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Judo

Raffaela Igl kehrt mit EM-Bronze heim

Im Einzel klappt es für Abensbergs Judoka nicht, aber im Team jubelt die 18-Jährige. TSV-Kollege steht mit auf dem Podest.
Von Martin Rutrecht

Raffaela Igl (hier mit U21-Damen-Trainer Lorenz Trautmann) war nach zwei Kampftagen glücklich, aber auch alle. Foto: EJU Anna Zelonija
Raffaela Igl (hier mit U21-Damen-Trainer Lorenz Trautmann) war nach zwei Kampftagen glücklich, aber auch alle. Foto: EJU Anna Zelonija

Abensberg.Der erste Weg führte ins Bett. Als Raffaela Igl am Montag die Rückreise aus Vantaa bei Helsinki hinter sich hatte, übermannte die 18-Jährige vom TSV Abensberg endgültig die Müdigkeit. Zwei Tage in Folge stand sie bei der U21-Europameisterschaft in Finnland auf der Matte: Zunächst erreichte sie am Samstag im Einzel bis 78 kg einen fünften Platz, am Sonntag erkämpfte sie sich mit Deutschlands Mixed-Team EM-Bronze. „Eine Medaille bei meiner ersten U21-EM kann sich sehen lassen“, so die 18-Jährige.

Die Jugend-Olympiasiegerin des Vorjahres verblüffte auch im hohen Norden mit ihren Auftritten. In der ersten Runde fertigte sie die Österreicherin Marlene Hunger nach nur 1:46 Minuten ab. Mit der Niederländerin Rene van Harselaar wartete nun die Nummer vier der U21-Damenwelt, die heuer schon drei European-Cup-Turniere gewann. Erst in der Verlängerung fiel nach knapp sieben Minuten die Entscheidung. Die Niederländerin würgte Igl ab. „Ich war schon ein wenig verärgert, weil der Kampf auch zu meinen Gunsten hätte enden können“, so die deutsche Nationalkader-Athletin.

Nur den Weltbesten unterlegen

In der Trostrunde zündete Igl wieder den Turbo. Die Russin Viktoria Sokolova hielt nur eineinhalb Minuten stand – die Rottenburgerin hatte das kleine Finale erreicht. Die Russin Daria Kariakina war für sie keine Unbekannte, gegen sie hatte die TSV-Judoka im Vorjahr im Halbfinale der U18-EM verloren. Auch in Vantaa ging die Weltranglisten-Fünfte in Front. Igl versuchte mit hohem Energieaufwand diesen Rückstand aufzuholen. Doch die Uhr tickte runter, ohne dass die Deutsche eine Wertung schaffte.

Zu welchen Energieleistungen sie fähig ist, bewies Raffaela Igl schon im Vorjahr, als sie in der U18 EM-Bronze holte:

„Im ersten Moment war ich enttäuscht. Es hätte eine Medaille werden können.“ Zum Lamentieren blieb wenig Zeit, da am nächsten Tag der Team-Wettbewerb aufgerufen war. Maximal sechs Einzelduelle (drei Männer, drei Damen) werden pro Ländervergleich bestritten. Beim 4:0 gegen Finnland war Igls Einsatz nicht erforderlich. Gegen Portugal schon – ausgerechnet gegen die Nummer eins der Welt und Europameisterin des Vortages, Patricia Sampaio. Erneut hielt Igl bis ins „Golden Score“ mit, flog dort aber nach nur zehn Sekunden ab. Das DJB-Team gewann in Summe dennoch mit 4:2.

Lohn für Raffaela (in weiß) ist die WM-Nominierung durch den Deutschen Judobund. Foto: Alfons Igl
Lohn für Raffaela (in weiß) ist die WM-Nominierung durch den Deutschen Judobund. Foto: Alfons Igl

Im Halbfinale gegen Russland übernahm Igls DJB-Kollegin Samir Bouizgarne die höhere Gewichtsklasse. Gegen den späteren Europameister verlor Deutschland mit 2:4. Im kleinen Finale gegen Frankreich hatten es ihre Mitstreiter so eilig, dass die Rottenburgerin nach 4:0-Führung nicht mehr eingreifen musste – das Bronze-Duell war gewonnen. „Das Tollste ist: Ich bin für die WM in Marokko nominiert.“

In einem Monat bei der WM

Igls TSV-Trainer Radu Ivan ordnete den Auftritt in Finnland als „reife Vorstellung“ ein. „Sie versteht, was sie gut und was sie falsch gemacht hat.“ Dass sein Schützling nur knapp gegen Damen aus der Weltspitze verlor, zeige das Potenzial. „Ein fünfter Platz bei ihrer ersten EM ist ein gelungener Einstand.“ Gespannt blickt Ivan auf die WM in einem Monat. „Da ist das Feld größer und die Konkurrenz noch mal stärker. Bei einem guten Los kann Raffaela aber auch weit kommen.“

Bundesliga-Spitzenkampf in Abensberg

  • Gipfel:

    Am Samstag wird die Vorrunde zur Judo-Bundesliga fortgesetzt. Der TSV Abensberg erwartet den aktuellen Süd-Spitzenreiter KSV Esslingen. Um 17 Uhr beginnt das Duell in der Josef-Stanglmeier-Halle.

  • Verfolger:

    Abensberg findet sich in der ungewohnten Rolle des Jägers. Esslingen hat – bei einem Kampf mehr – drei Punkte Vorsprung. Eine Niederlage könnte die Endrunden-Teilnahme des TSV gefährden.

Im Vorfeld so gar nicht auf dem Zettel stand Johann Lenz (81 kg), der für den TSV Abensberg in der Bundesliga antritt. Der Bayer stieß nach dem Rückzug des TSV Großhadern zum Rekordmeister. In Vantaa bekam er seine Chance im Mannschaftswettbewerb. Im Auftaktduell gegen Finnland siegte Lenz mit einer Festhalte, einen Punkt steuerte er auch gegen Portugal bei.

Besonders stark präsentierte er sich im Halbfinale gegen Russland, wo er dem U21-Weltranglisten-Dritten Mirzo Shukoriev das Leben schwer machte. Nach frühem Rückstand drückte er seinen Widersacher sogar auf die Schultern, aber das Kampfgericht entschied gegen eine Wertung. Im kleinen Finale gegen Frankreich war er nicht gefordert, durfte aber die Bronzemedaille ebenfalls stolz tragen. „Er wird auch eine Nominierung für die WM in Marokko erhalten“, sagt Radu Ivan.

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