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Landesliga-Aufstieg ist jetzt Nebensache

Darius Farahmand, Ex-Coach in Langquaid und Abensberg, hat Neutraubling zu einer Einheit geformt. Im Moment zählt anderes.
Von Florian Würthele

Der Slowene Enis Saramati (l.) ist einer von vielen Ausländern im Team.  Foto: Florian Würthele
Der Slowene Enis Saramati (l.) ist einer von vielen Ausländern im Team. Foto: Florian Würthele

Neutraubling.Es wäre der perfekte Zeitpunkt für den TSV Wacker Neutraubling. Im Jahr seines 70-jährigen Bestehens könnten die Neutraublinger Bezirksliga-Fußballer diesen Sommer den erstmaligen Aufstieg in die Landesliga schaffen. Die Zeichen stehen gut: dem TSV scheint die Meisterschaft in der Oberpfalz-Bezirksliga Süd kaum noch entrissen werden zu können. Natürlich immer unter dem Stern, ob die Saison angesichts der Corona-Pandemie überhaupt zu Ende gebracht werden kann.

Der erfahrene Darius Farahmand wurde im Sommer als neuer Cheftrainer installiert. Der 54-Jährige ist auch im Landkreis Kelheim bekannt wie ein bunter Hund: Bis vor zehn Jahren wirkte er beim TSV Langquaid und in der Saison 2017/18 wurde er zum Rettungsengel für Bezirksligist TSV Abensberg, als er die Babonen als Interimscoach in den letzten sieben Partien aus der Abstiegsregion führte.

Acht Nationalitäten

Farahmand, der für seine erfolgreiche Rettungsmission bei Bezriksligist TSV Abensberg mit dem Titel Niederbayerns Trainer des Jahres ausgezeichnet wurde, ist es nach einer Zwischenstation in der Nachwuchsschmiede der JFG Kinsachkickers in Neutraubling gelungen, aus einer „Multi-Kulti-Truppe“ eine Einheit zu formen.

„Die Mannschaft ist zusammengewachsen“, sagt der Übungsleiter nicht ohne eine Portion Stolz. Im Team sind Spieler mit insgesamt acht verschiedenen Nationalitäten. Diese unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach. „Jeder hat eine ganz unterschiedliche Auffassung vom Fußball. Das haben wir zusammengebracht“, so Farahmand. Mentalität und Teamspirit stimmen. Jeder stehe für den anderen ein, jeder stelle sich in den Dienst der Mannschaft. Hinzu käme laut dem Coach eine „extrem hohe Akzeptanz und eine große Solidarität untereinander. Das Bewusstsein, dass vom Torwart bis zum Auswechselspieler alle an einem Strang ziehen und alle die gleiche Wertstellung haben, war entscheidend.“ Gleichzeitig sei jedem bewusst, dass in der Bezirksliga viel über Kampf und Wille geht.

Darius Farahmand war vor wenigen Jahren bei Abensberg auf Rettungsmission: In sieben Spielen bewahrte der Coach die Babonen vor dem Abstieg. Foto: Würthele
Darius Farahmand war vor wenigen Jahren bei Abensberg auf Rettungsmission: In sieben Spielen bewahrte der Coach die Babonen vor dem Abstieg. Foto: Würthele

Natürlich sei auch die Qualität der Einzelspieler nicht zu bestreiten. Der Lohn des Ganzen: Mindestens neun Punkte beträgt der Vorsprung auf die Konkurrenz. Der erstmalige Aufstieg in die Landesliga scheint, sollte die Saison zu Ende gebracht werden, nur Formsache. Farahmand allerdings will von einer (Vor-)Entscheidung nichts wissen: „Neun Punkte hört sich toll an. Von allein aber geht gar nichts. Das ist kein Selbstläufer.“ Die drei letzten Partien vor der Winterpause hätten gezeigt, wie eng es zugeht.

Der Fußball pausiert auf unbestimmte Zeit. Wenn es überhaupt in dieser Saison noch weitergeht.

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Im letzten Drittel der Saison geht es gegen zahlreiche Abstiegskandidaten. „Sie alle werden versuchen, uns zu bearbeiten und uns die Stirn zu bieten“, weiß der Trainer, der im selben Atemzug seine Schützlinge in die Pflicht nimmt: „Die Jungs müssen weiter hart an sich arbeiten und die bisher gezeigte Disziplin in die letzten Spiele mitnehmen.“ Druck, unbedingt aufsteigen zu müssen, gebe es aber keinen.

Fußball ist nebensächlich

Das Corona-Virus und seine Auswirkungen auf den Amateurfußball könnten zur Folge haben, dass die tolle Saison für Neutraubling am Ende „für die Katz“ ist. Daran verschwendet Darius Farahmand aber keine Gedanken. Und auch die Frage, wann und ob die Saison fortgeführt werden kann, ist für den Coach im Moment absolut nebensächlich. Für den Familienvater aus Bogen zählt anderes.

„Das Allerwichtigste ist, unabhängig von Punktekonto, Tabellenstand oder was auch immer, dass das Thema ganz schnell wieder zur Normalität wird und unsere Regierung dieses Problem in den Griff bekommt“, sagt Farahmand, der nachschiebt: „Mir ist es vollkommen egal, ob wir Erster oder Letzter in der Liga werden, die Gesundheit der Menschen steht an oberster Stelle.“

Personal und Statistik

  • Rückkehrer:

    Bald kann Neutraublings Trainer wieder auf zwei seiner Leistungsträger bauen. Abwehrchef Andreas Halder und Torjäger Robin Peter waren lange verletzt. Beide sind auf dem Weg der Rekonvaleszenz. Zudem wurde im Winter der vom Bayernligisten SV Donaustauf aussortierte Matheus Teodozo als neue Offensivkraft und Ergänzung für die zentrale Spitze geholt.

  • Vorschau:

    Für die neue Saison möchte sich der TSV laut der Aussage von Abteilungsleiter Alexander Eirich gezielt mit fünf, sechs Spielern verstärken. Aktuell liegt der ärgste Widersacher FC Furth um neun Zähler zurück. Mit 52 erzielten Treffern verfügt Neutraubling über die torgefährlichste Offensive. Mit 21 Gegentreffern aus 20 Partien stellt der TSV auch die beste Defensive.

Wie viele seiner Trainerkollegen hat Farahmand seinen Spielern für die nächsten Wochen dreimal wöchentlich Lauftraining verordnet. Dass der Spielbetrieb bald wieder aufgenommen werden kann, bezweifelt er. Farahmands Appell lautet: „Wir müssen alle an einem Strang ziehen und die privaten und persönlichen Sachen ganz hintenan stellen – und da gehört der Fußball auch dazu.“

Abschließend wünscht Farahmand seinen Mitstreitern und den Mannschaften in der Liga alles Gute, „weil wir wollen uns ja alle – gesund – wiedersehen“. Und das hoffentlich so bald wie möglich.

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