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Judo

Neues Machtgefüge in der Bundesliga

Abensberg holt Vize-Weltmeister und weitere Münchner Kämpfer. Hamburgs Sponsor zieht nach Hannover – und nimmt die Elite mit.
Von Martin Rutrecht

Vize-Weltmeister 2015, WM-Dritter 2014 und Olympia-Fünfter 2016: Mit Karl-Richard Frey (in weiß) stößt ein deutscher Weltklasse-Athlet zum TSV Abensberg. Foto: Felix Kästle/dpa
Vize-Weltmeister 2015, WM-Dritter 2014 und Olympia-Fünfter 2016: Mit Karl-Richard Frey (in weiß) stößt ein deutscher Weltklasse-Athlet zum TSV Abensberg. Foto: Felix Kästle/dpa

Abensberg.Der letzte Titel 2014, dreimal in Folge Gratulationsadressen nach Hamburg: Dem Selbstverständnis des deutschen Judo-Rekordmeisters TSV Abensberg genügte das auf Dauer nicht. Der 20-fache Titelträger landete nun beim Bundesliga-Aussteiger TSV Großhadern einen großen Fischzug: Vize-Weltmeister Karl-Richard Frey und weitere deutsche Spitzenkämpfer kommen. Zeitgleich erfährt der neue Krösus vom Hamburger Judoteam einen Nackenschlag – der Hauptsponsor zieht mit fünf Spitzenjudoka nach Hannover weiter.

Des einen Leid, des anderen Freud: „Nachdem sich Großhadern Ende des Jahres aus der Bundesliga abmeldete, haben wir uns natürlich um einige Athleten bemüht“, sagt Abensbergs Abteilungsleiter Martin Oberndorfer. Babonen-Kämpfer wie Sebastian Seidl und Manuel Scheibel trainieren mit Haderner Judoka am Olympiastützpunkt München. Sie knüpften die ersten Kontakte, die Abteilungsführung zurrte die Verpflichtungen fest.

Sextett plus Puertoricaner

Nicht weniger als sechs deutsche Judoka wechseln für die Bundesliga-Saison 2019 an die Abens: Der Olympia-Fünfte und Vize-Weltmeister Karl-Richard Frey (100 kg) kommt als Aushängeschild, dazu heuern dessen Bruder Johannes Frey (Schwergewicht), der deutsche Einzel-Vizemeister Maximilian Heyder (60 kg), Lukas Vennekold (73 kg) und Hugo Murphy (90 kg) an. Schon länger steht das Engagement des U23-EM-Dritten Timo Cavelius (81 kg). „Zusammen mit unseren bisherigen Athleten, von denen alle bleiben, stellen wir eine sehr komplette Mannschaft“, freut sich Coach Radu Ivan.

Hier sehen Sie spektakuläre Würfe des Vize-Weltmeisters und Sie gewinnen einen Einblick in die harte Trainingsarbeit:

Geld spielte bei den Transfers keine bestimmende Rolle, unterstreichen Trainer und Abteilungsleiter. „Die Jungs wollen einfach in der Nähe von München weiterhin Bundesliga kämpfen“, erklärt Oberndorfer. „Außerdem verstehen sich Abensberger und Großhaderner“, schmunzelt Ivan und verweist auf Christoph Köberlin (60 kg), der auch zum TSV stößt, aber kaum noch Bundesliga-Avancen hat. „Er will einfach bei uns mittrainieren.“

Johannes Frey, der Bruder des Vize-Weltmeisters, könnte im Schwergewicht eine Bank werden. Foto: Jonas Güttler/dpa
Johannes Frey, der Bruder des Vize-Weltmeisters, könnte im Schwergewicht eine Bank werden. Foto: Jonas Güttler/dpa

Die Verstärkungen, die mit Adrian Gandia (81 kg) auch einen jungen Puertoricaner von der Isar an die Abens bringen, gelten als Kampfansage an die aktuelle Hochburg Hamburg, die mit dem dritten Bundesliga-Titel in Serie im November 2018 den Hattrick feierte und Abensberg dabei im Finale mit 11:3 aushebelte. „Wir wollen wieder ins Finale und dann den Titel“, gibt Trainer Radu Ivan als Kurskorrektur aus und schickt hinterher: „Wir richten uns nicht an Hamburg aus. Der TSV Abensberg will wieder an die deutsche Spitze.“

Ein Interview mit Karl-Richard Frey sehen Sie hier:

Tatsächlich könnten nicht die Hanseaten der größte Konkurrent in 2019 werden, sondern das Judoteam Hannover – ein Bundesliga-Neuling. Hamburgs größter Sponsor, der in Verbindung mit der Uhren-Edelmarke Tag Heuer steht, hat sich aus der Hansestadt Richtung Hannover verabschiedet. „Das stimmt“, bestätigt Hamburgs Trainer Slavko Tekic. Der Mäzen nehme mit dem Olympia-Dritten Dimitri Peters, Weltmeister Alexander Wieczerzak, den Olympioniken Igor Wandtke und André Breitbarth sowie Dino Pfeiffer fünf deutsche Leistungsträger mit, so Tekic. Und auch namhafte Ausländer wechseln nach Niedersachsen.

Auch die Judo-Welt ändert sich

„Sie gehen dem Geld hinterher“, sagt Tekic, betont aber zugleich: „Ich kann das akzeptieren. Judo ist ein Ehrensport, aber die Welt hat sich geändert. Warum soll man nicht auch mit einer Randsportart ein bisschen Geld verdienen?“ Wandtke und der Ex-Abensberger Breitbarth stammen aus Hannover. Für Meistermacher Tekic heißt der neue Bundesliga-Favorit – Abensberg. „Die haben stabile Sponsoren.“

„Mit einem einzigen großen Sponsor klappt es auf Dauer nicht.“

Martin Oberndorfer

Für TSV-Abteilungsleiter Oberndorfer ist dieser Satz eine Bestätigung. „Wir haben immer gesagt, dass dieses Engagement eines großen Geldgebers nicht gut geht – das klappt im Judo genauso wenig wie im Fußball. Zieht der Sponsor den Stecker, ist die Luft raus. Tekic sieht für Hamburg aber nicht schwarz. „Wir haben Eigengewächse. Sie tragen die Liebe zu unserem Verein. Wir wollen wieder den Titel.“

Abensberg, Hannover, Hamburg: Eine neue Dreier-Konstellation könnte die Judo-Bundesliga 2019 prägen. Spannend wird auch sein, wer das „Final Four“ ausrichtet. „In eigener Halle die Rückkehr zum Titel zu feiern, wäre schön“, sagt TSV-Coach Radu Ivan.

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