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Interview

„Jahn-Kult wirst du durch Treue – wie in der Ehe“

Harry Gfreiter spricht über Bundesliga-Angebote, seine Kunstschüsse und seine Zukunft beim SV Lengfeld.

Harry Gfreiter war bei den Jahn-Fans gefragt. Heute kickt er beim SV Lengfeld.

Lengfeld.Mitten im Gespräch klingelt das Telefon. „Moment kurz, der Trainer ruft an“, sagt Harry Gfreiter. Am Apparat ist Markus Weinzierl, der Coach des Drittligisten SSV Jahn Regensburg. „Er hat etwas wegen des Trainings gebraucht“, erklärt Gfreiter. Auf den gebürtigen Allgäuer setzt der Jahn seit über einem Jahrzehnt, zuerst auf den Fußballprofi, jetzt auf den Vereins-Angestellten Gfreiter. Der Wahl-Lengfelder gilt als „Kultfigur“ des Drittligisten. Im MZ-Interview erzählt, wie er dazu wurde, warum er Bundesliga-Angebote ausschlug und warum es in einem neuen Stadion auch Karotten hageln kann.

Herr Gfreiter, wie alt sind Sie?

37, warum?

Sie wissen, dass Sie in einschlägigen Fußball-Internetdatenbanken als Jahrgang 1974 geführt werden, Sie sind erst 36.

Irgendwer hat es irgendwann falsch reingestellt und andere haben es übernommen. Selbst auf „Wikipedia“ werde ich jünger gemacht.

Haben Sie vielleicht selbst dafür gesorgt?

Nein, ich stehe zu meinem Alter. Vor fünf Jahren während meiner Profi-Karriere hätte ich das vielleicht brauchen können. (lacht) Ich bin Jahrgang 1973, definitiv.

Wenn wir schon beim Geburtsdatum sind: Wo kommen Sie eigentlich her?

Ich bin in Frechenrieden geboren. Das liegt zwischen Memmingen und Mindelheim. Alle sagen, ich sei Allgäuer. Für mich ist es Alpenvorland.

Und Sie haben beim Verein Ihres Heimatorts mit dem Kicken begonnen?

Nein, das war in Markt Rettenbach, mit vier Jahren. In der D-Jugend bin ich zum FC Memmingen, als B-Junior zum FC Augsburg, meine drei ersten Herren-Jahre habe ich dann bei Memmingen in der Bayernliga verbracht.

Danach waren Sie bei Wacker Burghausen und VfR Mannheim in der Regionalliga. Wie kamen Sie zum Jahn?

Schon 1999 hat der SSV angefragt. Da habe ich aber abgewunken. Der Jahn war in die Bayernliga aufgestiegen und man konnte nicht davon ausgehen, dass sofort der Sprung in die Regionalliga folgen würde. Deshalb habe ich gewartet. 2000 hat es geklappt, mit Aufstieg und Wechsel.

Sie blieben bis zu Ihrem „ersten“ Karriereende 2008 beim Jahn, ein halbes Jahr waren Sie dazwischen in Feucht. Warum?

Das war nach dem Zweitliga-Abstieg 2004. Ich war beim Jahn kein Stammspieler mehr. Während der Saison gab’s vom Verein kein Signal an mich in punkto Vertragsverlängerung. Das war mir zu unsicher.

Feucht blieb nur ein Kurz-Gastspiel.

Dort bin ich aus mir unerfindlichen Gründen in Ungnade gefallen. Ich hatte mich vor einem Regionalliga-Spiel mit einigen Ex-Jahn-Kickern unterhalten, die beim Gegner aufliefen. Als ich in die Kabine kam, sagte der Co-Trainer zu mir: „Du brauchst dich nicht umzuziehen.“ Das war der Anfang vom Abschied.

Sie galten als „Kultfigur“ beim Jahn. Worauf gründet sich das?

So wie ich „Kult“ definiere, geht es um eine langfristige Bindung. Ich hab’ dem Verein die Treue gehalten, wie in einer Ehe, in guten wie in schlechten Zeiten.

Haben Sie Ihren Kult-Status überhaupt so wahrgenommen?

Schon, wenn’s um PR-Termine ging, um kleine TV-Trailer, wurde ich ausgewählt. Es war schon ein Hype um meine Person. Ich habe das genossen, denn es war eine Anerkennung meiner Leistung.

Hatten Sie als Spieler Ambitionen, ganz oben mitzumischen, sprich in der 1. oder 2. Bundesliga?

Natürlich, jeder Fußballer will in die erste Liga. Ich hatte mal ein Angebot von Eintracht Frankfurt.

Warum schlugen Sie es aus?

Man darf als Fußballer nicht blauäugig sein. Profi-Vertrag heißt längst nicht, dass du in der ersten Mannschaft dran kommst. Viele Spieler landen im zweiten Team. Warum sollte ich wechseln? Um dann wieder in der Regionalliga zu spielen? Freilich wär’s schön gewesen. Aber es ist halt nicht dazu gekommen.

Großes Thema beim Jahn ist das neue Stadion. Wie stehen Sie dazu?Alle, der Jahn, die Fans, die Stadt, wollen Profi-Fußball in Regensburg – aber wir haben unprofessionelle Strukturen. Ein neues Stadion ist ein unbedingtes Muss.

Dann baut man eine Arena für über 10000 Zuschauer und es kommen wie beim Heimspiel gegen Koblenz 1500 Fans.

Aber genau deshalb brauchen wir das neue Stadion! Die Sitz- und Stehplätze wären überdacht, der VIP-Bereich angenehm beheizt. Da kann’s Karotten hageln, es macht den Zuschauern nichts aus. Da gehen die Leute auch hin, wenn’s nur knapp über null Grad hat wie gegen Koblenz.

Der SV Lengfeld, ihr aktueller Verein, ist auf dem Sprung in die Kreisliga. Steigt der Klub auf?

Das wäre der größte Erfolg der Vereinsgeschichte, soweit ich weiß. Wir haben im Herbst mit sieben Zählern Vorsprung eine gute Ausgangslage geschaffen, aber es wird noch ein harter, steiniger Weg.

Machen Sie weiter?

Für mich zählen jetzt die Partien im Frühjahr. Aber ich mache keinen Hehl draus, dass ich Spaß habe und noch länger Fußball spielen will, wenn’s nicht zu zwicken anfängt.

Berühmt-berüchtigt sind und waren Ihre Torschüsse aus vierzig, fünfzig Metern. Haben Sie das trainiert?

Man probiert’s halt. Du wirst gefeiert, wenn der Ball im Kasten landet. Wenn ein Einwurf daraus wird, lachen sich alle kaputt. Wir haben früher vor oder nach dem Training kleine Gaudispielchen gemacht, um einen Kaffee oder eine Halbe: Von der 16er-Linie die Latte treffen, dann ein Stück weiter zurück, bis hin zur Mittellinie, von wo aus das Leder ohne aufzusetzen ins Tor fliegen musste. Bei mir ist es einmal in der Liga, 2002 war es, gut gegangen. Seitdem versuche ich es immer wieder mal.

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