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Interview

„Ich bin nicht mit 145 Kilo zur Welt gekommen“

Judo-Vizeweltmeister Andy Tölzer spricht mit der MZ über seine Jugend als Schmalhans, Olympia-Träume und Beziehungen.
von martin Rutrecht, mz

Ein Baum von Mann: Judoka Andreas Tölzer vom TSV AbensbergFoto: Archiv

Abensberg. Ausnahmesportler wie er werden als „Bank“ bezeichnet: Wenn Andy Tölzer für den TSV Abensberg auf die Matte tritt, kann der Rekordmeister bereits vorab einen Siegpunkt notieren. Das soll am Samstag bei der Judo-Bundesliga-Endrunde auch so sein. International zählt Tölzer als Doppel-Vizeweltmeister und Nummer drei der Welt zu den Besten seines Fachs. Im MZ-Interview spricht der 31-jährige Sportsoldat nicht nur über die Bundesliga und Olympia-Träume. Er erzählt im Frühstücksraum eines Abensberger Hotels auch, warum er Sportsoldat statt Elektriker wurde und warum selbst ein Weltklasseathlet nicht vom Judo leben kann.

Herr Tölzer, Sie sitzen beim Frühstück. Gibt’s jetzt zehn Spiegeleier?

Nein. Am Morgen esse ich recht wenig, Eier schon gar nicht, weil ich die vor dem Training nicht vertrage. Zuhause mache ich mir einen Eiweißshake. Im Hotel schaue ich, dass ich einen großen Topf Müsli mit Früchten bekomme.

Wie viel wiegen Sie?

145 Kilogramm, bei 1,92 Meter.

Sind Sie vielleicht als Kind in einen Zaubertrank gefallen?

Sicher bin ich mir nicht.

Ist ein solches Gewicht nicht hinderlich?

Ich bin da reingewachsen, ich kam nicht mit 145 Kilo zur Welt. (lacht) Dass ich beweglich bin, sieht man auf der Matte. Und es ist nicht so, dass ich einen riesigen Bauch habe und meine Füße nicht mehr sehe. Ich habe eine normale Figur, aber eben mit vielen durchtrainierten Muskeln.

Waren Sie immer schon etwas fester?

Überhaupt nicht. Ich war bis zum 13. Lebensjahr völlig dünn. Ich hatte in mittleren Gewichtsklassen begonnen. Plötzlich habe ich einen Schub gemacht, einige Kategorien übersprungen und war mit 14 Jahren Schwergewichtler.

Wollten Sie den Weg des „Berufsjudoka“ schon immer einschlagen?

Dass ich Sportsoldat wurde, war eher Zufall. Ich hatte eine Ausbildungsstelle als Elektriker. Den Wehrdienst hätte ich mir sparen können, weil ich unter die Drei-Söhne-Regelung fiel, das heißt, zwei mussten zum Militär, der dritte wurde befreit. Als der mittlere Bruder den Einberufungsbefehl erhielt, kam ich gerade von der deutschen U18-Meisterschaft und hatte als Dritter eine Empfehlung als Sportsoldat bekommen. Mein Bruder verzichtete auf den Wehrdienst und ich ging zur Bundeswehr. Meine Ausbildungsstelle hätte ich ein Jahr später antreten können, aber da kam mit dem U 20-EM-Titel der erste große Erfolg. Mein Vertrag mit dem Militär wurde verlängert.

In Ihrer Karriere mussten Sie bei vielen Großturnieren wegen Verletzung passen.

Auf die Weltmeisterschaften 2003, 2005 und 2007 musste ich verzichten.

Dachten Sie in solchen Momenten nicht über ein Karriereende nach?

Ich hatte zwischendrin immer meine Erfolge wie EM-Gold 2006. Zur WM 2009 bin ich trotz einer Verletzung angetreten. Eine vierte Absage in Folge wäre zu viel des Guten gewesen. Kurz am Grübeln war ich nach den Olympischen Spielen 2008, als ich relativ früh scheiterte.

Für die Olympischen Spiele 2012 sind Sie qualifiziert. Ist die Goldmedaille Ihr Ziel?

Ganz klar: Ja. Ich werde alles für den Olympiasieg geben.

Könnten Sie als Judo-Profi von Ihrem Einkommen leben?

Vielleicht gerade so. Mit der Deutschen Sporthilfe, Preisgeldern und einem Obolus für die Bundesliga-Einsätze käme ich über die Runden. Durch mein Gehalt als Bundeswehrsoldat ist das alles ein schönes Zubrot.

Was kriegen Sie für einen Turniersieg wie in der Vorwoche in Amsterdam?

Der Athlet erhält 2400 Dollar, das sind 1700 Euro, dann kommt die Steuer. Am Ende bleiben 1300 Euro dafür, dass man enorme Leistungen bringt. Ein Fußball-Profi würde dafür nicht einmal den Rasen betreten.

Eine private Frage noch: Haben Sie eine Lebensgefährtin?

Nein, ich kann mir eine Beziehung nur nach dem Karriereende vorstellen. Ich bin zu hundert Prozent für Judo da, ständig im Training, auf Lehrgängen, bei Turnieren – da wäre keine Partnerschaft möglich, wie ich sie mir wünschen würde. Schau’n wir später weiter, Anwärterinnen gibt’s.

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