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Gänsehaut beim ersten US-Rennen

Wie die Regensburger Spitzenläuferin Julia Kick den Leistungssport beim Auslandssemester in North Carolina erlebt

Mittendrin in einem Riesenpulk: Frauen-Starterfelder wie dieses sind für die Telis-Läuferin Julia Kick (rechts neben der Startnummer 79) in den USA eine neue Erfahrung. Foto: privat

Raleigh/USA. Julia Kick (19), eine der Topläuferinnen der LG Telis Finanz Regensburg, verbringt seit Mitte August ein Auslandssemester an der Universität in Raleigh, der Hauptstadt des Bundesstaats North Carolina. Die Hindernisläuferin und Regensburger „Sportlerin des Jahres“, die sich 2008 bei der U-20-Weltmeisterschaft in Bydgoszcz und 2009 bei der U-20-Europameisterschaft in Novi Sad internationale Meriten verdiente, lernt nun das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ kennen und erzählt, wie sie das Sportlerleben dort erlebt.

Der US-Tagesablauf ist sicher ein ganz anderer als zu Hause in Kelheim. Wie sieht der Sporttag, wie sieht die Sportwoche der Julia Kick jetzt aus?

Mein Tagesablauf ist total anders. Wir trainieren von Montag bis Samstag täglich um 7.45 Uhr. Das dauert inklusive Krafttraining und Physiotherapie bis etwa 11 Uhr. Danach geht’s in die Mensa und nachmittags hab ich die Vorlesungen. Abends lerne ich oder ich nutze die Freizeit, um mit Freunden ins Kino zu gehen oder einfach mal ein Buch zu lesen.

Ist alles wie erwartet?

Ich wusste nicht, was auf mich zukommt, war gespannt und aufgeregt zugleich. Jetzt genieße ich die Zeit hier. Das wird wohl ein Abschnitt in meinem Leben sein, hinter den ich ein großes Ausrufezeichen machen werde.

Das Umfeld an einem amerikanischen College ist ein ganz anderes wie in Deutschland. Was gibt es über Trainingsstätten, ärztliche und physiotherapeutische Betreuung etc. zu erzählen?

Die Leichtathletik-Abteilung teilt sich einen Komplex mit den Sportarten Wrestling, Basketball und Fußball. Jede Sportart hat ihre eigenen Umkleiden, jeder Sportler sein eigenes Schließfach. So muss man beispielsweise Spikes oder Duschsachen nicht jeden Tag hin- und her tragen. In dem Gebäude befinden sich auch die Büros der Trainer und der „Training Room“, das heißt die sportmedizinische und physiotherapeutische Abteilung. Die Betreuung ist super. Jede Sportart hat ihre eigenen Physiotherapeuten.

Welche Rolle spielen Krafttraining, Stabilisation und Athletik?

Athletik spielt eine sehr große Rolle. Viermal die Woche gehen wir nach dem Laufen in den Kraftraum und machen dort Zirkeltraining, verschiedene Stabi-Übungen oder Athletik mit dem Medizinball. Alle, die mich kennen, wissen, dass Athletik nicht unbedingt meine Leidenschaft ist und können sich wohl kaum vorstellen, dass mir Krafttraining jetzt sogar Spaß macht!

Wie steht’s mit der Form?

Ich würde sagen, der Herbst 2009 ist mein bester Herbst ever!

Was steht so im amerikanischen Wettkampfherbst an?

Bisher hatte ich vier Rennen. Das erste in Raleigh, dann in Pennsylvania und Indiana und schließlich nochmal auf der „Heimstrecke“ in Raleigh. Leider haben wir am Wochenende in Kentucky die Qualifikation für die Nationals in Indiana verpasst. Obendrein konnte ich nicht starten, weil ich mir eine Oberschenkelverletzung zugezogen habe. Jetzt gilt die ganze Konzentration schon der Bahnsaison 2010.

Wie unterscheiden sich amerikanische Wettkämpfe denn von den deutschen?

Die Startfelder sind riesig. In einem Rennen sind teilweise um die 300 Läuferinnen. Das ist ein Wahnsinnsgefühl, da zu laufen! Bei einem meiner ersten großen Rennen hatte ich Gänsehaut, so begeistert war ich von der Atmosphäre. Außerdem beträgt die Distanz für Frauen immer sechs Kilometer, die für Männer acht Kilometer – also für mich ungewohnt lang.

Wie steht’s mit der Anerkennung als Leistungssportlerin in der Studentenschaft?

Jeder Student hier ist ein totaler NC-State-Wolfpack-Fan! Jede Sportart wird unterstützt, schließlich vertreten die Athleten die Uni. Ich wurde auch schon gefragt: „Hey, ich hab dich heute Morgen laufen gesehen, bist du im Cross-Country-Team? Lauft ihr da jeden Tag? Das ist ja unglaublich!“ Das macht einen schon ein bisschen stolz.

Wie werden Sie in der lokalen Öffentlichkeit rund um Raleigh wahrgenommen?

Leichtathletik und Cross Country ist nur eine von vielen Sportarten hier. Da kann nicht auf einzelne Sportler eingegangen werden. In der täglichen Uni-Zeitung wird nach den Rennen meist ein Bericht über das Abschneiden des Teams veröffentlicht. Außerdem hat jede Sportart einen Internetauftritt auf der Homepage der Uni (www.gopack.com), auf der Informationen zu Athleten und aktuelle Berichte zu finden sind.

Gibt es bei den amerikanischen Teamkollegen einen Neidfaktor, weil für Sie vom College doch recht viel Geld in die Hand genommen worden ist?

Nein, Neid spüre ich nicht.

Wie kommen Sie mit dem amerikanischen Essen zurecht?

Ziemlich gut. Die Mensa ist speziell für die Athleten und so gibt es alles, was man als Sportler so braucht.

Wie ist das Verhältnis zu den Trainern?

Sehr gut, auf keinen Fall autoritär- bestimmend!

Welche Stellung genießt die Leichtathletik im Clinch der großen Profisportarten Football, Baseball, Eishockey und Basketball?

Das kann ich jetzt noch nicht beurteilen, weil die Leichtathletik-Saison erst im nächsten Semester beginnt. Cross Country allerdings spielt natürlich eine geringere Rolle als zum Beispiel Football.

Was fehlt so weit weg von zu Hause am allermeisten?

Mein Freund, meine Familie, meine Freunde.

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