MyMz

Auszeichnung

Judoka Seidl grüßt aus Havanna

Der 25-jährige Judoka vom TSV Abensberg wird Ostbayerns Sportler des Jahres. Seine Mama nimmt für ihn den Preis entgegen.
Von Martin Rutrecht, MZ

Stolze Mutter: Dorothee Seidl nahm stellvertretend für ihren Sohn Sebastian den Preis von Leopold Berner (PSD-Bank) und Laudator Wolfgang Weigert in Empfang.
Stolze Mutter: Dorothee Seidl nahm stellvertretend für ihren Sohn Sebastian den Preis von Leopold Berner (PSD-Bank) und Laudator Wolfgang Weigert in Empfang.

Regensburg.Mama Dorothee Seidl nahm den Preis auf der Bühne entgegen, blickte an den Herren Wolfgang Weigert und Leopold Berner hoch und hauchte: „Alle so groß!“ Hinter dem überschaubaren Armin Wolf fand sie Zuflucht. Ihr Sohn Sebastian Seidl, die neue Judo-Größe des TSV Abensberg, gewann die Auszeichnung „Sportler des Jahres 2015“. Da der 25-jährige Pförringer zu Trainingslager und Grand Prix derzeit in Havanna weilt, stand die aufgeregte Mutter neben Laudator Weigert, Präsident des Deutschen Karateverbandes, und PSD-Bank-Chef Berner im Licht der Scheinwerfer. Mit Sebastian Seidl, Dritter der Europaspiele 2015 in Baku und WM-Siebter in Astana, setzte sich ein Judoka vor Florian Orth und Philipp Pflieger, beide von der LG Telis Finanz Regensburg, durch. Er hielt damit die Tradition von Gala-Sieger Christopher Völk (2007 und 2010) aufrecht.

Unter den Top Ten bis 66 Kilogramm

Es sagt viel über Seidl und seine Sportart, dass er vor seinem Abflug nach Kuba noch Prüfungen für seine Polizistenausbildung schreiben musste. Man stelle sich vor, ein Bayern-Profi lege vor der Reise nach Katar noch eine Gesellenprüfung ab. Der Judoka Seidl zählt zu den Top Ten der Welt in der Gewichtsklasse bis 66 kg und „ist zu 90 Prozent bei den Spielen in Rio dabei“, wie Preisredner Weigert hervorhob. Der Präsident des Deutschen Karate-Verbandes verwies zunächst auf Abensberg, das wie Gummersbach im Handball „als weltweiter Begriff“ für Judo stehe. „Das ist das Werk von Otto Kneitinger.“ Mit Seidl sah sich der Donaustaufer Weigert im Schulterschluss: „Er kämpft in Rio um Medaillen und wir um die Aufnahme von Karate ins olympische Programm. Ich bin sicher, dass wir mit Klaus Eder und Otto im deutschen Olympia-Haus gemeinsam feiern können.“

Der ausgezeichnete Athlet selbst grüßte mit einem aufgezeichneten Interview. Sein dritter Platz bei den ersten Europaspielen in Baku sei der „bewegendste Moment“ des Vorjahres gewesen. In Rio angekommen sieht er sich noch nicht. „Es kann noch viel passieren, das Verletzungsrisiko im Judo ist hoch. Erst wenn ich im olympischen Dorf sitze, weiß ich, dass ich da bin.“ Seine Anwartschaft auf eine Medaille hat er angemeldet, unter anderem beim Judo-Vereinseuropacup kurz vor Weihnachten, als er mit gespaltener Lippe, die er sich im Abschlusstraining zuzog, Olympiasieger Arsen Galstyan von der Matte fegte.

Als Neunjähriger begonnen

Trainer-Legende Karsten Wettberg rühmte den Bundespolizisten als „neues Aushängeschild“ der Abensberger und als „ganz netten Burschen“. DLV-Präsident Clemens Prokop aus Saal zeigte sich einmal mehr „beeindruckt“ von der Arbeit der TSV-Judogemeinde. Und VCR-Chefin Barbara Wilfurth plauderte, dass ihre beiden Söhne selbst Judo machten, „danach wurden sie eben Radsportler“. Auf der Bühne verriet Mama Seidl noch, dass der Papa für den Junior kocht. „Natürlich isst Sebastian alles, am Sonntag hat er beim Schweinsbraten richtig hingelangt“, erzählte sie später der MZ. Als Spitzenjudoka wisse ihr Sohn – der als Neunjähriger begann – freilich, wie er Gewicht hält, gerade in den Tagen vor dem Wiegen, wo Eiswürfel das Hauptnahrungsmittel sind.

Die Mutter selbst weiß noch nicht, ob sie und ihr Mann in Rio dabei sein können. „Ich bräucht’ halt einen Sponsor“, sagte sie und gestand später fast bedrückt: „Das ist mir so rausgerutscht, der Armin Wolf hat keine Ruhe gegeben.“ Die Gala erlebte die Oberbayern als „tolles Event“, bei dem sie noch gerne länger geblieben wäre. „Aber mein Mann hat am Mittwoch Geburtstag. Da wollen wir noch daheim anstoßen.“ Beim großen Abschlussfoto auf der Bühne parlierte Dorothee Seidl mit Fredi Bobic. „Wir sind beide aus Stuttgart. Herr Bobic hat gemeint, da könne mia glei schwäbisch schwätze.“ Gewonnen hatten an dem Abend zwei sympathische Judo-Vertreter: Sebastian Seidl – und die Mama.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht