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Judo

Sebi Seidl tritt mit neuen Waffen an

Abensbergs Judo-Ass lernt im Dienst neue Polizei-Pistole kennen und hat für Paris ein entwaffnendes Konzept: cool bleiben.
Von Martin Rutrecht

Sebastian Seidl geht konzentriert ins erste große Turnier des Jahres. Paris ist ein weiterer Schritt in der Olympia-Quali für Tokio. Foto: Lukas Schulze/dpa
Sebastian Seidl geht konzentriert ins erste große Turnier des Jahres. Paris ist ein weiterer Schritt in der Olympia-Quali für Tokio. Foto: Lukas Schulze/dpa

Abensberg.Eine Tasse Kaffee und eine Semmel („schon mit Aufstrich“) – mehr ist nach der kräfteraubenden Vormittagseinheit für Judoka Sebastian Seidl nicht drin. Das Aushängeschild des TSV Abensberg steckt vor dem Grand Slam in Paris in der „Diät“-Phase. „Vier Kilo müssen runter“, sagt der Pförringer, der bis zum Wiegen unter das 66 kg-Gewichtslimit kommen muss. „Normale Härte“ ist das für ihn und er nimmt sie gerne auf sich, denn in Paris kämpfte er sich vor Jahresfrist auf den starken dritten Platz.

„Die Schmerzen im Halswirbel sind endlich auskuriert.“

Sebastian Seidl

Verbunden mit diesem Topresultat ist für den 28-Jährigen in der Erinnerung auch eine Verletzung. Nach dem Turnier in der französischen Hauptstadt musste der Abensberger Athlet einige Wochen pausieren. Auch aktuell hat er mit einer Blessur zu kämpfen. „Beim Grand Prix in Den Haag vor knapp drei Monaten habe ich mir am Kopf wehgetan“, erzählt Seidl, der in den Niederlanden Dritter wurde. Die Schmerzen strahlten bis in die Halswirbelsäule aus. „In den ersten Wochen tat es extrem weh. Ich war bei Physiotherapeuten und zweimal bei einem Spezialisten in Berlin.“

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Nach vielen Anwendungen sind die Schmerzen abgeklungen. Um nichts zu riskieren, verzichtete der Nationalkader-Recke auf die deutschen Meisterschaften im Januar. „Mit den großen Turnieren in Paris und Düsseldorf, einem Grand Prix in Marokko und einem Trainingslager in Asien stehen jetzt wichtige Höhepunkte an. Die wollte ich nicht aufs Spiel setzen“, erklärt der Olympia-Starter von Rio 2016.

Mit Heckler & Koch am Stand

Die Zeit konnte der Judoka aus der Sportfördergruppe der bayerischen Polizei auch für Präsenztage bei seinem Dienstgeber nutzen. „Ich habe unter anderem die neue Dienstwaffe ausprobiert“, berichtet Seidl. Rund 33 000 Polizisten in Bayern werden seit vergangenem Jahr sukzessive auf ein neues Modell, die SFP9-TR von Heckler & Koch, umgeschult. Das Vorgängermodell tat seit 1979 seinen Dienst. „Ich bin begeistert von der neuen Pistole, sie ist handlicher und sicherer“, sagt der Polizeiobermeister. Die Umstellung auf die neue Waffe kostet 30 Millionen Euro.

Seinen größten Erfolg feierte Seidl bisher 2015 als Dritter der Europaspiele in Baku. Hier das emotionale Interview nach dem Bronze-Gewinn:

Gewappnet will Seidl auch für das „harte Pflaster“ Paris sein. „Es ist das erste Stelldichein der Weltelite in diesem Jahr.“ Das Spitzenduo der Weltrangliste in der 66 kg-Klasse hat sich ebenso angesagt wie weitere vier Konkurrenten aus den Top Ten. Seidl hält aktuell Platz 29 im Worldranking und scheint als Nummer 15 bei diesem Grand Slam auf.

Mit Manuel Scheibel im Tokio-Rennen

Auch der Biburger Manuel Scheibel hat vom deutschen Verband ein Startticket in dieser Kategorie erhalten. „Wir trainieren oft zusammen und pushen uns gegenseitig“, erklärt Seidl. Beide TSV-Judoka peilen die Olympischen Spiele 2020 in Tokio an – nur einer darf letztlich nominiert werden. „Wir sehen uns nicht als Gegner. Wenn es einer von uns beiden nach Tokio schafft, ist das Ziel erreicht“, so der Pförringer, der derzeit in der Weltrangliste vor Scheibel (Nr. 50) steht.

Wie hier für Rio 2016 würde sich Seidl auch 2020 gerne für Olympia in Tokio einkleiden. Foto: Seidl
Wie hier für Rio 2016 würde sich Seidl auch 2020 gerne für Olympia in Tokio einkleiden. Foto: Seidl

Die ganzen Rankinglisten will „Sebi“ Seidl vorerst aus seinem Kopf streichen. „Das hat mich der Olympiazyklus für Rio gelehrt: Es bringt nichts, dauernd auf Punkte zu schielen. Ich weiß durch die Erfahrung, was auf mich zukommt, und schaue von Turnier zu Turnier.“ Insgesamt fühle er sich „entspannter und relaxter“ im Hinblick auf seine zweite Olympia-Quali. Auf auch Paris gehe er ohne Druck zu. „Ein dritter Rang wie im Vorjahr wäre natürlich ein Hammer, aber realistischer scheint mir ein Platz unter den Top Sieben.“

Paris – keine Stadt der Liebe

Das Babonen-Duo Seidl/Scheibel wird in Frankreich ergänzt vom Neu-Abensberger Johannes Frey (Schwergewicht), der mit einigen Kollegen vom Bundesliga-Aussteiger TSV Großhadern zum Rekordmeister kommt. „Mich freut’s total, dass die Jungs zu uns gestoßen sind. Wir kennen uns aus dem Training in München. Manu und ich haben bei den Kontakten ein wenig mitangeschoben“, so Seidl.

Die Bundesliga-Saison naht

  • Start:

    Die Judo-Bundesliga-Saison beginnt im März und hält gleich zwei Kampftage (16. und 30. März) parat. In der Staffel Süd mit Abensberg scheint der VfL Sindelfingen als Neuling auf. TSV Großhadern ist nicht mehr dabei.

  • Einsatz:

    Sebastian Seidl hat sich die insgesamt neun Vorrundentermine bereits angeguckt. „Bis auf einen Kampftag werde ich immer dabei sein. Ich freue mich schon.“ Das „Final Four“ um den Titel steigt heuer am 19. Oktober.

Bleibt noch die Hassliebe des Pförringers zu Paris: „Halle spitze, Publikum toll – aber an diese Stadt kann ich mich einfach nicht gewöhnen, und ans Essen auch nicht.“ Vielleicht geht ein Baguette statt einer Semmel.

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