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Hallenfussball

Gähnende Leere am Futsal-Parkett

Nur 13 Kelheimer Teams treten zur Kreismeisterschaft an – ein Tiefpunkt. Der Verband rätselt, die Kicker machen lieber Pause.
Von Wolfgang Wutzer und Alexander Roloff

Bezirksligist TV Aiglsbach bleibt dem Hallenparkett fern, Kreisligist SV Ihrlerstein (in rot) greift im Futsal und mit Bande an. Foto: Kahler
Bezirksligist TV Aiglsbach bleibt dem Hallenparkett fern, Kreisligist SV Ihrlerstein (in rot) greift im Futsal und mit Bande an. Foto: Kahler

Kelheim.Auch der neuformierte Fußballkreis Niederbayern West zieht die Vereine aus dem Kelheimer Gäu nicht aufs Futsal-Hallenparkett. Im Gegenteil: Mit gerade einmal 13 von möglichen 51 Teams aus dem Landkreis ist die Anzahl der Teilnehmer an den Fußballkreismeisterschaften im Vergleich zu den Vorjahren extrem gesunken. Die verbliebenen wackeren Mitstreiter treffen sich am Sonntag in der Kelheimer Dreifachturnhalle zu zwei Vorrundengruppen.

„Als Zuschauer tue ich mir das nicht an.“

Manuel Heinrich

Während von 2016 (17 Teams) zu 2017 (21) ein Anstieg verzeichnet wurde, ist die Vorrunde in dieser Saison mit nur 13 Teams, die einem Anteil von knapp 25 Prozent entsprechen, überschaubar. „Die Gesamtzahl der teilnehmenden Teams in Niederbayern ist annähernd gleichgeblieben, es sind jedoch im neuen Kreis West weniger. Da hätten wir uns mehr erwartet, aber wir nehmen die Situation, wie sie eben ist“, erklärt BFV-Kreisspielleiter Christian Eichhorn.

Es fehlt das gewisse Etwas

Liegt es am Futsal, am neuen Fußballkreis, an Überbelastung der Spieler? Die Ursachenforschung beim Verband läuft. Manuel Heinrich, ehemals für den TSV Abensberg aktiv und mittlerweile Trainer von Kreisklassist TSV Abensberg II, spricht das spezielle Hallenformat an: Als Fußballer sei er gerne mit dem kleineren, etwas schwereren Futsal-Ball umgegangen. „Das hat Spaß gemacht, man hatte einfachen besseren Kontakt.“

Allerdings habe er Futsal durchaus auch unspektakulär empfunden – „weil zu wenig Tore fallen“. Rückblickend habe er Futsal gerne gespielt, „aber als Zuschauer tue ich mir das nicht an. Es fehlt einfach die Attraktivität“, sagt Heinrich.

Wie attraktiv Futsal sein kann, sehen Sie in diesem Video vom SSV Jahn 1889 Regensburg (Saison 2016/17):

Futsal in Regensburg

Traditionelle Hallenturniere wie vom ATSV Kelheim würden laut Heinrich von Endrundencharakter und Derbys profitieren. Vielleicht würde sich Heinrich aber das Finale der Futsal-Meisterschaften anschauen. „Mit acht Teams aus Landes- und Bezirksliga ist das dann schon wieder etwas anders“, so Heinrich. Aus dem Landkreis Kelheim würde er beim Finalturnier bestenfalls die Künste vom TSV Langquaid begutachten können. Die Laabertaler sind der einzige Vertreter aus dem Quartett der Kelheimer Bezirksligisten. Der TV Aiglsbach verzichtet auf Halleneinsätze. TSV Abensberg und ATSV Kelheim fokussieren sich auf das Kelheimer Hallenturnier mit Rundumbande.

Für Aiglsbachs Trainer Benjamin Flicker steht fest: „Die Jungs sollen nach einem anstrengenden Jahr herunterfahren.“ Angesichts der Verletzungsgefahr sehe er aktuell keinen Mehrwert an Hallenturnieren. „Egal ob Futsal oder Bandenkick, für uns sind das keine Spaßveranstaltungen. Wir würden nur mit einer wettbewerbsfähigen Mannschaft antreten. Das ist aber aufgrund von vielen Verletzungen nicht möglich, auch daher verzichten wir generell auf die Halle.“

Ihrlerstein kickt mit und ohne Bande

Beim ATSV Kelheim führt man ähnliche Gründe für die Nichtteilnahme an den Futsal-Hallenkreismeisterschaften an. „Wir haben einige Spieler, die bereits schwere Verletzungen hatten, zudem sollen angeschlagene Akteure geschont werden“, sagt ATSV-Abteilungsleiter Thomas Wutzlhofer. Beim eigenen Hallenturnier steht der ATSV aber in der Pflicht. Daher soll eine mögliche Doppelbelastung durch Futsal vermieden werden.

Die Bande gibt vielen Fußballern noch immer den letzten Kick. Foto: Kahler
Die Bande gibt vielen Fußballern noch immer den letzten Kick. Foto: Kahler

Manuel Heinrich sieht fehlende Motivation als ein mögliches Hindernis. Bei seiner persönlichen Rückbetrachtung möchte er nicht allein die Futsal-Regeln verantwortlich machen, dass sich Spieler nicht großartig für die Auftritte in der Halle begeistern lassen. „Beim TSV Abensberg hatten wir gefühlt schon immer Probleme, unsere Spieler für den Budenfußball zu motivieren.“ Dass es aber auch anders geht, zeigen der niederbayerische Futsal-Vizemeister SV Ihrlerstein und weitere Vereine aus der Region, die sowohl bei Turnieren mit Rundumbande als auch bei den Futsaltitelkämpfen antreten.

Das Leder rollt schon lange

  • Futsal:

    Schon 1930 in Südamerika entwickelt stellt Futsal seit vielen Jahren eine andere Variante des Hallenfußballs dar. Futsal unterscheidet sich im Wesentlichen durch die fehlende Bande, kleinere Tore (gespielt wird auf Handball-Tore), einen kleineren und weicheren Ball sowie ein Regelwerk, das ein schnelleres, technischeres und etwas körperloseres Spiel gewährleistet. Zudem dauert ein Spiel 1 x 15 Minuten. Die Fouls sind kumulativ. Diese zählt der dritte Schiedsrichter. Die ersten fünf Vergehen werden mit einem direkten Freistoß bestraft und ab dem sechsten Foul gibt es einen 10-Meter-Strafstoß.

  • Modus:

    Die Meisterschaft im neuen Fußballkreis Niederbayern-West startet mit 14 Vorrunden-Gruppen (insgesamt rund 80 Teams). Austragungsorte sind Arnstorf, Kirchdorf am Inn, Dingolfing, Ergolding, Kelheim und Rottenburg. Die Gruppensieger und -zweiten (sowie teilweise auch die besten Gruppendritten) qualifizieren sich für die Zwischenrunden-Turniere am 8. und 9. Dezember in Arnstorf, Dingolfing und Rottenburg. Das Finalturnier für Niederbayern-West findet am Samstag, 12. Januar 2019, in Dingolfing statt. Für den gesamten Bezirk steigt die Endrunde am Sonntag, 20. Januar. (eww)

Die Vorrundengruppen mit den Futsal-Spezialisten aus dem Landkreis werden am Sonntag in Kelheim und Rottenburg ausgetragen. In Gruppe 13 (12 bis 15 Uhr) starten Ihrlerstein, TSV Neustadt, TSV Offenstetten, FSV Sandharlanden und FC Kelheim in der Kreisstadt. Dabei kommt es zwischen Neustadt und Ihrlerstein zu einem interessanten Duell.

„Ihrlerstein ist klarer Favorit“, ordnet Neustadts Abteilungsleiter Daniel Neubaur die Gruppenkonstellation ein, stellt aber klar: „Wir wollen eine schlagkräftige Truppe stellen, um in die nächste Runde einzuziehen.“ Ihrlersteins Abteilungsleiter Ralf Graßl sieht eine schwere Gruppe vor sich: „Neben uns zähle ich TSV Neustadt und FC Kelheim zu den Gruppenfavoriten.“ Graßl erhofft sich in erster Linie ein befreites Auftreten seiner Kicker: „Futsal soll Spaß machen. Dann schauen wir, wie weit wir kommen.“

Von locker bis ambitioniert

In der einzigen Sechsergruppe messen sich von 15.30 bis 19.30 Uhr ebenfalls in Kelheim TV Schierling, SV Eggmühl, SV Saal, SpVgg Weltenburg, SC Kelheim und SV Kelheimwinzer miteinander. „Wir versuchen, in einer engen Gruppe weiterzukommen“, sagt Kelheimwinzers Pressewart Lukas Sendtner. Beim TV Schierling nimmt man die Futsalrunde gerne mit. „Wir gehen das Turnier locker an und schauen von Spiel zu Spiel, was mit der jeweiligen Besetzung möglich ist“, merkt Trainer Raphael Zeilhofer an. Auch der SV Saal will sich gut präsentieren. „Wir sehen das als gute Abwechslung und bringen ein gemischtes Team an den Start“, sagt Trainer Roland Nothhaft.

In Rottenburg treten Bezirksligist Langquaid (ab 13 Uhr) und A-Klassist SG Adlhausen/Langquaid II (ab 16.30 Uhr) an „Wir wollen gute Teams stellen. Entscheidend ist, dass sich niemand verletzt“, erklären die Trainer Patrick Rauner und Martin Hirsch.

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