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Medaillentraum

Kelheimer Kanutin gewinnt WM-Bronze

Sophia Gruber (17) paddelt mit Deutschland bei Wilderwasser-WM der Juniorinnen auf Rang drei – 1,5 Sekunden hinter Silber.
Von Alexander Roloff

Die 17-jährige Sophia Gruber paddelte in Österreich bei der Junioren-WM zur Bronzemedaille in der Teamkonkurrenz. Fotos: Gruber (4)/xlf (1)
Die 17-jährige Sophia Gruber paddelte in Österreich bei der Junioren-WM zur Bronzemedaille in der Teamkonkurrenz. Fotos: Gruber (4)/xlf (1)

Kelheim.Die Wildwasserkanutin Sophia Gruber vom Kanu-Club Kelheim hat sich bei der Junioren-Weltmeisterschaft eine Medaille gesichert. Der Traum vom Edelmetall erfüllte sich im Teamwettbewerb und glänzte bronzen. Bei einer Laufzeit von knapp 21 Minuten fehlte der Hauch von 1,5 Sekunden zu Silber.

Den Platz im Team Deutschland verdiente sich die 17-jährige Gymnasiastin aus Weltenburg am ersten Renntag der Wildwasser-WM für die Altersklassen U23 und Junioren im österreichischen Murau. Denn mit dem „Classic“-Rennen wurde auch die interne Ausscheidung für das Team Deutschland ausgefahren. Vier Bewerberinnen gab es für das dreiköpfige Team.

„Die Nervosität hatte ich ganz gut im Griff.“

Sophia Gruber

„Natürlich war ich vor meinem ersten internationalen Rennen nervös, aber das habe ich ganz gut in den Griff bekommen“, sagt die Weltenburgerin. Für die 6,5 Kilometer lange Wettkampfstrecke hatte sie sich in den Vortagen bereits ein gutes Gefühl erarbeitet. „Durch die intensiven Trainingstage war Sophia gut vorbereitet“, bestätigt Vater Bernhard Gruber.

Wie Windschattenfahren am Rad

Während die Mur im Training noch viel Hochwasser führte, habe sich der Pegel am ersten Wettkampftag normalisiert. Nach gut 20 Minuten Daumendrücken stand dann auch fest, dass sich Sophia als WM-Zehnte und zweitbeste deutsche Juniorin für das Team qualifiziert hatte. „Es hat alles ganz gut hingehauen“, war Sophia mit ihrem Auftritt ganz zufrieden. Tags darauf stand der Teamwettbewerb auf dem Programm.

Das Bronze-Trio mit (v. l.) Lisa Köstle, Sophia Gruber und Verena Sülzer
Das Bronze-Trio mit (v. l.) Lisa Köstle, Sophia Gruber und Verena Sülzer

Zeit zum Trainieren mit ihren Kolleginnen Verena Sülzer aus Brühl, die das Team als Fünftplatzierte vom Classic-Rennen anführte, und der elftgereihten Lisa Köstle aus Inzell blieb nicht. Aber die Mädels kennen sich von vielen nationalen Rennen. „Wir sind gut miteinander befreundet und das hat uns sicher auch geholfen“, so Sophia Gruber.

Im Teamwettbewerb kommt es darauf an, die Strecke möglichst schnell gemeinsam zu bewältigen. Zwischen dem Zieleinlauf der schnellsten und der langsamsten Kanutin im Dreiergespann dürfen nur 15 Sekunden verstreichen. „Bei uns hat Verena Sülzer die Zeitnahme ausgelöst und Lisa Köstle als Dritte im Bunde angeschlagen“, bericht die Weltenburgerin, die sich zwischen den beiden den Weg auf dem Wildwasser bahnte.

Entscheidenden Anteil am Erfolg habe die ideale Abstimmung der drei Fahrerinnen untereinander gehabt. „Es kommt darauf an, dass die beste Kanutin ihre Kolleginnen zieht. Auf der Welle der Vorderfrau zu paddeln, fühlt sich wie Windschattenfahren beim Radeln an“, erklärt Sophia. Trotz der fehlenden gemeinsamen Trainingszeit legte das deutsche Trio eine optimale Mannschaftsformation hin.

Im Sprint lief’s nicht rund

Platz eins war von vornherein vergeben, denn die jungen Damen aus Tschechien hatten das Einzel mit den Plätzen eins bis vier dominiert. Im Kampf um Silber und Bronze hatten schließlich die Belgierinnen um 1,5 Sekunden die Kanuspitze vorne. Dieses Duell um Silber und Bronze habe sich laut Gruber bereits im Vorfeld abgezeichnet. „Im Einzel-Classement hatten sich die Belgierinnen ganz knapp um uns gedrängt. Es war irgendwie klar, dass es auf diesen Zweikampf hinaus läuft.“ Nach dem Staffelrennen wollte sich über den denkbar knappen Rückstand erst etwas Frust ausbreiten, aber bald zog Freude über den Gewinn der Bronzemedaille auf. „Als Sportler ist man erst traurig, aber letztlich bin ich sehr glücklich über Bronze.“

Beim Teamwettbewerb müssen die drei Starter einer Nation innerhalb von 15 Sekunden gemeinsam ins Ziel kommen.
Beim Teamwettbewerb müssen die drei Starter einer Nation innerhalb von 15 Sekunden gemeinsam ins Ziel kommen.

An den nächsten beiden Tagen wurden die Sprint-Wettkämpfe auf der Wildwasserstrecke über 400 Meter ausgefahren. „Da die Mur noch einige Tage vor dem ersten Sprint-Rennen Hochwasser führte, mussten sich die Sportler sehr schnell umstellen und sich auf unterschiedliche Wasserverhältnisse einstellen, was die Sache natürlich nicht leichter machte“, berichtet Bernhard Gruber. Sophia gab ihr Bestes, kam aber in zwei Läufen nicht über Platz 15 in der Qualifikation hinaus und verpasste das Finale der besten Zwölf.

Neben dem Abi wartet die EM

„Ich weiß nicht, woran es gelegen hat. Der erste Lauf war nicht gut. Also habe ich alles in den zweiten Quali-Lauf gelegt, dort aber noch schlechter abgeschnitten.“ Über das Aus in der Sprint-Qualifikation brauchte sich Sophia nicht lange zu grämen. „Leider habe ich es nicht ins Finale geschafft. Mit der Bronzemedaille im Team konnte ich mich aber gut trösten. Mit meinem ersten Auftritt bei einer Weltmeisterschaft bin ich absolut zufrieden.“

Kanu-Club-Vorsitzende Marianne Fruth (l.) und Bürgermeister Horst Hartmann (r.) gratulierten der erfolgreichen Kanutin nach der Heimkehr.
Kanu-Club-Vorsitzende Marianne Fruth (l.) und Bürgermeister Horst Hartmann (r.) gratulierten der erfolgreichen Kanutin nach der Heimkehr.

In diesem Jahr möchte die 17-Jährige noch kleinere Rennen in München und auch in Norddeutschland bestreiten. Dabei handelt es sich um Ranglistenrennen, die bereits für das kommende Wettkampfjahr eine Rolle spielen. „Mal abwarten, wie es 2018 weitergeht“, sagt Sophia Gruber, die von Klein auf vor allem mit ihrem Papa im Boot saß. „Es hat allerdings lange gedauert, bis ich mich traute, alleine zu fahren“, gesteht sie. Mit acht Jahren überwand sie die Scheu.

Im kommenden Jahr gelte es erneut Schule und Sport in Einklang zu bringen. 2018 wäre eine Europameisterschaft an der Reihe. „Ich werde wieder versuchen, mich zu qualifizieren. Ich habe es heuer geschafft, Kanufahren und Schule unter einen Hut zu bringen, vielleicht klappt es auch im nächsten Jahre.“ Dabei genießt das Abitur der Sportlerin vom Kelheimer Kanu-Club absoluten Vorrang. „Im Boot werde ich immer sitzen. Wer die Donau vor der Haustür hat, kann einfach nicht anders.“

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