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Schützen

Jugend am Schießstand bricht weg

Immer weniger Nachwuchs frönt dem Schützensport in der Sektion Kelheim. Ein junger Coach aus Arnhofen kämpft dagegen an.
Von Martin Rutrecht

Zehn junge Schützen kamen zum Auftakt des Sektionscups – an die 40 Teilnehmer zählte die Vergleichsserie früher. Foto: Hans Freiberger
Zehn junge Schützen kamen zum Auftakt des Sektionscups – an die 40 Teilnehmer zählte die Vergleichsserie früher. Foto: Hans Freiberger

Kelheim.Es war der Faschingssonntag und trotzdem fiel das Lachen schwer. Ganze zehn junge Schützen fanden sich zum Auftakt des Nachwuchscups in der Sektion Kelheim ein. „Vor wenigen Jahren waren es bei dieser Wettkampfserie noch rund 40 Teilnehmer“, sagt Jürgen Daniel (20), zweiter Sportleiter der Sektion und Jugendtrainer beim Verein Jennerwein Arnhofen. Die Nachwuchssorgen haben auch den Schießsport eingeholt.

„Die Zahlen sind stark rückläufig.“

Sepp Biberger

Bei den Aktivenzahlen muss sich die Sektion Kelheim nicht verstecken. In 17 Vereinen legen rund 1200 Frauen und Männer an. Aber nur zehn Prozent davon zählen zum Nachwuchs: 40 Schüler (12 bis 14 Jahre), 40 Jugendliche (15/16), 40 Junioren (17/18). „Die Zahlen im Jugendbereich sind stark rückläufig“, konstatiert Sektionsleiter Sepp Biberger.

Noch drei Termine zum Nachwuchscup

„Zum Auftakt des Nachwuchscups hatten wir vier Schüler und sechs Jugendliche am Stand“, berichtet Jürgen Daniel, der selbst vor wenigen Jahren in diesem Vergleichsschießen für junge Kelheimer Schützen mitmachte. Damals waren es rund viermal so viel junge Talente.

Hier sehen Sie ein Video vom Nachwuchscup in 2015:

Schützen-Nachwuchs misst sich in Kelheim

Da im Nachwuchsreigen noch drei Schießen anstehen, unter anderem an diesem Sonntag, wird sich der maue Andrang noch bessern. „Wir bekamen auch neun Ergebnisse nachgereicht, weil einige wegen des Faschings im eigenen Verein später nachgeschossen haben“, so der Abensberger Daniel. Dieses Nachschießen ist einmal erlaubt. Mindestens drei Durchgänge müssen für die Gesamtwertung des Cups absolviert werden, vier Termine sind ausgelobt.

Nur wenige halten länger durch

Die Botschaft des Arnhofener Jugendcoaches ist deutlich: „Uns droht Nachwuchsmangel. Wir müssen uns für die Zukunft etwas überlegen.“ Dabei stößt der 20-jährige Werkzeugmechaniker-Lehrling nicht in das Horn von der „Generation Smartphone“. Er registriert durchaus, dass sich Schüler fürs Schießen interessieren. „Die Schwierigkeit ist aber, sie am Stand zu halten und vor allem für den Sportbereich zu gewinnen.“ Denn es sei ein gewaltiger Unterschied, ob jemand Schützensport als Hobby betreibe oder auf Wettkampfebene schieße. „Wer auf Leistung geht, kommt mit einmal Training in der Woche kaum aus.“

Noch dreimal können sich junge Schützen heuer im Nachwuchscup messen. Foto: Heiner Stöcker/Archiv
Noch dreimal können sich junge Schützen heuer im Nachwuchscup messen. Foto: Heiner Stöcker/Archiv

Ehrgeiz und Durchhaltevermögen bringen aber nicht viele auf, meint Daniel. Ein positives Beispiel ist seine Schwester Verena. Die 14-Jährige schoss sich im Vorjahr über Gau-, Bezirks- und Bayernmeisterschaft bis zu den deutschen Titelkämpfen der Schüler und belegte Rang 21. „Das bedeutet aber auch, von Januar bis September voll dran zu bleiben, denn so lange ziehen sich die Meisterschaften“, erklärt ihr Bruder. Solche Erfolge kämen in der öffentlichen Wahrnehmung zu selten an, befindet der 20-Jährige. „Vielleicht würde das mehr Anreiz geben, es über eine längere Zeit zu probieren.“

„Die Mädchen dominieren bei den Resultaten.“

Jürgen Daniel

Als Jugendtrainer von Jennerwein Arnhofen blickt Jürgen Daniel aktuell auf knapp zehn Schüler. „Das ist eine erfreuliche Zahl. Schauen wir mal, wie viele dabei bleiben.“ Grundsätzlich sei es in einem Dorf nicht schwer, jemanden mal an den Schießstand zu locken. „Man kennt sich und spricht die jungen Leute oder die Eltern an.“

Werbung für seine Leidenschaft zu betreiben, fällt Daniel auch nicht schwer. „Schießen ist ein spannender Sport. Viele Faktoren kommen zusammen, wenn man es gut machen will: Konzentration, Ausdauer, die Fußstellung, die Gewehrhaltung. Da sich Ziele zu setzen, treibt an und macht Spaß.“

Stelldichein im Sektionscup

  • Termine:

    Sonntage, 17. und 31. März sowie 14. April; jeweils ab 14 Uhr, Stand Kelheim-Gmünd, unter der Dreifachturnhalle; geschossen wird mit Luftgewehr oder Luftpistole (ohne Auflage).

  • Startberechtigung:

    Teilnehmen können Schüler (Jg. 2005 und jünger) mit 20 Schuss sowie Jugendliche (Jg. 2001 und jünger) mit 40 Schuss. Der Schütze muss einem Verein der Sektion angehören.

Den gesellschaftlichen Aspekt unterstreicht Sektionsleiter Biberger. „Der zwölfjährige Schüler schießt neben dem 80-jährigen Altmeister, Nichtbehinderte neben Behinderten, Männlein neben Weiblein. Es gibt keine Trennung.“ Ein Umstand ist Daniel noch wichtig: „Die Jugend lernt im Umgang mit einer Waffe früh Verantwortung.“

Warum die Mädels besser sind

Männliche Aspiranten müssen sich auf eines einstellen. „Die Mädchen sind überwiegend dominierend“, schmunzelt Jürgen Daniel. „Die Jugendleistungen werden insgesamt stärker“, sagt Sepp Biberger zur Ehrrettung. Der Jugendcoach bleibt bei seiner auch durch Resultate in Rundenwettkämpfen belegten These. „Es heißt: Männer schießen mit Kraft, Frauen mit Technik.“ Junge Schützen können das im Sektionscup gleich mal ausloten.

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