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Fußballfest

Israel düpiert die deutsche Elf

Der Uefa-RegionsCup startet in Neustadt vor fast 1000 Fans mit einer Überraschung: Die Gäste siegen 2:1.
Von Jochen Dannenberg und Martin Rutrecht

  • Länderspiel im Neustädter Stadion: Israel (in weiß) schlägt Deutschland mit 2:1. Foto: Rutrecht
  • Alexander Baranowski vom TSV Neustadt arbeitete an der Kasse. Foto: Rutrecht

Neustadt.Die Tribüne des Anton-Treffer-Stadions war am Donnerstagvormittag voll besetzt. Die Stimmung war bestens. Hunderte Kinder hatten sich auf der Tribüne versammelt – zur Unterrichtszeit und mit Billigung der Lehrer. Der Grund: der Regions-Cup der Uefa mit dem Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und Israel. Nicht die Profi-Kicker waren aufgerufen, sondern regionale Amateurauswahlen beider Länder. Für Schwarz-Rot-Gold spielte eine Bayern-Auswahl. Sie musste sich den Israelis vor knapp 1000 Fans mit 1:2 (0:0) geschlagen geben.

Dicht gedrängt saßen die überwiegend jugendlichen Zuschauer auf der Tribüne im Anton-Treffer-Stadion. Foto: Rutrecht
Dicht gedrängt saßen die überwiegend jugendlichen Zuschauer auf der Tribüne im Anton-Treffer-Stadion. Foto: Rutrecht

„So ein großes Fußballereignis habe ich noch nie erlebt“, sagte Alexander Baranowski vom TSV Neustadt, der an der Stadionkasse Tickets verkaufte. Wie er arbeiteten im Hintergrund des Ländermatches zu diesem offiziellen Uefa-Wettbewerb viele Helfer aus Neustadt und der Region. Beispielhaft war Baranowskis Einsatz: Der 35-Jährige musste nach seinem Job im Kassenhäuschen zur Spätschicht.

Freundschaft wichtig

Auch wenn es im Regions-Cup um den sportlichen Erfolg geht, die Verbindungen zwischen den Ländern stehen im Vordergrund. Das betonte auch der serbische Cheftrainer Alexander Stojanovic, dessen Elf am späten Nachmittag gegen Malta gefordert war. „Wir genießen es hier und wollen neue Freunde gewinnen“, sagte er, während er das Vormittagsspiel beobachtete. Die Hotels in Bad Gögging, in denen die vier Teams residieren, seien „perfekt“.

Ein Ereignis war das Spiel in jedem Fall. Die Schüler hatten unterrichtsfrei. Foto: Dannenberg
Ein Ereignis war das Spiel in jedem Fall. Die Schüler hatten unterrichtsfrei. Foto: Dannenberg

Passend zum Fußballfest präsentierte sich das Wetter. Bei strahlend blauem Himmel wurde die Begegnung angepfiffen, nachdem die Teams mit Einlaufkindern vom TSV Neustadt den Platz betreten hatten. Die Israelis, deren Elf aus einer Region nördlich von Tel Aviv stammt, spielten zunächst druckvoller. Deutschland, respektive die Freistaat-Truppe aus Bayern- und Landesligakickern, hielt sich respektvoll zurück, übernahm aber nach 20 Minuten das Kommando. Die erste dicke Chance resultierte aus einem Freistoß, Israels Keeper Adi Tadmor verhinderte den sicheren Treffer per Kopf (!). Nur eine Minute später wurde der flinke Marco Luburic (TSV Rain/Lech) im letzten Moment geblockt.

Perfekter Rasen in Neustadt

+So ging es im Drei-Minuten-Takt weiter, und Deutschlands Coach Engin Yanova gestand nach der Partie: „Wir müssen in der ersten Halbzeit die Führung machen.“ Keeper Lukas Trum (SV Egg) sprach zur Pause von einer „schweren Kiste. Das ist was anderes als Landesliga.“ TSV-Fußball-Abteilungsleiter Daniel Neubaur inspizierte zur Pause begeistert den Platz. „Mit Unterstützung der Stadt haben wir einen perfekten Rasen hinbekommen.“

Eduard Root (in blau) vom SSV Jahn II kam in der Schlussphase, schaffte aber mit seinen Kollegen nicht mehr den Ausgleich. Foto: Rutrecht
Eduard Root (in blau) vom SSV Jahn II kam in der Schlussphase, schaffte aber mit seinen Kollegen nicht mehr den Ausgleich. Foto: Rutrecht

Schließlich stimmte es auch bei der Bayern-Auswahl. Nach einem Foul des Torwarts an Kapitän Michael Kraus (TSV Aubstadt) im Strafraum verwandelte Luburic (58.) den Elfmeter zum 1:0 für Deutschland. Balljunge Florian Brunner freute sich. „Endlich tut sich was auf meiner Seite“, sagte der Zwölfjährige, der sich stolz als Mitglied der Feuerwehr Neustadt vorstellte. Strenge Regeln hatte er zu befolgen. „Wir dürfen mit dem Ersatzball nicht rumspielen.“ Tapfer standen er und seine Kollegen 90 Minuten lang Ball per Fuß.

UEFA-RegionsCup in Neustadt: Deutschlang gegen Isr

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Tapfer schlugen sich auch die vielen Helfer am Donnerstag – zum Beispiel am Bratwurststand und beim Getränkeverkauf. Gefragt waren vor allem Bratwurstsemmeln. Das Resultat an der Küchenfront: Nach einer halben Stunde waren 120 Semmeln verkauft. Daneben verlangten die Kinder vor allem nach Pommes. Die Erwachsenen orderten meist Kaffee.

Die Zuschauer, darunter Experten wie Karsten Wettberg oder Bezirksspielleiter Richard Sedlmaier, zählten nun auf einen Sieg für die Freistaat-Elf. Florian Fromholzer (FSV Erlangen-Bruck) hatte denn auch mit einem Lattenknaller das 2:0 auf dem Schlappen. Aber wie aus dem Nichts traf Mahran Abu Raiya (68.) mit einer Direktabnahme aus 30 Metern zum 1:1 (Israels Keeper: „Oh, my god!“). „Das hat uns ganz offensichtlich beeindruckt“, so Trainer Yanova. Und Deutschland fand nicht mehr in die Spur. Stattdessen setzte Matan Brami (81.) einen Schlenzer knapp neben den Innenpfosten zum 2:1 für Israel ins Tor.

Die israelischen Spieler Eyal Davidov, Lion Elharar und Omer Cohen (v. l.) fühlen sich wohl in Bayern. Foto: Rutrecht
Die israelischen Spieler Eyal Davidov, Lion Elharar und Omer Cohen (v. l.) fühlen sich wohl in Bayern. Foto: Rutrecht

In den letzten Spielminuten durfte auch Eduard Root vom SSV Jahn Regensburg II aufs Feld. „Wer die Chancen nicht nutzt, wird bestraft“, sagte der 26-Jährige, der sich wie seine Kollegen für die Bayern-Auswahl beworben hatte. „Es ist eine schöne Gemeinschaft entstanden. Aber jetzt müssen wir auch etwas zurückgeben“, erklärte er im Hinblick auf den nächsten Auftritt.

Israel düpiert die deutsche Elf

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Wie sehr die Freundschaft gelebt wird, betonte der israelische Spieler Eyal Davidov. „Die Beziehungen zwischen Israel und Deutschland sind eng. Wir fühlen uns wohl in Bayern. Was früher war, ist Vergangenheit“, erklärte der Kicker.

Florian Brunner von der FFW Neustadt war als Balljunge eingeteilt. Foto: Rutrecht
Florian Brunner von der FFW Neustadt war als Balljunge eingeteilt. Foto: Rutrecht

Keine Probleme hatten an diesem Tag die Männer und Frauen von der Security. „Zwei Getränkeflaschen mussten wir den Besuchern am Eingang zum Stadion abnehmen“, sagt Gök Suna von der Sicherheitsfirma BOS in Freising. „Diese beiden Flaschen stammten von Lehrern.“

Weitere Spiele

  • 2. Spieltag:

    Sonntag, 30. September, 12.30 Uhr, Serbien – Israel; 17 Uhr, Deutschland – Malta (beide Spiele in Hankofen)

  • 3. Spieltag:

    Mittwoch, 3. Oktober, jeweils 14 Uhr: Serbien – Deutschland (in Rain), Israel – Malta (in Neustadt)

  • Modus:

    Der Sieger der Vierer-Gruppe fährt 2019 zum Finalturnier.

Eine positive Bilanz zog auch Neustadt Sportreferent Sebastian Rosenhammer. „Der Regions-Cup ist eine Auszeichnung für Neustadt“, sagte er. „Unsere Investitionen in die Sportanlagen zahlen sich aus.“ Das Anton-Treffer-Stadion, erinnert Sportreferent Rosenhammer, nutzten in den letzten Jahren immer wieder hochklassige Mannschaften für Trainingslager – zum Beispiel die DFB-Frauennationalmannschaft – und für Spiele.

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