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Kitesurfen

Susannes frei Zeit bestimmt der Wind

Die ungewöhnliche Geschichte der Kitesurferin Susanne Schwarztrauber: Die Bad Abbacherin wird auf Sylt im World Cup Dritte.
Von Claus-Dieter Wotruba

Susanne Schwarztrauber in Aktion: Beim World Cup auf Sylt lief es blendend. Foto: Foto: Agentur/GKA/Romantsova
Susanne Schwarztrauber in Aktion: Beim World Cup auf Sylt lief es blendend. Foto: Foto: Agentur/GKA/Romantsova

Sylt.Susanne Schwarztrauber hat seit einer Woche ein Dauerlächeln im Gesicht. Es braucht dieser Tage gar keinen Bildschirm, um die Stimmungslage der 30-Jährigen zu visualisieren: Die gute Laune ist zu hören und schwappt regelrecht aus dem Telefon. Die studierte Pharmazeutin, die aus Bad Abbach stammt, lebt nach dem Studium und einem gerade abgeschlossenen Projekt in Amsterdam („Wir haben versucht, einem Parasiten, der in Afrika wütet, das Leben schwer zu machen“) ihren seit einem Dutzend Jahren gehegten Lebenstraum.

Wenn nicht jetzt, wann dann, war der Hintergedanke – und so fuhr die Kitesurferin im Februar erstmals zum World Cup auf die Kapverden und reiste Ende vergangener Woche auch nach Sylt, wo seit Dienstag die zweite Station anstand. Die Tage liefen perfekt: „Ich bin überglücklich, der dritte Platz ist fantastisch. In meiner ersten Saison gleich beim Heimweltcup auf Sylt auf dem Treppchen zu stehen, damit ist ein Traum für mich in Erfüllung gegangen“, erklärte Schwarztrauber, die sich auf Anhieb unter den besten Kitesurferinnen der Welt etablierte.

Schwarztrauber hat sich selbst mit diesem Sport-Virus infiziert. Seit sie „so vor 13 Jahren“ am Gardasee das erste Mal mit dem Kitesurfen in Kontakt kam, „ist „alles, was mit Freizeit bei mir zu tun hat, dem Wind verfallen“. Sie hatte damals „alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das zu lernen. Damals war Kiten auch noch nicht so populär, sondern eher Windsurfen. Eine Gruppe verrückter Jungs aus Passau hat mich damals mitgenommen und mir das beigebracht.“ Schwarztrauber grübelt: „Ich weiß nicht, ob das Kitesurfen mich oder ich das Kitesurfen ausgesucht habe.“

Die Begeisterung mündete darin, dass ihr Sport schon die Endphase ihrer Schulzeit massiv mitbestimmte: Schwarztrauber ging an die Nordsee nach St. Peter-Ording („Ich habe mich in die raue Küste verliebt“) und machte dort statt zuhause ihr Abitur. Auch die Wahl des Studienorts war geprägt von ihrer Leidenschaft: Erstens wollte sie wieder näher an zuhause rücken, zweitens ihrem Hobby frönen: Wien erfüllte beides. „Da ist ja der Neusiedler See.“

Meistvermisst ist die Brezn

Deswegen reist sie auch immer noch mit einer österreichischen Handynummer. „Bad Abbach ist in meinem Herzen“, sagt Schwarztrauber, „aber das Meer halt auch. Wo ich künftig sein werde, da will ich mich noch nicht festlegen.“ In der Familie ist das Lieblingszitat eines Freundes längst zum geflügelten Wort geworden: „Mei, das Meer wäre so schön – wenn‘s halt in Bayern wäre.“ Und so vermisst Susanne Schwarztrauber auswärts „eine gscheite Brezn“ am allermeisten, versucht aber stets, Heimatliebe und Surfen in Einklang zu bringen. Vor allem siegte auch die Vernunft. „Ich brenne dafür, aber wenn die Knie kaputt sind, stehst du mit nichts da. Also wollte ich nie nur surfen. Denn sind wir mal ehrlich: Davon leben können vielleicht die ersten Drei bei den Männern – und mit Moona Whyte aus Hawaii vielleicht noch eine Frau, die nichts Anderes macht, seit sie neun ist.“

Sehen Sie hier einen Videotrailer zum Surf-World-Cup auf Sylt, wo Susanne Schwarztrauber startete

Surf World-Cup auf Sylt mit Susanne Schwarztrauber

Susanne Schwarztrauber bringt mit ihrer ungewöhnlichen Geschichte nicht nur Sportfans zum Staunen, sondern genauso die Kitesurf-Kollegen, „wenn ich denen erzähle, dass ich Pharmazeutin bin“. Die erste Station auf den Kapverden hat Susanne Schwarztrauber im Februar hinter sich gebracht. „Einmal wollte ich aber nicht nur zuschauen, sondern mir den Traum erfüllen und mitmachen – und deswegen bin ich jetzt da.“ Der erste Eindruck erschreckte: „Ich dachte, uiuiui, gleich mal Sechs-Meter-Wellen: Aber irgendwie habe ich das hingekriegt – und vor allem habe ich nette Leute kennengelernt, die mir viel zugesprochen haben. Deswegen habe ich mich entschlossen, soviele Stopps wie möglich mitzufahren.“

Mauritius, Hawaii, Australien

Das wiederum ist nicht so einfach. „Natürlich ist das eine finanzielle Gschicht“, sagt Susanne Schwarztrauber, die plant, die nächste Station im spanischen Tarifa noch mitzunehmen. Bei Mauritius, Marokko, Brasilien, Hawaii bis Mitte Dezember Torquay (Australien) steigen die Reisekosten allerdings selbstredend in andere Dimensionen. „Aber wer weiß, vielleicht findet sich ja noch ein Sponsor“, sagt Schwarztrauber – und vielleicht hilft ja jetzt das Ergebnis auf Sylt weiter. „Ich höre momentan so ein bisschen auf mein Bauchgefühl. Es ist eine Traumerfüllung, definitiv.“

Die Französin Charlotte Carpentier, Carla Herrera Oria Palma aus Spanien und Susanne Schwarztrauber (v. l.) bildeten auf Sylt das Siegerpodium.  Foto: Foto: Foto: Agentur/GKA/Romantso
Die Französin Charlotte Carpentier, Carla Herrera Oria Palma aus Spanien und Susanne Schwarztrauber (v. l.) bildeten auf Sylt das Siegerpodium. Foto: Foto: Foto: Agentur/GKA/Romantso

Zugleich staunt Susanne Schwarztrauber nicht nur, „dass es nicht so ganz schlecht gelaufen ist“ zum Einstand, sondern auch über Konsequenzen daraus: „Wenn wir so ein Gespräch führen, dann denke ich mir: ‚Wow, das passiert tatsächlich.‘ Letztens hat mich auch noch eine Firma mit Material ausgestattet, das ist für mich total schön zu sehen, dass man anerkannt wird, weil man was kann.“

Für Schwarztrauber sind es Tage des bedingungslosen Genusses. „Was mich glücklich macht, ist, mich stundenlang in irgendeinem Ozean dieser Welt um die Wellen dieser Welt zu kümmern.“ Von den Wellen auf Sylt hatte sie zuvor nur gehört – und durchaus Respekt, aber ihr größtes Plus half „Ich habe hier richtig Spaß. Ich mache das, was mir gefällt. Die anderen haben den Druck, nicht ich.“

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