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Henris famoses Jahr macht Kopfzerbrechen

Henri Uhlig ist die deutsche Nummer eins im Jahrgang 2001. „Sollen wir alles auf eine Karte setzen?“, fragt sich die Familie.
Von Martin Rutrecht

Die Brüder Oscar (l.) und Henri Uhlig vom RSC Kelheim fuhren heuer vereint in der deutschen U17-Radsportspitze.
Die Brüder Oscar (l.) und Henri Uhlig vom RSC Kelheim fuhren heuer vereint in der deutschen U17-Radsportspitze. Fotos: Uhlig (1)/Archiv (2)

Kelheim.Manchmal holt er das Shirt spontan aus dem Schrank und streift es sich drüber: Das Nationaltrikot des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) trägt Henri Uhlig vom RSC Kelheim seit dieser Saison mit Stolz. Damit gar kein Neid aufkommt, hat sein Vater Steffen Uhlig für Oscar (16) ein Meistertrikot besorgt. „Für den bayerischen Straßentitel, den er gewann, gibt es kein Siegershirt. Aber ich habe eins aufgetrieben“, lacht der Papa. Die Uhlig-Brüder prägten heuer mit den deutschen U17-Radsport.

„Ich möchte Profi werden.“

Henri Uhlig

Für die Familie stellt sich mehr und mehr die Frage, wohin die Reise gehen soll. „Ich stehe morgens auf und habe einen Brummschädel, weil mir alles durch den Kopf geht“, so Steffen „Uhu“ Uhlig.

Der Traum vor allem von Henri, der deutschen Nummer eins im Jahrgang 2001, ist klar umrissen. „Ich möchte Radsport-Profi werden“, sagt er. „Träumen darfst du“, sagt sein Vater, schickt aber sofort hinterher: „Wir werden ihn nicht auf eine Einbahnstraße Richtung Berufsradsport schicken. Er braucht eine Ausbildung.“ Selbst Stars wie André Greipel – der Elektromechaniker lernte – hätten sich nicht nur dem Sport zugewandt. „Wer das tut, kann übel aufwachen.“

Elf Siege allein in der Straßensaison

Für Henri öffnen sich Türen. Sportschulen in Kaiserslautern, Erfurt und Cottbus kämen für ihn bald in Frage. „Doch wollen wir ihn wirklich hier rausreißen? Ich möchte auch nicht, dass die Gruppe im RSC auseinanderbricht. Er ist genauso Teil davon wie Oscar und Linus Rosner oder Clara Hamberger. Dass die jungen Fahrer miteinander reden und Spaß haben, fördert die Trainingsdynamik.“

Einige Größen des Radsports wie John Degenkolb (r.) kennt Henri schon.
Einige Größen des Radsports wie John Degenkolb (r.) kennt Henri schon.

Henris Erfolgsbilanz allein in 2016 ist enorm. Elf Siege weist er aus, darunter der bayerische (Oscar 2.) und der deutsche Bergtitel (Oscar 6.), die Freistaat-Krone im Einzelzeitfahren oder die Erfolge bei zwei Klassikern in Sachsen (Zwickau, Sachsenring), wo die Uhlig-Brüder die starke ostdeutsche Konkurrenz nass machten und auch Oscar zwei Podestplätze mitnahm. Bei seinem Nationalkader-Debüt bei der Oststeiermark-Rundfahrt mit 120 Fahrern aus 14 Ländern war Henri als Gesamt-13. bester des BDR-Teams, als jüngster Spross. Bayerische Rennserien wie den Stadlercup – vor seinem Teamkamerad Linus Rosner und Bruder Oscar – oder den Rapp-Cup in Augsburg auf der Bahn holte sich der 15-Jährige ebenso.

Bei Titelkampf zu zweit ein Team

Für die beiden Brüder war aber kein Podestplatz, sondern ein vierter Rang der persönliche Höhepunkt im Herbst. Denn Henri und Oscar fuhren bei den deutschen Bahn-Meisterschaften in Cottbus gemeinsam die Madison-Konkurrenz. Zweier-Teams gingen in diese Jagd über 60 Runden, bei der immer ein Fahrer des Duos Vollgas gibt, während der andere seine Beine auslockert. 15 Duette rasten bei 50 km/h Schnitt um der Betonpiste. Trotz einiger Wertungspunkte reichte es nicht fürs Treppchen – allerdings nur weil das drittplatzierte Gespann bei Punktgleichheit eher über den Zielstrich rollte. Im Einzel (Punktefahren) sicherte sich Henri einen siebten Platz als bestes Resultat.

„Henri soll 2017 der Leader in der U17 werden.“

Steffen Uhlig

Eine operierte vereiterte Zehe vermieste dem Realschüler die letzten BDR-Sichtungsrennen bei Hannover. Die Ränge 22 im Zeitfahren und 25 im Straßenrennen waren nicht die erhoffte Ausbeute. „Leider bin ich dadurch in der deutschen U17-Rangliste von Platz sechs auf acht abgerutscht, aber der Beste meines Jahrgangs bin ich geblieben“, sagt er. Die Bahn-Sichtungsrennen in Frankfurt/O. mit den Rängen drei und vier liefen umso besser.

Kaum war die Straßensaison abgeschlossen, wechselten die Uhligs ins Gelände, wo für Henri binnen eineinhalb Monaten schon wieder vier Siege und drei zweite Ränge zu Buche stehen. „Cross ist meine Leidenschaft.“ Oscar ist in die U19 aufgerückt und knabbert als Jüngster erwartungsgemäß an hartem Brot. Mitte Dezember steht ein internationales Cross-Rennen in der Schweiz auf dem Programm. Am 8. Januar folgt die deutsche Meisterschaft in der Pfalz.

Der erste Einsatz im Nationaltrikot war für Henri (ganz hinten) ein besonderer Moment.
Der erste Einsatz im Nationaltrikot war für Henri (ganz hinten) ein besonderer Moment.

„Nach der Cross-Saison bleiben uns ganze drei Wochen Pause, um uns fürs neue Jahr aufzustellen“, erklärt Steffen Uhlig. Auf Cross oder Bahn zu verzichten gilt weder für ihn noch für die Jungs. „Ganz oder gar nicht“, sagt der frühere Bundesliga-Fahrer in Chemnitz und Gera. „Beide Disziplinen braucht man für die umfassende Radsportausbildung, die Bahn für die Motorik, Cross für die Athletik.“

Im BDR würde man Henri gerne auf die Bahn-Schiene führen, „auch im Hinblick auf Olympia-Chancen“, weiß Uhlig. Doch der 15-Jährige will wie sein Bruder Allrounder bleiben und vor allem auf die Straße setzen. Von einem Kadertrainer wurde für 2017 bereits angedeutet: „Henri wird in der U17 unser Leader sein.“

„Wir wollen sie nicht verheizen“

Bis zum Frühjahr wird der Familienrat mit den Söhnen und Mama Birgit wohl einige Male tagen. „Wir stehen bei Trainingsumfängen von 10 bis 15 Stunden pro Woche. Wir sind fast jedes Wochenende bei Rennen unterwegs. Ich habe einen Beruf, irgendwann ist die Belastungsgrenze erreicht. Eine Lösung habe ich bisher noch nicht“, gesteht ein nachdenklicher Steffen Uhlig. Die beiden Burschen sind hoch motiviert. „Aber ich will sie nicht verheizen und sie sollen nicht vor der großen Leere stehen, wenn etwas nicht aufgeht.“ Auch wenn Oscar – einen Zentimeter kleiner und ein Kilogramm leichter als Henri – nicht dasselbe Talent wie sein Bruder hat, sind die beiden Jungs ein Team. „Schon im Training. Wenn der eine murrt, reißt der andere ihn mit.“

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