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Rekordmeister spürt starke Gegenwehr

Abensbergs Judoka setzen sich im Viertelfinal-Hinkampf zur Bundesliga mit 9:5 durch, müssen aber kräftig beißen. Andy Tölzer wird erneut gefeiert.
Von Martin Rutrecht, MZ

  • Der WM-Dritte Lukas Krpalek (weiß) sprang für einen erkrankten TSV-Kollegen ein. Binnen drei Tagen machte der Tscheche Gewicht und nahm fünf Kilogramm für seine Gewichtsklasse ab. Fotos dpa-Archiv
  • Nachwuchsmann David Krämer (l.) gewann nach nur 32 Sekunden. Foto: Archiv

abensberg. Als neutralem Beobachter konnte einem durchaus ein „Endlich!“ rausrutschen. Nach einer Bundesliga-Vorrunde mit Ergebnissen in der Höhe von 10:4 bis 12:2 hat sich „endlich“ ein Kontrahent wehrhaft gegen den deutschen Judo-Rekordmeister TSV Abensberg gestellt. Die SUA Witten-Annen verlor den Hinkampf zum Viertelfinale gegen die Babonen auf heimischer Matte nur mit 5:9 und gestaltete viele Einzel-Duelle knapp. Unter dem Strich bleibt vor dem „Rückspiel“ am Samstag in Abensberg dennoch: Der 18-fache Deutsche Meister wird die Finalrunde erreichen.

Die Männer um Chefcoach Radu Ivan wollten diesmal ganz auf Ausländer verzichten. Einer stand dann aber doch auf der Matte: der tschechische WM-Dritte Lukas Krpalek. „Wir haben im Vorfeld niemanden angelogen. Am Donnerstagabend aber teilte mir Sven Maresch mit, dass er mit Fieber im Bett liegt. Dadurch waren wir bis 81 Kilogramm nur mit einer Kraft besetzt. Deshalb wollten wir uns in einer anderen Gewichtskategorie absichern. Und Lukas war als Kämpfer aus einem Nachbarland am schnellsten greifbar“, so Ivan. Eigentlich macht der Tscheche noch Pause, da er erst im August die WM in Rio bestritt. Nach dem Ruf der Abensberger setzte er aber sofort auf Gewichtsreduktion, um in seiner Klasse bis 100 kg antreten zu können. „Er hat in drei Tagen fünf Kilo abgenommen“, erzählt der Cheftrainer.

Viele Duelle mit Strafwertungen

Sein Einsatz sollte wichtig sein, denn schon im Auftaktduell musste er gegen den „Spielertrainer“ der Gastgeber, Benjamin Behrla, ran. Und dieser war nicht gewillt, dem WM-Dritten den Vortritt zu lassen. Bis in die letzte Kampfminute hinein beharkten sich die beiden Kontrahenten, ehe Krpalek mit einem Festhaltegriff durchkam und den ersten Punkt für Abensberg landete. Leichter tat sich in einer vollen Wittener Halle im Anschluss der Pförringer Sebastian Seidl (66 kg). Gegen Marcel Haupt, den er aus Trainingseinheiten kennt, landete der Team-WM-Dritte eine große Innensichel und siegte nach nicht einmal einer Minute.

Es schien nach einem Spaziergang der Babonen auszusehen. Da setzte Witten-Annen die erste Duftmarke. Der Niederländer Robby van Laarhoven (90 kg) zog dem TSV-Recken Florian Germroth den Zahn. Der Abensberger begann gut, kam über einen Festhaltegriff zu einer kleinen Wertung, war aber danach außer Puste, was der Holländer zu nutzen wusste. Olympionike Christopher Völk (73 kg) brachte die Gäste durch einen Erfolg über Christoph Najdecki wieder in die Spur. Der Regensburger brauchte aber volle fünf Minuten dafür. „Chris kämpft überaus vorsichtig, als hätte er noch fünf weitere Gegner vor sich. Mit etwas mehr Aggressivität würde er es sich selbst leichter machen“, merkte Radu Ivan an.

Jetzt war der Süd-Meister gegen den Vierten aus der Bundesliga-Nord-Staffel am Drücker. Fabian Seidlmeier (81 kg) ließ Henrik Lauer, als Junior ein Nationalkader-Mitglied, in zwei Strafen wegen Passivität laufen, was dem Mann aus St. Johann bei Train den entscheidenden Vorteil verschaffte. Philip Graf (60 kg) hatte mit dem niederländischen EM-Dritten Jeroen Mooren eine starke Nummer vor sich. Wie im Duell zuvor entschieden Strafen – jetzt zugunsten der Hausherren.

Youngster siegt nach 32 Sekunden

Bei 4:2 betrat im letzten Kampf vor der Pause der Olympia-Dritte Andreas Tölzer die Matte. Zwei Minuten lang feierten die rund 300 Zuschauer das Schwergewichts-Idol, das seine Karriere mit Bundesliga und Europacup ausklingen lässt. André Breitbarth bekam die Stärke des 33-jährigen Doppel-Vizeweltmeisters nach gut einer Minute mit einer Niederlage zu spüren. Mit dem 5:2-Pausenstand war Abensberg schon auf der sicheren Seite, denn den einen oder anderen Kampf würde der TSV sicher noch gewinnen.

Es waren dann deren vier: Dominik Gerzer (100 kg) zwang Lutz Behrla über Strafen in die Knie, Robert Dumke (90 kg) überwand den Niederländer van Laarhoven ebenfalls über Shido-Wertungen, Philip Graf gewann gegen den U 20-Kämpfer Felix Edling über eine Selbstfalltechnik. Alle drei Vergleiche benötigen allerdings die vollen fünf Minuten. „Bei den Passivitätsstrafen kann das Pendel auch in die andere Richtung ausschlagen. Deshalb waren es enge Kämpfe“, urteilte der 44-jährige TSV-Chefcoach.

Nur 32 Sekunden benötigte dagegen Nachwuchsmann David Krämer (73 kg). Er knackte seinen Gegner Jan Herwig Hapke, der einige Bundesliga-Auftritte mehr zählt, mit einem schnellen Angriff. „Er hat sich etwas getraut“, lobte Ivan und schmunzelte: „Man braucht nicht immer 90 Minuten wie im Fußball.“

Krpalek am Ende seiner Kräfte

Witten-Annen durfte noch drei Zähler einstreifen. Gerhard Zeitler (66 kg) unterlag Mooren nach Strafpunkten, Seidlmeier verlor gegen Stefan Oldenburg kurz vor Schluss und der entkräftete Krpalek („Er musste sich nach dem ersten Kampf übergeben“) vertrat Tölzer im Schwergewicht bis zur Schlusssirene gut, hatte aber gegen Breitenbarth eine mittlere Wertung gegen sich stehen.

„Witten-Annen hat ein starkes Team aufgestellt und sich gut gewehrt. Auch nach Abensberg will man mit einem konkurrenzfähigen Aufgebot kommen“, so Radu Ivan. „Es wird also ein schönes Duell. Der Einzug ins Finalturnier gehört aber uns.“

Jubiläum: Am Samstag messen TSV Abensberg und SUA Witten-Annen erneut ihre Kräfte. Der Rückkampf steht an. Um 16 Uhr beginnt dieses Bundesliga-Viertelfinale. Eingebettet ist der Mattenvergleich in die 50-Jahr-Feier der Judo-Abteilung im TSV. Deshalb ist auch der Eintritt zum Duell frei.

Aufgebot: Die Abensberger wollen wegen des besonderen Termins sämtliche Legionäre in ihrem Kader einladen. Vier von ihnen werden über die Waage gehen, das heißt, sie sollen auch im Team stehen. Die übrigen Ausländer reisen hauptsächlich für die Festivitäten an. Auch eine Reihe früherer Stars der TSV-Judoka haben ihr Kommen zugesagt.

Programm: Der Tag der offenen Tür in der Josef-Stanglmeier-Halle beginnt um 12 Uhr. Um 12.30 Uhr betritt Donikkl die Bühne (ebenfalls freier Eintritt). Eine Stunde später legt er eine Pause ein, in der die Nachwuchsjudoka ihre Künste vorführen. Um 14.45 Uhr ist wieder der Kinderbarde dran. Eine halbe Stunde vor dem Bundesliga-Kampf werden die Altstars in der Halle begrüßt.

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