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Judo

Sebastian Seidls Hassliebe zu Paris

Abensberger sieht sich nach Bronze bei Grand Slam „unter den Großen im Judo“. Im Ski-Freestyle ist er auch fast olympiareif.
Von Martin Rutrecht

„Ein Wahnsinn! Ich bin überglücklich.“ Sebastian Seidl schrie nach Rang drei beim Grand Slam in Paris die ganze Freude raus. Foto: Bernd Thissen/dpa
„Ein Wahnsinn! Ich bin überglücklich.“ Sebastian Seidl schrie nach Rang drei beim Grand Slam in Paris die ganze Freude raus. Foto: Bernd Thissen/dpa

Abensberg.Sein erster Kommentar auf Facebook sagt alles: „Wie geil ist das denn?!“ Sebastian Seidl, 27-jähriger Judoka des TSV Abensberg, hat sich beim Grand Slam in Frankreich mit dem dritten Rang bis 66 kg mitten in der Weltelite platziert. „Unser Bundestrainer hat gesagt: ,Wer in Paris eine Medaille holt, zählt zu den Großen.‘ Da will ich ihm mal nicht widersprechen…“, frohlockte ein überglücklicher Seidl am MZ-Telefon in der französischen Hauptstadt.

„Für mich steht der Erfolg in einer Reihe mit Rang drei bei den Europaspielen.“

Sebastian Seidl

Der Sportpolizist aus Pförring reiht die Bronzemedaille „unter die Top Drei meiner bisher größten Erfolge“ ein. „Für mich ist das gleichbedeutend mit dem dritten Rang bei den Europaspielen in Baku oder Platz sieben bei der WM 2015“, so der Abensberger Judoka. Angesichts der notgedrungenen Verletzungspausen im Vorjahr und des hart erarbeiteten Comebacks sei dieser Grand-Slam-Podestplatz fast noch einen Tick höher einzuordnen. „Ich habe sehr viel dafür getan, wieder zurück zu kommen. Das Resultat in Paris ist eine Bestätigung für die harte Arbeit.“

Seidl bezwang auf seinem Weg zu Bronze internationale Topleute, so in der Vorrunde den Israeli Baruch Shmailov, die Nummer sechs der Weltrangliste. Den Einzug ins Halbfinale vermieste ihm der spätere Turniersieger Baul An aus Südkorea – Olympiazweiter und Weltmeister. „Gegen ihn habe ich jetzt zum dritten Mal verloren. Da rede ich auch nicht drumherum: Seine Klasse erreiche ich noch nicht. Ich habe das Gefühl, je besser ich werde, umso stärker wird auch er.“

Nach Blessur drohte das Aus

In der Hoffnungsrunde räumte der 27-Jährige anschließend den Portugiesen Joao Crisostomo und im kleinen Finale den Franzosen Kilian Le Blouch von der Matte. Gegen den Lokalmatador musste er wie im Auftaktkampf gegen einen Ukrainer in die Verlängerung („Golden Score“). „Ich bin schon immer über meine Kondition gekommen. Diesmal verspürte ich noch mehr Power und konnte eins drauf setzen, während die Gegner schon pumpten. Ich tue auch viel dafür.“

Passend zu den Olympischen Winterspielen bewirbt sich Seidl auch in einer anderen Profession:

Zu seinem Glück musste Sebi Seidl „erst gezwungen werden“, wie Nationalkader-Kollege Igor Wandtke (Fünfter bis 73 kg) anmerkte. Der Pförringer zog sich bei der Niederlage gegen An eine leichte Verletzung am linken Schlüsselbein zu. „Ich hatte schon überlegt, auf die Trostrunde zu verzichten, aber Bundestrainer und Arzt haben mich behandelt und bearbeitet und auch Igor sagte: Versuch’s“, schildert das TSV-Aushängeschild. In den nächsten Tagen will Seidl kürzer treten. „Ich möchte nichts riskieren. Eine weitere Verletzung brauche ich nicht.“

Sebastian Seidl (oben) will in zwei Wochen beim Grand Slam in Düsseldorf nachlegen. Foto: Jonas Güttler/dpa
Sebastian Seidl (oben) will in zwei Wochen beim Grand Slam in Düsseldorf nachlegen. Foto: Jonas Güttler/dpa

Der dritte Rang in Paris versöhnt Seidl auch mit dem Turnier an der Seine. „Ich mochte den Grand Slam hier bisher nicht besonders – jetzt liebe ich ihn! In Paris vor rund 20 000 Zuschauern auf dem Podest zu stehen, ist brutal“, sagt der Athlet. Ein Freund der französischen Metropole werde er deshalb aber nicht. „Es ist komisch: Schon vom Flughafen weg fühle ich mich in Paris nicht richtig wohl. Aber ich bin nicht als Tourist hierher gereist, sondern als Kämpfer.“

Glückwünsche erfuhr Seidl umgehend auch von Vereinskamerad Manuel Scheibel, der in seiner Gewichtsklasse der interne Konkurrent um einen Olympia-Platz für 2020 ist. „Ich sehe da keine Rivalität. Wenn es einer von uns beiden nach Tokio schafft, haben wir alles richtig gemacht.“ Er antwortete Scheibel denn auch gleich: „Das nächste Mal bist du dran.“

Feier mit zwei Bier vom Kiosk

In zwei Wochen will Seidl in Düsseldorf nachlegen – auch dieses Heim-Turnier zählt nun als „Grand Slam“ zur weltweiten Topkategorie. „Die Leistung von Paris zu bestätigen, wäre riesig. Das Selbstvertrauen wächst natürlich.“ Gefeiert hat der 27-Jährige übrigens bescheiden: „Ich habe mir mit Igor Wandtke zwei Bier am Kiosk gekauft und dann haben wir im Hotelzimmer Fernsehen geguckt.“

Starke Auftritte

  • TSV-Legionär Beka Gviniashvili

    sicherte sich in der Klasse bis 90 kg den zweiten Platz. Der Georgier aus dem Bundesliga-Aufgebot der Babonen scheiterte erst im Finale am Japaner Shoichiro Mukai. Zuvor hatte er unter anderem den Deutschen Eduard Trippel besiegt, der über die Trostrunde Dritter wurde.

  • Olympiasieger Lukas Krpalek

    kommt im Schwergewicht immer besser zurecht. Der Gold-Champion von Rio 2016 bis 100 kg stieß ins Halbfinale vor, wo er einem Koreaner unterlag. Gegen den arrivierten Niederländer Roy Meyer holte sich der Tscheche im Abensberger Kader im kleinen Finale Bronze.

Unerwartete Akrobatik zeigt Sebi Seidl übrigens beim Ski-Freestyle. In einem Video auf seiner Facebook-Seite schlägt er einen Salto. „Wenn bei den Olympischen Spielen noch wer gebraucht wird – ich bin bereit.“

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