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Reform an der Fußballbasis?

Eine Idee des BFV-Niederbayern könnte den Jugendbereich auf Kreisebene radikal verändern. Das letzte Wort haben die Vereine.
von Benjamin Neumaier

Die A-Junioren in den Fußballkreisen Niederbayern West und Ost könnten künftig aus drei, nicht wie bisher aus zwei Jahrgängen bestehen. (hier JFG Laaber Kickers, blau, gegen FC Mainburg) Foto: Roloff
Die A-Junioren in den Fußballkreisen Niederbayern West und Ost könnten künftig aus drei, nicht wie bisher aus zwei Jahrgängen bestehen. (hier JFG Laaber Kickers, blau, gegen FC Mainburg) Foto: Roloff Foto: Alexander Roloff

Kelheim.A, B, C, D, E, F, G - das ist nicht nur der Anfang des Alphabets, sondern auch die Einteilung der Altersstufen im Jugend-Fußball. Geht es nach dem BFV Niederbayern, könnte die B-Jugend ab der Saison 2021/22 aus dieser Aufzählung rausfallen, die A-Jugend umstrukturiert werden. Greifen würde die Reform ab der Saison 2021/22 - auf Kreisebene. Vielen Vereinen im Landkreis Kelheim könnte das helfen, in Einzelfällen aber auch vor Probleme stellen.

„Viele Vereine beklagen Personalnot vor allem in ihren älteren Juniorenmannschaften“, sagt Rudolf Hamberger, BFV-Kreisvorsitzender Niederbayern West. „Viele A-Jugend-Mannschaften treten in der zweiten Saisonhälfte nicht an oder werden im Laufe der Saison vom Spielbetrieb abgemeldet. Ein Hauptgrund ist, dass viele A-Jugendspieler in den Herrenbereich abgezogen werden, sobald sie dort spielberechtigt sind. Wir wollen eine Organisationsstruktur schaffen, die den Spielbetrieb im älteren Nachwuchsbereich stabilisiert.“

Rudolf Hamberger (BFV-Kreisvorsitzender Niederbayern West), Karl Schlecht (BFV-Bezirksjugendleiter Niederbayern), Christian Bernkopf (BFV-Kreisvorsitzender Niederbayern Ost) (v. l.) Foto: Neumaier
Rudolf Hamberger (BFV-Kreisvorsitzender Niederbayern West), Karl Schlecht (BFV-Bezirksjugendleiter Niederbayern), Christian Bernkopf (BFV-Kreisvorsitzender Niederbayern Ost) (v. l.) Foto: Neumaier Foto: Benjamin Neumaier

Deshalb hat der BFV Niederbayern - unter Federführung von Christian Bernkopf, Kreisvorsitzender Niederbayern Ost - einen Reformvorschlag erarbeitet: Die B-Junioren werden ab der Saison 2021/22 (beinahe) ersatzlos gestrichen. Der U19-Jahrgang wird nicht mehr dem Jugend- sondern dem Herrenbereich zugeordnet. Stattdessen bilden künftig nicht mehr die Jahrgänge U19 und U18, sondern die Jahrgänge U18, U17 und U16 die A-Jugend. Die Strukturierung der übrigen Altersklassen bleibt unangetastet. „Zudem bieten wir für diejenigen Vereine, die unbedingt eine B-Jugend stellen wollen, die Möglichkeit einer U17-Kreisliga an“, sagt Bernkopf.

Problem: Aufstieg in Bezirksoberliga

Das Problem am neuen Konzept könnte die Schnittstelle zum Bezirk sein: Denn der Reformvorschlag beträfe nur die Kreisebene, sprich Jugendgruppe, Kreisklasse und Kreisliga. Ab der nächsthöheren Spielklasse, der Bezirksoberliga, gilt weiterhin die bisherige Einteilung nach Altersgruppen. Für Vereine, die mit ihren A- und B-Junioren zwischen BOL und Kreisliga pendeln, würde die Veränderung einen erheblichen, oftmals kurzfristigen Organisationsaufwand bedeuten. Beispiel: Ein Verein spielt nach der neuen Regelung in der A-Junioren Kreisliga - mit den Jahrgängen U18, U17 und U16. Die Mannschaft steigt auf. In der BOL greift aber die bisherige Regelung: Die Truppe darf mit den Jahrgängen U19 und U18 antreten.

Vorteil und Nachteil

Zum einen ein Vorteil, weil die älteren Spieler erhalten bleiben, zum anderen kann es aber ein Problem werden. Plötzlich bräuchte der Verein wohl wieder eine B-Jugend oder eine weitere A-Jugendmannschaft, weil er vier Jahrgänge in einer Jugendmannschaft unterbringen müsste. Die bisherigen drei Jahrgänge, die sich den Aufstieg erspielten und die Nachrücker aus der C-Jugend, die zur U16 werden. Diese jungen Fußballer sofort in die BOL-Truppe einzubinden, könnte schwierig werden. Zudem würde kein einziger Spieler automatisch in den Herrenbereich aufrücken.

Breite Masse würde wohl profitieren

Verein A müsste also klären, wer wo spielt, neue Trainer suchen, den Trainingsbetrieb bzw. Platzbelegung umstrukturieren etc. Noch komplizierter würde es übrigens, wenn der Verein eine U17-B-Jugend nach dem neuen Modell stellt und in die BOL aufsteigt. Dann hätte er U17 und U16 in der B-Jugend-BOL und nur noch die U18 für die A-Junioren. Die breite Masse der Vereine wird dieses Szenario nicht betreffen, doch zumindest die JFG Befreiungshalle Kelheim, die SG/TSV Abensberg und der TV Schierling pendeln regelmäßig zwischen BOL und Kreisliga.

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„Dass dieses Problem auftauchen kann, ist uns bewusst“, sagt Bernkopf, für den aber „die Vorteile der möglichen Reform klar überwiegen“. Allen voran sei dies die Zuordnung der U19 zu den Herren. „Das bewirkt, dass Rückzüge von A- und B-Junioren deutlich weniger werden dürften“, sagt Bernkopf und präzisiert: „Bisher wurden eineinhalb von zwei A-Jugend-Jahrgängen während der Saison volljährig und damit spielberechtigt bei den Herren. In der neuen Regelung würden nur 0,5 von drei Jahrgängen volljährig. Eine Risikoverringerung, dass Spieler zu den Herren hochgezogen werden, von 75 auf 16,7 Prozent.“

Vereine sollen mitarbeiten und entscheiden

Zudem wolle man die „Reform „nicht von oben herab beschließen, sondern die Vereine mitbestimmen lassen“, sagt Bernkopf. In einem ersten Schritt werden die Vereine schriftlich benachrichtigt und das Konzept bei Jugendtagungen Anfang März vorgestellt. Bis Mitte April soll es Workshops mit Vereinsverantwortlichen geben, das Konzept verfeinert werden. Danach wird das zusammen erarbeitete Konzept den Vereinen vor- und Anfang Mai online zur Abstimmung gestellt. „Alle Vereine Niederbayerns haben jeweils eine Stimme. Umgesetzt wird eine Reform nur ab einer Zwei-Drittel-Mehrheit. Wir brauchen eine breite Zustimmung, sonst macht es keinen Sinn“, sagt Bernkopf.

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Regelung der Schnittstellen

  • Die Idee:

    Das Reformkonzept entstand, „weil uns viele Vereinsverantwortliche immer wieder auf Personalprobleme in B- und A-Jugend angesprochen haben“, sagt Christian Bernkopf, Kreisvorsitzender Niederbayern Ost. Eine Neuregelung war aber bisher laut Statuten nicht möglich. Doch beim vergangenen DFB-Bundestag wurde den Verbänden eingeräumt, auf Kreisebene Veränderungen vorzunehmen.

  • Vergleichswerte:

    Vergleichswerte gibt es kaum. Nur der Fußballkreis Rhön Oberfranken hat ein ähnliches Model bereits umgesetzt.

  • BOL A-Jugend:

    Die beiden Kreisligameister der A-Junioren ermitteln mit ihren Jahrgängen U16, U17 und U18 den Kreismeister, der Aufstiegsrecht in die BOL hat. Bei Aufstiegsverzicht wird gemäß der Jugendordnung verfahren.

  • BOL B-Jugend:

    Die verbliebene U17-Kreisliga spielt den Kreismeister und somit Aufsteiger in die BOL aus. Der Absteiger aus der BOL würde in diese Kreisliga eingegliedert werden. Sollte ein Spielbetrieb der U17-Kreisliga kein Interesse bestehen, müsste wohl ein Qualifikationsturnier zur BOL stattfinden.

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