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Nach Pokal-Pleite kracht es beim Jahn

Nach der Blamage in Aiglsbach ist die Enttäuschung groß. Die Niederlage ist nicht nur in sportlicher Hinsicht bitter.

Patrik Dzalto (links) und der Jahn strauchelten gegen Aiglsbach. Foto: dck
Patrik Dzalto (links) und der Jahn strauchelten gegen Aiglsbach. Foto: dck

Regensburg.Als Thomas Attenhauser den Elfmeter von Thomas Paulus pariert hat, kennt der Jubel beim TV Aiglsbach keine Grenzen mehr. Die Fußballer des TVA stürmen zu ihrem Mitspieler, der mit zwei gehaltenen Elfmetern zum Matchwinner avanciert. Während sich die Aiglsbacher von den rund 1200 Zuschauern gebührend für den größten Erfolg in ihrer Vereinsgeschichte feiern lassen, stehen Spieler und Funktionäre des SSV Jahn Regensburg bedröppelt da. Der Drittligist hat sich in der 2. Runde des Bayerischen Toto-Pokals blamiert – und das nicht zum ersten Mal. Die vermeintliche Pflichtaufgabe erweist sich als Stolperstein. Am Ende bejubelt der Siebtligist einen 5:4 (2:2; 0:2)-Sieg nach Elfmeterschießen.

„Die Enttäuschung ist groß“, sagte Jahn-Trainer Heiko Herrlich, der nach dem Schlusspfiff um eine sachliche Analyse bemüht war. Der Elf, die am Sonntag auf der großen Pokalbühne gegen Hertha BSC nur knapp an einer dicken positiven Überraschung vorbeigeschrammt war, hatte Herrlich bewusst eine Verschnaufpause gegönnt. Dafür durften elf frische Kräfte Spielpraxis sammeln. „Dennoch standen genügend starke Leute auf dem Platz“, sagte Herrlich, der aber mitansehen musste, wie seine zweite Garde gegen einen Siebtligisten stolperte.

Standpauken vom Sportchef

Sportchef Christian Keller ist richtig sauer nach der Blamage. Foto: Eibner
Sportchef Christian Keller ist richtig sauer nach der Blamage. Foto: Eibner

Vom Trainer gab es unmittelbar nach der Partie keine Standpauke: „Die Spieler sind gestraft genug, indem sie den Aiglsbachern jetzt beim Feiern zuschauen dürfen.“ Zur Tagesordnung geht es beim Jahn dennoch nicht sofort über. Vor allem der Sportchef war mächtig sauer. „Das ist eine grandiose Blamage – wahrscheinlich die schlimmste, die wir in unserer nicht gerade glorreichen Totopokal-Vergangenheit“, resümierte Christian Keller am Tag nach dem Debakel. Bei allem Respekt vor der Leistung von Aiglsbach dürfe das einfach nicht passieren. Der Jahn habe gegen eine Feierabendmannschaft, die viel Herzblut investiert habe, verloren, sagt Keller.

„Das ist eine grandiose Blamage – wahrscheinlich die schlimmste, die wir in unserer nicht gerade glorreichen Totopokal-Vergangenheit.“

Christian Keller

Dabei hatten die Oberpfälzer den Klub aus dem Landkreis Kelheim allem Anschein nach nicht auf die leichte Schulter genommen, es aber einfach verpasst den Deckel draufzumachen. Das 2:0 zur Halbzeit sei einfach zu wenig gewesen, kritisierte Herrlich die mangelhafte Chancenauswertung.

In der zweiten Halbzeit brachte David Aiglsbach Goliath Regensburg ins Wanken. Bei der B-Elf des Jahn, die mit Markus Ziereis, Thomas Paulus, Uwe Hesse oder Marcel Hofrath dennoch recht prominent besetzt war, flatterten die Nerven.

Die Gründe für das Abschneiden gegen Aiglsbach seien in erster Linie in der Einstellung der Spieler zu suchen, moniert Keller, der sich einzelne persönlich vorknöpfte. „Ich habe deutliche Worte gefunden“, verrät er.

Der Jahn und der Bayerische Toto-Pokal – das passt einfach nicht zusammen. Denn die Pleite gegen Aiglsbach markiert nicht den ersten Ausrutscher, den sich die Regensburger im Verbandspokal leisteten. Dinkelsbühl, Weiden, Unterhaching, Aiglsbach: In den vergangenen Jahren hat sich der Jahn – gelinde gesagt – nicht gerade mit Ruhm bekleckert im Verbandspokal und stolperte reihenweise gegen vermeintliche Außenseiter.

Die Spiele könne man zwar nicht eins zu eins miteinander vergleichen, aber das Resultat am Ende sei immer das gleiche gewesen, sagt Keller: „Es war jedes Mal eine Blamage“,

Der Wettbewerb ist zudem durchaus lukrativ. Der Gewinner des Verbandspokals erhält ein Ticket für die große Fußball-Bühne: die erste Hauptrunde des DFB-Pokals. Das große Los wie 2012 (Bayern München) oder 2016 (Hertha BSC) wird der Jahn in der nächsten Saison wohl nicht ziehen. Es sei denn, der Klub landet am Ende unter den besten vier Mannschaften in der 3. Liga.

Im MZ-Interview findet Jahn-Sportchef Christian Keller deutliche Worte:

Pokal-Blamage: Jahn-Sportchef Keller ist richtig s

Äußerst lukrative Finanzspritzen

„Wir haben gestern ganz viel potentielles Geld liegen gelassen“, bedauert Keller. Denn im DFB-Pokal verteilt der Deutsche Fußball-Bund lukrative Finanzspritzen. 155 000 Euro gab es in dieser Spielzeit in Runde eins. Zudem gehen dem Jahn einkalkulierte Einnahmen durch die Lappen, die die Regensburger für die nächsten Runden im Toto-Pokal erhalten hätten.

„Wir haben gestern ganz viel potentielles Geld liegen gelassen.“

Christian Keller

Das blamable Pokalaus trübt die Stimmung beim Tabellenführer der 3. Liga. Durch den Wiederaufstieg und starke Auftritte zum Saisonauftakt hatte die Herrlich-Elf eine neue Euphorie entfacht. „Mit so einem Spiel kannst du ganz viel auf einen Schlag wieder kaputtmachen“, sagt Keller. Er befürchtet neue Kratzer am eigentlich aufpolierten Jahn-Image. Das sei auch bitter für die Spieler, die sich diese positive Stimmung erarbeitet hätten, gestern aber gar nicht dabei waren. „Als Mannschaft müssen wir das wieder ausbügeln“, fordert Keller. Das werde aber schwierig. Bei ihm persönlich werde der Ärger über das Aus noch lange anhalten – egal wie die nächsten Spiele laufen.

Ein Sieg am Samstag (14 Uhr) im Heimspiel gegen den VfR Aalen dürfte den Sportchef jedoch schon wieder etwas positiver stimmen.

Auch auf Facebook sorgte die Pleite für reichlich Wirbel:

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