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Fussball

Klosterort-Truppe sprengt Banden

Weltenburg wird bei Futsal-Vorrunde in Kelheim zum Überflieger. Fußballkreis-Chef bereiten nicht nur die wenigen Teams Sorge.
Von Wolfgang Wutzer und Martin Rutrecht

Weltenburg (in blau) startete nach der Auftaktniederlage gegen TV Schierling eine Siegesserie. Fotos: Rutrecht
Weltenburg (in blau) startete nach der Auftaktniederlage gegen TV Schierling eine Siegesserie. Fotos: Rutrecht

Kelheim.Draußen vor der Dreifachturnhalle war mit Dauerregen Tristesse geboten. Als Kontrastprogramm zeigten die Teilnehmer an den beiden Kelheimer Vorrunden-Gruppen zur Futsal-Kreismeisterschaft drinnen ansehnlichen Kick. In der ersten Staffel setzten sich SV Ihrlerstein und FC Kelheim durch, aus der zweiten Gruppe lösten SpVgg Weltenburg, TV Schierling und SV Saal das Zwischenrunden-Ticket. Parallel schossen sich in Rottenburg der Bezirksligist TSV Langquaid sowie die SG Adlhausen/Langquaid II in die nächste Runde.

„Wenn man eingeladen ist, erscheint man auch.“

Feyyaz Balaban

Der als Favorit gehandelte SV Ihrlerstein gab sich bei drei Siegen aus vier Spielen keine Blöße und zog als Tabellenerster in die Zwischenrunde ein. Der Brandler Spieler Simon Seitz hatte „das Weiterkommen auf dem Zettel. Wir wollen uns als Vorjahres-Vizemeister in Niederbayern gut präsentieren.“ Erdi Yasasin, Kicker des ATSV Kelheim, hockte als Kumpel und Zaungast in einer Pause neben Seitz. „Heiß wird’s, wenn wir uns bei unserem Turnier auf dem Parkett sehen“, scherzte er.

Leidvolle Miene bei Edeltechniker

Grund zur Freude hatte auch der FC Kelheim. Punktgleich mit den Brandlern qualifizierte sich die Truppe um Spielertrainer Feyyaz Balaban, der ein technisch feines Aufgebot anführte. Einige Teamkollegen und er waren sich aber einig, eigentlich lieber den klassischen Hallenkick zu spielen. „Wenn man aber eingeladen wird, erscheint man auch“, sieht er es als Selbstverständlichkeit, bei einem offiziellen Turnier dabei zu sein.

SV Ihrlerstein (in rot) erreichte locker die Zwischenrunde, der TSV Neustadt schied als Gruppenletzter aus.
SV Ihrlerstein (in rot) erreichte locker die Zwischenrunde, der TSV Neustadt schied als Gruppenletzter aus.

Geknickt saß FC-Spieler Mustafa Lafci am Rande. Er verletze sich vor einem Jahr in der Halle am Knie schwer und musste nun nochmal operiert werden. „Ich wollte im Winter wieder anfangen. Das kann ich vergessen, frühestens im Sommer kehre ich zurück.“

Kreisklassen-Spitzenreiter TSV Neustadt schied mit nur drei Punkten als Schlusslicht aus. „Auch wenn wir keine großen Ambitionen hatten, tut ein letzter Platz weh“, sagte der enttäuschte Trainer Tobias Hofmeister. Alfons Sedlmayer, der seit November beim TSV Offenstetten das Traineramt innehat, wollte sich mit seinem neuen Team „so gut wie möglich präsentieren“. Mit einem Sieg gegen Neustadt und einem Remis gegen FSV Sandharlanden war das Ziel erreicht. FSV-Abteilungsleiter Andreas Göttl freute sich über ebenfalls vier Punkte seiner Truppe und zeigte sich als ausgesprochener Befürworter des Hallenzaubers ohne Bande. „Mir gefällt Futsal. Es geht schneller und technisch versierter zu.“

Futsal Kreismeisterschaft in Kelheim

In die gleiche Kerbe schlug Roland Nothhaft, Trainer des SV Saal, der in der zweiten Gruppe die Zwischenrunde buchte: „Im Futsal muss man sich schnell nach vorne kombinieren und das taugt mir. Wir trainieren auch auf Handballtore, um damit zurechtzukommen.“ Mehr solche Überzeugungstäter hätte Fußballkreis-Chef Rudolf Hamberger gerne. Er zeigte sich im Vorfeld „sehr enttäuscht“ von nur 79 Teams in Niederbayern-West: „Wir hätten uns bei über 200 Vereinen schon eine bessere Zahl erhofft.“ Für Hamberger ist Gebot der Stunde, „mit den Klubs zu besprechen, aus welchen Gründen sie nicht mitspielen“.

„Eine Mannschaft, die zusagte, hatte plötzlich Karten fürs Dortmund-Spiel.“

Rudolf Hamberger

Bezeichnend für die mangelnde Lust scheint ein Beispiel aus dem Bereich Rottal/Inn. „Eine Mannschaft hat sich angemeldet, aber jetzt kurzfristig zurückgezogen, weil das Team Karten für ein Dortmund-Spiel hat“, erzählt der Fußballkreis-Vorsitzende. Angekommen an der Basis sei wohl auch nicht, dass es neben Geldpreisen heuer auch Spielbälle, Partyfässer und für die Endrunden-Teams einen Trikotsatz gibt.

Offenstettens neuer Coach Alfons Sedlmayer (M.) zeigte sich zufrieden.
Offenstettens neuer Coach Alfons Sedlmayer (M.) zeigte sich zufrieden.

Ob die neue Grenzziehung mit ursächlich sei, mag Hamberger nicht einschätzen. Eine Erfahrung musste er aber machen: „Wir wollten einen Stammtisch ausrichten, aber mangels Resonanz kam er nicht zustande.“ Es werde vermutlich „zwei, drei Jahre dauern, bis die Reform auch in den Köpfen angekommen ist“.

Kosten für Ausrichter steigen

Ein packendes Rennen um die Plätze für die Zwischenrunde lieferten sich die Teams der zweiten Staffel. Als große Überraschung entpuppte sich Ausrichter und Außenseiter SpVgg Weltenburg. „Der dritte Rang wäre gut, um reinzurutschen in den nächsten Sonntag“, gab Trainer Michael Ossmann aus. Es wurde deutlich mehr. Mit zwölf Zählern sammelte der A-Klassist genauso viele Punkte wie TV Schierling und SV Saal – die drei Klubs kamen alle weiter, angeführt von der Klosterort-Elf.

Weltenburg mit Trainer Michael Ossmann (l.) und Abteilungsleiter Max Gratzer war Ausrichter und Überflieger.
Weltenburg mit Trainer Michael Ossmann (l.) und Abteilungsleiter Max Gratzer war Ausrichter und Überflieger.

Für Weltenburg fügte sich das optimal in die Gastgeber-Rolle. Abteilungsleiter Maximilian Gratzer sagte lächelnd: „Der Verein kann sich ein bisschen präsentieren – und jetzt auch sportlich.“ Die Lust an der Veranstalter-Aufgabe sinke allerdings, „weil der Verband Kosten wie für die Schiedsrichter auf die Ausrichter umlegen will“. Selbst dürfe man die Hälfte des Eintrittsgeldes und den Erlös aus Kaffee und Kuchen mitnehmen. „Wenn ich das hoch rechne, steigen wir heute mit Plus-Minus-Null aus. Das ist kein großer Anreiz.“

Bezirksliga mit nur vier Mannschaften

  • Bayern-Trend:

    Michael Tittmann vom BFV-Verbandsspielausschuss sagt zum Hallenzuspruch: „Wir verzeichnen bayernweit einen Rückgang. Allerdings nimmt die Zahl der Teams schon seit zehn Jahren ab, es begann bereits vor Futsal.“

  • Rumpfliga:

    Fast unmöglich war es, eine Futsal-Bezirksliga für Niederbayern-West aus der Taufe zu heben. Bezirksspielleiter Richard Sedlmaier aus Ihrlerstein musste große Überzeugungsarbeit leisten. Dennoch fanden sich nur vier Vereine.

Hinter dem Erfolgstrio reihte sich der SV Kelheimwinzer (6 Punkte) ein. Trainer Alexander Sommer bedauerte das Fehlen von drei Hallenspezialisten im Team. „Trotzdem wären wir gerne in die Zwischenrunde gekommen.“ Der SC Kelheim (3) brachte keinen Fuß aufs Parkett. Coach Yusuf Yigit war aber auch nicht so sehr daran gelegen. „Wir wollen nur keine weiteren Verletzten.“ Schlusslicht SV Eggmühl legte eine klassische Null aufs Parkett.

In der ersten Staffel in Rottenburg erreichte TSV Langquaid mit drei Siegen als Zweiter die Zwischenrunde am kommenden Wochenende an selber Stelle, wo sich dann auch die qualifizierten Kelheimer Mitstreiter einfinden. Adlhausen/Langquaid II mischt nach einem 2:1-Sieg im „Endspiel“ gegen TSV Ergoldsbach in der anderen Gruppe auch mit.

Ergebnisse

Gruppe 1 (5 Teams) in Kelheim: TSV Offenstetten – FC Kelheim 0:2, SV Ihrlerstein – FSV Sandharlanden 3:0, TSV Neustadt/Donau – Offenstetten 3:4, FC Kelheim – Ihrlerstein 0:2, Sandharlanden – Neustadt/Donau 2:1, Offenstetten – Ihrlerstein 2:6, Neustadt/Donau – FC Kelheim 2:3, Sandharlanden – Offenstetten 1:1, Ihrlerstein – Neustadt/Donau 1:3, FC Kelheim – Sandharlanden 3:1.
Tabelle: 1. SV Ihrlerstein 12:5 Tore, 9 Punkte; 2. FC Kelheim 8:5, 9; 3. FSV Sandharlanden 4:8, 4; 4. TSV Offenstetten 7:12, 4; 5. TSV Neustadt/Donau 9:10, 3.

Gruppe 2 (6 Teams) in Kelheim: SV Saal/Donau – SV Eggmühl 4:0, SC Kelheim – SV Kelheimwinzer 0:3, SpVgg Weltenburg – TV Schierling 1:3, SC Kelheim – Saal/Donau 0:2, Schierling – Eggmühl 2:0, Kelheimwinzer – Weltenburg 2:3, Saal/Donau – Schierling 2:0, Weltenburg – SC Kelheim 5:0, Eggmühl – Kelheimwinzer 1:3, Weltenburg – Saal/Donau 3:0, Kelheimwinzer – Schierling 0:3, SC Kelheim – Eggmühl 2:0, Kelheimwinzer – Saal/Donau 0:1, Eggmühl – Weltenburg 0:7, Schierling – SC Kelheim 5:1.
Tabelle: 1. SpVgg Weltenburg 19:5, 12; 2. TV Schierling 13:4, 12; 3. SV Saal/Donau 9:3, 12; 4. SV Kelheimwinzer 8:8, 6; 5. SC Kelheim 3:15, 3; 6. SV Eggmühl 1:18, 0.

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