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Knieverletzung stoppt Olympia-Dritten

Während Teamkollege Sven Maresch beim Grand Slam in Moskau siegt, muss Babonen-Koloss Andreas Tölzer im Finale passen. Sein WM-Start ist aber nicht in Gefahr.
Von Martin Rutrecht, MZ

Angesichts seiner Leistungen musste Andreas Tölzer nicht die Nase rümpfen. Allerdings machte sein rechtes Knie Mucken. Foto: dpa-Archiv

abensberg. Ein deutsch-deutsches Finale bei den größten Judo-Turnieren der Welt gibt es selten. Und dann das: Andreas Tölzer, Schwergewichts-Olympia-Dritter vom TSV Abensberg, ließ seinem nationalen Kaderkollegen Robert Zimmermann den Vortritt und verzichtete auf das Duell um den Sieg beim Grand Slam in Moskau. Eine große Geste des Doppel-Vizeweltmeisters? Müdigkeit? „Mein rechtes Knie hat wehgetan. Ich wollte es schonen und habe deshalb den Kampf abgesagt“, klärt der 145-kg-Koloss im Gespräch mit der MZ auf. Um seinen WM-Einsatz Ende August in Rio de Janeiro bange er nicht. „Bis dahin bin ich wieder voll fit.“

Es war absolut sehenswert, was das deutsche Gespann im Schwergewicht abzog. Zimmermann und Tölzer pflügten sich mit vorzeitigen Erfolgen durch ihre Vorrundenpools. Der London-Dritte bezwang U 23-Europameister Roy Meyer aus den Niederlanden, den Ungarn Barna Bor – den er auch bei Olympia geknackt hatte – und den Japaner Ryuta Ishii. Zimmermann musste einen Fight mehr machen, Tölzer hatte zu Beginn ein Freilos. „Es hätte wenig Sinn gemacht, im Finale das Knie noch weiter zu belasten. Den innerdeutschen Vergleich haben wir täglich im Training“, so Tölzer.

Die operierte Schulter hält

Seit dem Judo-Masters in Tyumen Ende Mai, als der Olympionike nach London 2012 wieder ins internationale Kampfgeschehen eingriff, ist eine Sehne im rechten Knie überreizt, wie der 33-Jährige schildert. „Eigentlich bräuchte das Knie viel Ruhe, aber das ist im Vorfeld der Weltmeisterschaft schlecht möglich.“ Für ihn geht die Vorbereitung wie geplant weiter: Bis Mittwoch bleibt er zu Randorizwecken in Moskau, danach folgen zehn Tage Trainingsalltag zu Hause, ehe es mit der deutschen Nationalmannschaft zu intensiven Einheiten nach Kienbaum geht. Erfreulicherweise, so Tölzer, hält die Schulter, die sich der TSV-Recke nach London operieren ließ. „Mit meinen Kämpfen in Moskau bin ich sehr zufrieden. Bis zur WM werde ich keine Turniere mehr bestreiten.“ Er und Kollege Zimmermann sollten für Rio gesetzt sein.

Einen Startplatz unter dem Zuckerhut darf sich auch Vereinskamerad Sven Maresch ausrechnen. Der 81 kg-Athlet gewann in Moskau. Der Bundesliga-Judoka der Babonen fegte in Russland mit fünf Erfolgen durchs Tableau. Evgenii Slesarenko aus Kirgistan, Maxim Buga aus Russland, Jaromir Musil aus Tschechien, der Brasilianer Victor Penalber und im Finale der Ukrainer Vitalii Dudchyk – sie alle konnten Maresch nicht stoppen. Der 26-Jährige, der lange gegen Olympiasieger Ole Bischof um den London-Startplatz kämpfte, will nach dem Karriereende des Vorzeigeathleten seine Chancen für die Spiele 2016 nutzen.

Starker Auftritt von Dominik Gerzer

Neben Gold und Silber gab es beim Grand Slam – höchste Turnierkategorie im Judo – auch Bronze für die TSV-Gemeinde. Für dieses Edelmetallstück zeichnete Dimitri Peters bis 100 kg verantwortlich, wie Tölzer war auch er Dritter in London. Peters räumte zwei Top-Leute seiner Gewichtsklasse von der Matte: zunächst im Poolfinale den früheren Weltmeister Maxim Rakov aus Kasachstan und im kleinen Finale den ehemaligen Weltranglisten-Ersten Sergei Samoilovich aus Russland. Die Niederlage kassierte „Dima“ im Halbfinale gegen den Iraner Javod Mahjoub, der in der Folge sein erstes großes Turnier gewann.

Der Pförringer Sebastian Seidl (66 kg) entschied seinen Auftaktkampf gegen den Kasachen Azamat Mukanov für sich. Aber schon im zweiten Vergleich gegen den Aserbaidschaner Nijat Shikhalizada war für ihn Endstation. Seidl bleibt weiterhin einen Beleg seiner Stärke auf internationaler Ebene schuldig. Auch TSV-Kollege Christopher Völk (73 kg) muss im Hinblick auf einen möglichen WM-Start noch zulegen. Er unterlag im ersten Kampf ausgerechnet seinem Vereinskameraden Attila Ungvari aus Ungarn. Den knappen Kampf entschieden zwei Strafpunkte gegen Völk. Ungvari musste in der nächsten Runde die Koffer packen.

Ein, zwei Turniergrößen kleiner war Dominik Gerzer (bis 100 kg) gefordert. Er nahm am European-Cup in Sindelfingen teil. Nach einer Unaufmerksamkeit unterlag er in Runde eins dem Schweizer Flavio Orlik. Gerzer bekam eine zweite Chance über die Trostrunde und nutzte sie mit souveränen Siegen über den Italiener Luka Ardizio sowie die beiden Russen Islam Bersekov und Mikhail Samoilovich. Im Bronzekampf wartete sein deutscher Landsmann Dino Pfeiffer, die Nummer zwei Deutschlands hinter Olympia-Recke Peters. Nach einem kleinen Fehler des Abensbergers ging der Ettlinger Bundesliga-Athlet mit einer Haltetechnik in Führung. Gerzer wehrte sich und drängte Pfeiffer in drei Shido-Strafen. Doch am Ende fehlte die Zeit, noch eine weitere nachzulegen. So wurde Gerzer Fünfter.

Junior-European-Cup: Die U 21-Altersklasse der kontinentalen Turnierserie war zu Gast im polnischen Wroclaw. Vom TSV Abensberg startete Manuel Scheibel in der Kategorie bis 60 kg.

Auftaktsiege: Der Biburger setzte sich gegen David Hozak aus Tschechien und den Kasachen Yerlan Zhaksybekov durch.

Niederlagen: Im Pool-Finale unterlag Scheibel dem belgischen Nationalkaderathleten Adlan Katchikaev. Die Trostrunde brachte erneut eine Niederlage gegen den später drittplatzierten Franzosen Vang-Si Nzaou.

Fragezeichen: Im August stehen Nominierungen für EM und WM an. Ob’s für Scheibel reicht, wird man sehen.

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