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Kölsch und „Malle“ nach Abstiegs-Krimi

Philipp Hercher aus Ihrlerstein schafft mit Großaspach den Drittliga-Klassenerhalt – Schlagersängerin Andrea Berg feiert mit.
Von Martin Rutrecht

Philipp Hercher bejubelt den Klassenerhalt mit der SG Großaspach in der dritten Liga. Foto: Magdalena Mummert/SG Sonnenhof Grossaspach
Philipp Hercher bejubelt den Klassenerhalt mit der SG Großaspach in der dritten Liga. Foto: Magdalena Mummert/SG Sonnenhof Grossaspach

Ihrlerstein.Unter dem Strich ist ein Fußballer lieber über dem Strich. Für den Ihrlersteiner Profi-Kicker Philipp Hercher und seine Teamkollegen von der SG Sonnenhof Großaspach sah es bis zum letzten Spieltag nach dem Abstieg aus der dritten Liga aus. In einem packenden Finale rettete sich der bekennende „Dorfklub“. „Wir haben richtig abgefeiert“, sagt der 23-jährige Brandler. Schlagersängerin Andrea Berg gehört bei der SG mit zur Partymeute, sie ist als Kleinaspacherin ein Edelfan des Drittligisten.

„Es war eine schwierige Saison mit zwei Trainerwechseln.“

Philipp Hercher

Vor Jahresfrist hatte Philipp Hercher dem 1. FC Nürnberg den Rücken gekehrt. Ganze drei Zweitliga-Einsätze mit insgesamt 26 Spielminuten sammelte der offensive Mittelfeldspieler beim Club, der Sprung ins Profi-Aufgebot klappte nicht. Sieben Jahre in Nürnberg, wo er 2011 als Jugendspieler des SSV Jahn Regensburg angeheuert hatte, gingen zu Ende. „Ohne Spielpraxis hilft mir die Bundesliga nichts“, sagte Hercher im Sommer 2018, als die Franken in die erste Liga kletterten. Er wechselte zum „Dorfklub“: zur SG Sonnenhof Großaspach in die dritte Profi-Klasse.

In 37 von 38 Spielen auf dem Platz

Die persönliche Bilanz nach einer Saison fällt gut aus. „Ich bin zufrieden. Ich habe bis auf eine Partie, in der ich gelbgesperrt war, jedes Spiel gemacht.“ In 37 Begegnungen erzielte Hercher fünf Tore und leistete drei Assists. „Damit habe ich meinen Anteil zum Klassenerhalt beigetragen.“ Die Sonnenhöfer machten es sich selbst schwer. Mit nur elf Niederlagen in 38 Spielen stehen sie sogar besser da als der Tabellendritte SV Wehen Wiesbaden (12). Doch 18 Unentschieden – bei neun Siegen – brachten wenig Punkteausbeute und damit Abstiegsnöte.

Philipp Hercher (mitten in Jubeltraube) spielte seine erste volle Profi-Saison. Foto: Magdalena Mummert/SG Sonnenhof Grossaspach
Philipp Hercher (mitten in Jubeltraube) spielte seine erste volle Profi-Saison. Foto: Magdalena Mummert/SG Sonnenhof Grossaspach

„Es war eine schwierige Saison mit zwei Trainerwechseln“, sagt der 23-jährige Berufsfußballer. Schon im Oktober flog Trainer Nummer eins, Florian Schnorrenberg kam – und zwei Spieltage vor Schluss übernahm für ihn mit Markus Lang der eigentliche A-Jugend-Coach. Er holte die Kastanien mit zwei Siegen aus dem Feuer.

Zwischenstopp in Kölner Innenstadt

Das Finale bot Dramatik pur: Großaspach musste bei Fortuna Köln gewinnen, die Konkurrenten Braunschweig und Cottbus waren im direkten Duell verdammt, sich gegenseitig Punkte zu nehmen. Die Hercher-Elf siegte mit 2:0, die Rivalen trennten sich 1:1 – Großaspach überholte bei Punktgleichheit dank der besseren Tordifferenz noch beide Teams. Cottbus musste absteigen, übrigens auch Lotte, das noch 2016/17 mit einem DFB-Pokal-Durchmarsch bis ins Viertelfinale gegen Borussia Dortmund bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Andrea Berg lebt in Kleinaspach und ist mit einem Mitgründer der SG verheiratet. Zusammen betreiben sie das Hotel Sonnehof. Foto: Jörg Carstensen/dpa
Andrea Berg lebt in Kleinaspach und ist mit einem Mitgründer der SG verheiratet. Zusammen betreiben sie das Hotel Sonnehof. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Unmittelbar nach Abpfiff begann die Party der Sonnenhöfer. „Wir haben unser großes Ziel erreicht und mit dem kleinen Dorfklub den Klassenerhalt geschafft“, freut sich Hercher. Das sechste Jahr in Folge spielt Großaspach ab Mitte Juli in Liga drei. Auf der Heimfahrt legten die SG-Kicker samt Anhang einen Stopp in der Kölner Innenstadt ein. „Wir haben an einer Bar wie es sich gehört Kölsch getrunken. Andrea Berg war selbstverständlich auch mit dabei“, erzählt der Ihrlersteiner. Die Schlagersängerin ist mit einem Mitbegründer der SG verheiratet und lebt in Kleinaspach, wo sie mit ihrem Ehemann das Hotel Sonnenhof betreibt.

Schon „Bock“ auf neue Saison

Dort schlug die Feiergemeinde auch auf, als die Mannschaft den Heimatort erreicht hatte. Die Fans empfingen die Truppe. Schon in Köln waren 500 Aspacher mit dabei, „das war überragend“, bekundete auch Interimscoach Lang, für den nun ein Nachfolger gesucht wird. „Bis spät in die Nacht wurde gefeiert, am nächsten Tag flogen wir mit den Betreuern nach Mallorca – um drei Tage weiter zu feiern“, berichtet Philipp Hercher feixend.

In der neuen Saison trifft Hercher auch auf den Schierlinger Pascal Itter (l.), der mit Chemnitz in die dritte Liga aufsteigt. Foto: Chemnitzer FC
In der neuen Saison trifft Hercher auch auf den Schierlinger Pascal Itter (l.), der mit Chemnitz in die dritte Liga aufsteigt. Foto: Chemnitzer FC

Der Vertrag des Ihrlersteiners bei der SG Sonnenhof Großaspach läuft noch ein weiteres Jahr. „Für die neue Spielzeit nehme ich mir auf jeden Fall vor, meine Scorerpunkte zu steigern“, erklärt der 23-Jährige. Den Entschluss, den 1. FC Nürnberg zu verlassen, bereut er nicht. „Alles in allem war es Stand jetzt ein guter Schritt für mich – und ich habe Bock auf die nächste Saison.“ In 2019/20 wird er auch dem Schierlinger Pascal Itter begegnen, der mit dem Chemnitzer FC heuer aufstieg. Am Wochenende erst lösten die Sachsen mit dem Sieg im Landespokal das Ticket für die 1. Runde im DFB-Pokal.

Bevor Philipp Hercher in die Vorbereitung mit Großaspach einsteigt, macht der Brandler jetzt mal Urlaub.

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