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Motorsport

Mit dem 100-PS-Polo in die Formel 1

Mit vier deutschen Kart-Titeln beweist der 18-jährige Ramon Türk seine Qualität für eine Formel-Serie. Aber das Geld fehlt.
Von Martin Rutrecht

Ramon Türk gewann in seiner letzten Kart-Saison zum vierten Mal einen deutschen Titel. Foto: Clemens Beha/ADAC Nordbaden
Ramon Türk gewann in seiner letzten Kart-Saison zum vierten Mal einen deutschen Titel. Foto: Clemens Beha/ADAC Nordbaden

Thaldorf.Aus seinem neuen Rennwagen hat die Familie alles rausgeholt: Der VW Polo 86c Coupe (Bj. 1992) mit ursprünglich 75 PS steht nun mit 100 PS da. Diesen Unterbau wird der 18-jährige Ramon Türk bei Automobil-Slaloms steuern. Nach zehn Jahren im Kart – gespickt mit vier deutschen Titeln – steigt der Thaldorfer um. Für eine Rundstrecken-Serie, die als Königsklasse die Formel 1 bietet, fehlt das Kleingeld.

„Wir könnten bei einem Rennteam vorstellig werden, müssten aber viel Geld mitbringen.“

Roland Türk

Der junge Thaldorfer erinnert an eine Aussage von Sebastian Vettel: „Er hat gesagt, dass viele Talente wegen der hohen Summen, die aufgebracht werden müssten, einfach unentdeckt bleiben.“ Seine Eltern Elke (50) und Roland Türk (52) nicken. „Ramon könnte bei einem Rennteam vorstellig werden, aber er müsste viel Geld mitbringen.“ Die aufgerufenen Mittel sind für die Familie aus dem Kelheimer Ortsteil unerschwinglich.

Er geht in die Autoslalom-Serie

Der 18-jährige Rennpilot wirkt nicht geknickt. „Ich habe mich schon damit abgefunden. Jeder motorsportbegeisterte Bub träumt von einem Einstieg in eine Serie, die vielleicht irgendwann die Tür zur Formel 1 öffnet. Aber was nicht geht, geht nicht.“ Ramon Türk will beim Autoslalom „das Maximum“ herausholen. Denn aufhören möchte er nicht.

Schon als junger Fahrer, als er noch für den MSC Abensberg antrat, war Ramon (Mitte) ein Vorzeigepilot. Foto: Türk
Schon als junger Fahrer, als er noch für den MSC Abensberg antrat, war Ramon (Mitte) ein Vorzeigepilot. Foto: Türk

Dass er Talent hat, zeigt seine Kartslalom-Laufbahn eindrucksvoll. Schon im achten Lebensjahr setzte er sich in die kleinen 6,5-PS-Flitzer mit bis zu 200 ccm. Die höchstmöglichen Weihen fuhr er heraus: zweimal Deutscher Meister, zweimal Bundesendlauf-Sieger, also in Summe vier nationale Titel. Am Ende der Rennen im Pylonenwald steht heuer der zweite Triumph in der Deutschen Meisterschaft der dmsj (Deutsche Motorsportjugend). „Mein Ziel war es immer, der Schnellste zu sein. Mein Wille und unermüdlicher Ehrgeiz treiben mich an“, sagt er.

Ein rührender Dank an die Eltern

Mit Talent alleine komme man nicht weit, ergänzen seine Eltern. „Ramon hat stets an seiner Fahrtechnik gearbeitet.“ Den Rückhalt durch Vater und Mutter stellte der Youngster nach seinem letzten Auftritt bei einer spontanen Rede in einem vollen Saal heraus. „Fast alle sind aufgestanden und haben applaudiert“, reagierten nicht nur die Eltern ergriffen.

Im Pylonenwald fand sich Ramon Türk bestens zurecht. Foto: Türk
Im Pylonenwald fand sich Ramon Türk bestens zurecht. Foto: Türk

In seiner letzten Kart-Saison ließ es der Fertigungsmechaniker im 3. Lehrjahr bei BMW in Regensburg noch mal richtig krachen. In Niederbayern war er praktisch unschlagbar – und kürte sich zum zehnten Mal in Folge zum Regionssieger. Auch sein Heimrennen beim AC Regensburg gewann er zum zehnten Mal in Serie.

Für die südbayerische Meisterschaft qualifizierte er sich nach fünf Vorläufen als Punktbester. Das Finale in Sonthofen über vier Wertungsläufe überstand der Thaldorfer fehlerfrei und als Schnellster. Damit war neben dem Südbayern-Titel auch der ADAC-Bundesendlauf in Sinsheim gebucht.

Aus einer Hundertstel Sekunde zur Titelkür

Bei der Bayerischen Meisterschaft wies er nach drei fehlerfreien Läufen einen schönen Zeitvorsprung aus, allerdings kassierte er durch einen Patzer im letzten Durchgang zwei Strafsekunden, was ihn auf Rang vier zurückwarf. Die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft der dmsj in Lübeck hatte er aber in der Tasche. Dieses nationale Finale sollte ein krönender Höhepunkt werden. „Nach dem ersten Renntag mit zwei Läufen lag ich nur eine Hundertstelsekunde vor dem Zweitplatzierten“, schildert der junge Mann.

In manchem Jahr war er kaum zu schlagen, wenn auch nicht alles aufging:

Asphaltflitzer

Bub feiert in 22 Rennen 18 Siege

Am entscheidenden Renntag war Türk hochkonzentriert. Er absolvierte seinen dritten Wertungslauf in gewohnter Schnelligkeit und konnte fast sechs Zehntel auf seinen Kontrahenten herausfahren. „Aber so richtig sicher war ich mir nicht, denn in den beiden Jahren davor habe ich den Kürzeren gezogen.“ Als allerletzter Fahrer der K5 (16- bis 18 Jährige) musste der Thaldorfer in die letzte Prüfung. „Keinen Fehler machen, trotzdem schnell sein“, lautete seine Devise. Pylone für Pylone meisterte er den Parcours fehlerfrei – und war Deutscher Meister 2019. „Ich konnte es kaum glauben.“

Früh blickte der Thaldorfer auf eine reiche Pokalsammlung. Foto: Türk
Früh blickte der Thaldorfer auf eine reiche Pokalsammlung. Foto: Türk

Auch beim ADAC-Bundesendlauf wollte er wie 2015 und 2018 ganz vorne landen. Aber bereits im ersten Wertungslauf platzte der Traum durch starken Regen. „Meine Konkurrenten hatten noch trockenen Asphalt. Ich war zwar schnell, aber auf nassem Boden hast du keine Chance.“ Am Ende reichte es nur für Platz 29 unter 51 Startern. „Über die Jahre hat ihn auch stark gemacht, dass er mit solchen Niederlagen umgehen konnte“, befinden die Eltern.

Ein Vorbild für Nachwuchspiloten

Der junge Thaldorfer ist in der Szene zu einem Vorbild gereift. „Ich freue mich über die vielen Fans, die mir die Daumen drückten. Der AC Regensburg hat mich als Verein unterstützt.“ Als besonderer Mentor stand Andreas Berr aus Thaldorf hinter ihm. Der Baustoff-Händler wird den Youngster auch in der Zukunft begleiten. „Jetzt geht`s eine Stufe höher zum Automobil-Slalom“, sagt Ramon Türk. „Ab 2020 steige ich mit einem eigenen Auto ein und hoffe auf gute Platzierungen.“

Das ist Ramons Türks neuer Bolide: ein VW Polo mit Rennsitz und Überrollkäfig, der auf 100 PS gebracht wurde. Foto: Türk
Das ist Ramons Türks neuer Bolide: ein VW Polo mit Rennsitz und Überrollkäfig, der auf 100 PS gebracht wurde. Foto: Türk

Mehr oder minder in Familienarbeit haben die Türks den kleinen VW Polo umgebaut. Bis auf das Armaturenbrett wurde das Auto leergeräumt, nur ein Rennsitz und ein Überrollkäfig zählen zum Interieur. „Das Fahrzeug hat keine Straßenzulassung und startet in der Klasse F8“, erklärt Papa Roland Türk. In dieser Klasse fahren „verbesserte“ Fahrzeuge mit maximal 1400 ccm Hubraum und 740 kg Mindestgewicht. Der Thaldorfer Flitzer wiegt 750 Kilo.

Einmalige Erfolgsbilanz

  • Überregional:

    Deutscher Meister der dmsj in 2016 und 2019, Deutscher Vizemeister 2011, einmal Platz vier; Sieger des ADAC-Bundesendlaufs in 2015 und 2018, dazu zweimal in den Top Ten.

  • Regional:

    5 mal Nieder- und 5 mal Südbayerischer Meister, 1 mal Bayerischer Meister, sieben Teilnahmen am ADAC-Bundesendlauf, acht Teilnahmen an Deutscher Meisterschaft.

„Es wäre natürlich super, wenn ich an die Erfolge im Kartfahren anknüpfen könnte“, blickt der Rennpilot, der nach wie vor zu Hause wohnt, nach vorne. Er will alles rausholen aus seinem schwarzen, 100 PS starken VW Polo 86c Coupe.

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