begeisterung für die Bundesliga sagen die beiden Neuzugänge auch: „Unser großes Ziel ist Olympia. Wenn dort jeder eine Medaille mitnimmt, hätten wir unseren sportlichen Lebenstraum erfüllt.“

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