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Judo

Raffaela Igl zündet die nächste Stufe

Schon im ersten U21-Jahr löst Abensberger Mädel das EM-Ticket. „Olympia wird vielleicht ein Thema.“ Youngster darf zu U18-WM.
Von Martin Rutrecht

Gold bei der Jugend-Olympiade 2018 in Argentinien war der größtmögliche U18-Erfolg. Auch in der U21 steht Raffaela Igl schon im Elitefeld. Foto: DOSB
Gold bei der Jugend-Olympiade 2018 in Argentinien war der größtmögliche U18-Erfolg. Auch in der U21 steht Raffaela Igl schon im Elitefeld. Foto: DOSB

Abensberg.Raffaela Igl gibt sich für eine 18-Jährige unaufgeregt. Aber eines verblüfft sie doch: „Dass ich so schnell den Anschluss schaffe, hätte ich nicht erwartet.“ Die Judo-Athletin des TSV Abensberg rückte erst heuer in die U21-Altersklasse auf. Und wird im September im finnischen Vantaa bereits zu einer Europameisterschaft antreten. Die Karriereschritte der Jugend-Olympiasiegerin sind imponierend.

Anfang des Jahres wurde die Rottenburgerin 18 Jahre jung. Neben dem Führerschein („Ist schon eine Erleichterung, wenn man selbst fahren kann“) stand damit der Sprung in die U21 an. Ein halbes Jahr mischt Igl nun auf der Vorstufe zu den Frauen mit – und stand bisher bei sämtlichen Turniereinsätzen auf dem Podest. „Deswegen kam die EM-Nominierung für mich nicht überraschend“, sagt sie.

Sechsmal Training in der Woche

In engem Kontakt mit den Bundestrainern wusste sie um die Bewertung ihrer Erfolge. Sie gewann den European-Cup in Paks (Ungarn), wurde Zweite bei diesem Turnierformat in Leibnitz und Dritte zuletzt in Berlin. Der erste Rang beim Thüringen-Cup in Bad Blankenburg und der deutsche Vizemeister-Titel zählten auch zu ihren Meriten. „Der Übergang von der U18 in die U21 ist nicht so schwierig, habe ich gemerkt. Eine 18- und eine 19-Jährige unterscheiden sie nicht so sehr.“

Raffaela Igl (in blau) traut sich bei der U21-EM auch eine Medaille zu. Foto: DOSB
Raffaela Igl (in blau) traut sich bei der U21-EM auch eine Medaille zu. Foto: DOSB

Zugeflogen sind ihr die Verdienste freilich nicht. Hauptsächlich am Olympia-Stützpunkt in München trainiert die Laabertalerin – sechsmal in der Woche. „In Abensberg hat es aufgrund fehlender Sparringspartner wenig Sinn“, erklärt sie. Für Ratschläge wendet sie sich aber immer wieder an TSV-Chefcoach Radu Ivan. Igls Leistungen ließen auch nicht nach, als sie im Abi-Stress steckte. „Das hat mich etwas gewundert, weil ich tatsächlich weniger gemacht habe.“

„Ich schreibe mich an der Uni mal in Spanisch ein.“

Raffaela Igl

Nach dem absolvierten Abitur steckt die 18-Jährige in einer „Orientierungsphase“, wie sie selbst sagt. „Ich werde mich an der Uni München für Spanisch einschreiben, aber nur, um die Sprache etwas zu lernen. Ich will das Fach nur ein Jahr studieren.“ Danach hoffe sie eine Berufsperspektive zu finden. Breiten Raum wird für die deutsche Nachwuchskader-Athletin der Judosport einnehmen. „Ich habe nach wie vor großen Spaß daran. Sonst würde ich es ja nicht machen.“

Hier sehen Sie unseren Reporter im Judo-Selbsttest:

Mitgemacht

Ein Griff – und es hat „Wums“ gemacht

Die Youngsters Kevin Abeltshauser und Michael Weber zeigen MZ-Reporter die Grenzen auf – Lehrstunde im Judo-Mekka Abensberg.

Bald eine WG mit zwei Judo-Jungs

Ab September hat sie in München eine Wohnung, in einer WG mit zwei Judo-Jungs. „Ich verstehe mich gut mit ihnen, es sind vernünftige Burschen“, lacht Igl und setzt hinterher: „Beide können kochen, das habe ich schon ausgetestet.“ Einer der jungen Herren, Johann Lenz, kämpft für Abensberg in der Bundesliga.

Kevin Abeltshauser (in blau) darf sich bei der U18-WM präsentieren. Foto: Kahler
Kevin Abeltshauser (in blau) darf sich bei der U18-WM präsentieren. Foto: Kahler

In der laufenden Woche trainiert Raffaela Igl mit Deutschlands WM-Frauen in Kienbaum. „Wir sind die Sparringspartnerinnen und können natürlich von den besten Judoka der Nation lernen.“ Sie selbst gehört mit Christina Faber und der derzeit verletzten Lea Schmid zu den Top Drei in der 78 kg-Klasse der U21. „Der Schritt zu den Frauen ist schon noch groß.“

„Ich bin dankbar, dass ich noch eine Chance bekomme.“

Kevin Abeltshauser

Deshalb lässt sich die Rottenburgerin auch nicht auf Zukunftsspekulationen ein. Aber eines hält sie fest: „Olympia könnte vielleicht realistisch werden.“ Tokio 2020 käme dabei nicht in Frage, sondern Paris in vier Jahren. Als Jugend-Olympiasiegerin des Vorjahres in Argentinien und Nummer eins der Welt in der U18 hat Igl in der Jugend schon die höchste Stufe erreicht. Ihre Ansprüche für die U21-EM sind klar: „Eine Platzierung in den Top Sieben sollte in jedem Fall drin sein, auch eine Medaille ist möglich.“

Bundestrainer ruft unverhofft an

Edelmetall bei der U18-WM Ende September in Kasachstan wäre für den TSV-Youngster Kevin Abeltshauser schlicht eine Sensation. Nach seinem Erstrunden-Aus bei den Europäischen Jugend-Games in Baku hatte der 17-Jährige nicht mit seiner Nominierung gerechnet – und wurde vom Anruf des Bundestrainers überrascht.

Marko Spittka in Österreich entlassen

  • Trennung:

    Marko Spittka, Judo-Olympiadritter von 1996 und ehemaliger Vorzeigekämpfer des TSV Abensberg, musste in Österreich sein Amt als Trainer der Damen-Nationalmannschaft abgeben.

  • Gründe:

    Der österreichische Judo-Verband sprach von „Unstimmigkeiten“. Spittka (48), der in Abensberg lebt, arbeitet seit zwölf Jahren im Nachbarland. Wohin es ihn nun zieht, will er reiflich überlegen.

„Ich bin dankbar, dass ich noch eine Chance bekomme“, sagt Abeltshauser. Für ihn sprachen die guten Saisonleistungen bis zum Youth-Festival. „Ich hoffe, ich kann bei der WM zeigen, was ich drauf habe.“ Die Titelkämpfe in Almaty beginnen am 25. September.

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