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Fussball

Sie nennen ihn Toni Polster oder Dante

Andreas Blattner kickte in der A-Klasse – und spielt mit 35 Jahren in der Landesliga. Im Job arbeitet er am sprechenden Auto.
Von Martin Rutrecht

Aiglsbachs Verteidiger Andreas Blattner hat auch mit 35 Jahren noch viel Spaß am Fußball. „Warum sollte ich aufhören?“ Foto: Rimmelspacher
Aiglsbachs Verteidiger Andreas Blattner hat auch mit 35 Jahren noch viel Spaß am Fußball. „Warum sollte ich aufhören?“ Foto: Rimmelspacher

Sandelzhausen.Einen Urlaub in Portugal mit seiner Freundin streut er zwischen den Spielen ein. Andreas Blattner versäumt kaum eine Partie und auch kein Training beim TV Aiglsbach. Der 35-Jährige brennt auch nach drei Jahrzehnten am Ball fürs Kicken. „So lange mir die Jungen nicht davon rennen, mache ich weiter“, sagt der Innenverteidiger, der sich von der untersten Klasse in die Landesliga katapultierte.

„Früher war der Wuschelkopf noch ausgeprägter.“

Andreas Blattner

Genau genommen müsste man ihn mit Dr. Andreas Blattner ansprechen. Der Sandelzhausener studierte und promovierte im Maschinenbau an der TU München. Seitdem arbeitet er als Entwicklungsingenieur bei Audi. „Mit Titeln hab’ ich es nicht so. Mir gehören eher Spitznamen wie Toni Polster oder Dante“, lächelt der Defensivkicker mit 1,90 Metern Größe – und dem charakteristischen Wuschelkopf. „Früher war der noch ausgeprägter, deshalb auch die Vergleiche mit Polster und Dante.“

Er hält unverbrüchlich sein Wort

Mit sechs Jahren begann er beim TSV Sandelzhausen. „In den ersten drei Jahren war ich Torwart, aber irgendwann wurde es mir zu langweilig“, erzählt Blattner. Er muss „den Ball am Fuß spüren“. Das gilt bis heute. „Man kann sagen, ich bin fußballverrückt.“ Bis zur U15 wurde er von seinem Vater trainiert. Über die Junioren hinaus blieb er beim TSV. „Es ist einfach schön mit Spezln zu kicken“, beschreibt er seine Treue zum Heimatverein.

Die jungen Wilden hat der Routinier (ganz rechts) immer noch im Griff. „Mit Stellungsspiel und Erfahrung kann man viel ausrichten.“ Foto: Roloff
Die jungen Wilden hat der Routinier (ganz rechts) immer noch im Griff. „Mit Stellungsspiel und Erfahrung kann man viel ausrichten.“ Foto: Roloff

Deshalb widerstand er lange dem Werben aus Aiglsbach. Bis ihn TV-Spieler Georg Gröber-Weiß, „einer meiner besten Freunden“, überzeugte. „Ich wollte es probieren, auch wenn Aiglsbach damals nur eine Liga über uns war.“ Unvergessen bleibt ihm der Spruch des damaligen TVA-Trainers Robert Stiegler nach drei Pleiten in den ersten drei Kreisliga-Spielen: „Blatti, es liegt nicht an dir.“

Was zum Wechsel in 2013 stotternd begann, wurde letztlich gut. In der Saison darauf holte sich Aiglsbach den Kreisliga-Titel. Das erste Bezirksliga-Jahr brachte Rang sechs –und Blattner ging. „Ich hatte Sandelzhausen versprochen, dass ich nach drei Jahren zurückkehre. Zu seinem Wort steht man. Vielleicht nimmt man das heute nicht mehr so genau“, so der Kicker, der aus der Bezirksliga in die A-Klasse ging.

Der TV Aiglsbach, wo Blattner kickt, machte SSV-Jahn-Sportchef Christian Keller mit einer Pokal-Sensation im August 2016 richtig sauer:

Pokal-Blamage: Jahn-Sportchef Keller ist richtig s

Aiglsbach setzte derweil seinen Höhenflug fort und stieg 2017 in die Landesliga auf. Trainer Peter Gaydarov erinnerte sich an den Sandelzhausener Spieler. „Ich weiß noch, wir gingen in Ingolstadt zum Essen. Damals war ich 33. Ich war nicht sicher, ob ich die Landesliga packen würde. Ich hatte nicht mehr beabsichtigt, höherklassig zu spielen. Aber der Reiz war groß“, erklärt Blattner, der zusagte.

Inlineskates hat er abgeschnallt

Der TVA hielt sich nur eine Saison, aber der Routinier fing Feuer. „Ich habe so viel gelernt und an Erfahrung gesammelt.“ Er blieb und dem Abstieg folgte der unmittelbare Wiederaufstieg im vergangenen Sommer. „Wir sind ein Team mit geilen Kickern und super Typen“, sagt der 35-Jährige, der auch im Spielerrat sitzt.

Von der Fitness her hätte er keine Probleme. „Natürlich fahre ich nicht mehr wie früher nach dem Spiel mit den Inlineskates in den Biergarten“, lächelt er. Für seine Ruhe und Gelassenheit auch in brenzligen Situation wird Blattner geschätzt. „Ich holze den Ball nicht weg, sondern suche immer eine spielerische Lösung.“

Sportliche und private Wünsche

  • Mannschaft:

    „Wir haben diese Saison sehr gute Chancen, die Landesliga zu halten“, sagt Blattner. In keinem Spiel bisher wäre man „gnadenlos unterlegen“ gewesen. Eine weitere Saison hat der 35-Jährige in jedem Fall auf dem Schirm. „Ich sehe keinen Grund, warum ich aufhören sollte.“

  • Familie:

    An Nachwuchs denkt der Sandelzhausener auch langsam. „Ich habe Nichten und Neffen, die mag ich total gerne. Ich mag Kinder überhaupt.“ Noch stünde nichts Konkretes an. „Das will ich nicht planen, das passiert. Wie im Fußball, da kam bei mir auch einiges unerwartet.“

Als Leader sieht er sich nicht. „Wir haben keinen Führungsspieler, wir machen das gemeinsam. Ich versuche die jungen Spieler zu lenken, wenn sie zu hitzig werden.“ Dieses Steuern findet sich auch in Blattners Beruf. Er ist in der Vorentwicklung von Sprach- und Hinweisassistenten für Autos beschäftigt. „In der Zukunft wird der Fahrer wie zu Hause über Alexa oder Siri alles lenken. Der Touchscreen bleibt aber ein wichtiges Element.“

Die natürliche Ansprache auf dem Platz sei durch nichts ersetzbar. „Mit Freunden zu kicken, das ist Fußball – egal ob A-Klasse oder Landesliga.“

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