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Darts

„T-Rex“ kehrt kränkelnd von der WM heim

Darter Michael Unterbuchner muss nach Halbfinal-Aus erst mal das Bett hüten. Seine Profi-Pläne geht er behutsam an.
Von Martin Rutrecht

Michael Unterbucher hat es nach 2018 auch heuer wieder ins WM-Halbfinale der BDO geschafft. Foto: Evert Zomer
Michael Unterbucher hat es nach 2018 auch heuer wieder ins WM-Halbfinale der BDO geschafft. Foto: Evert Zomer

Kelheim.Man könnte jetzt alberne Witze machen: Die Lakeside-Bühne war zu zugig, im Halbfinale wurde er eiskalt erwischt oder die Brexit-Luft bekam ihm nicht. Jedenfalls kehrte Michael Unterbuchner angeschlagen von der Darts-WM der BDO zurück. „Ich liege krank im Bett“, erklärt der „T-Rex“ von den Black Birds Kelheim wenige Tage nach seinem Halbfinal-Aus bei den Weltmeisterschaften der British Darts Organisation. Dennoch: „Es war wieder ein tolles Erlebnis.“

Genau wie vor einem Jahr hatte es der 30-jährige Unterbuchner wieder unter die Top Vier gebracht, ebenso war aber dort erneut Endstation. „Im Halbfinale habe ich leider einen schwarzen Tag erwischt“, sagt der Darter. Die 1:6-Niederlage gegen den Briten Scott Waites glich einer Klatsche. „Scotty 2 Hotty“ musste sich im Finale Glen Durrant geschlagen geben (3:7), der damit zum dritten Mal in Folge BDO-Weltmeister wurde.

„Meine Freundin begleitet mich immer und überall hin – sie macht das alles mit.“

Michael Unterbuchner

Die Ausgangslage für den „T-Rex“ unterschied sich zum Vorjahr. Im Januar 2018 betrat er die Lakeside-Bühne in Frimley Green bei London als Qualifikant, der die gesetzten Spieler der Reihe nach rauswarf. Heuer zählte er nach weiteren Erfolgen im Vorjahr als Nummer fünf der WM selbst zu den Gejagten. „Die Nervosität war groß“, sagte er vor allem nach dem holprigen Auftaktsieg gegen den Australier Justin Thompson (3:2). Sein bestes Spiel zeigte der Kelheimer Bundesliga-Akteur beim 4:0 im Achtelfinale gegen Wayne Warren.

Erfahrung sammeln zählt für ihn

Das knappe 5:4 nach Rückstand gegen den Niederländer Willem Mandigers führte in die Vorschlussrunde – wo gar nichts klappte. Die Enttäuschung war Unterbuchner anzusehen. „Ich hätte mehr erwartet.“ Trotzdem zieht er ein positives Fazit. „Ich denke, man kann nirgends mehr Erfahrung sammeln als bei der WM“, sagt er. Seine Freundin Daniela war einmal mehr der große Rückhalt. „Sie begleitet mich immer und überall hin. Sie hält zu mir – und macht das alles mit.“

Hier sehen Sie Unterbuchners Sieg gegen Ian White, aktuell Weltranglisten-Elfter der Profis, beim „Grand Slam of Darts“:

Immer wieder wird Unterbuchner auf seine Profi-Pläne angesprochen. Die BDO beherbergt großteils Amateurspieler, während in der PDC (Professional Darts Corporation) die Stars ihre Pfeile werfen, mit großem Spektakel für die TV-Übertragungen und gut bezahlt. Zum Leistungsvergleich gab „T-Rex“ beim „Grand Slam of Darts“ sportlich ein Statement ab – indem er die Nummer 6 und 12 der Profi-Weltrangliste ausschaltete.

„Max Hopp ist relativ schnell zur Profi-Tour gewechselt. Ich will mir noch Zeit lassen.“

Michael Unterbuchner

Diese Momentaufnahme will der Landsberger, der stets bescheiden auftritt, nicht überbewerten. „Die Profis schaffen es, über viele Sätze ihr Level konstant hoch zu halten. Dazu fehlt mir noch einiges.“ Unterbuchner wird auch heuer weiterhin auf der BDO-Tour spielen. „Meine deutschen Kollegen Max Hopp und Martin Schindler sind relativ schnell auf die Profi-Tour gewechselt. Ich möchte noch Erfahrung sammeln“, erklärte er in einem Interview bei der WM.

Der Weg in die Profi-Welt ist steinig. Ab Donnerstag kämpfen in England knapp 400 Spieler um gerade mal 19 Stück der begehrten Tour-Cards. Weltmeister Durrant ist ebenso dabei wie Finalist Waites oder der BDO-Weltranglisten-Erste Mark McGeeney. Diese Qualifikation ist die zweite der sogenannten „Q-Schools“. Die erste Ausscheidung stieg in Hildesheim – und brachte auch dem Deutschen Christian Bunse (24) eine Startberechtigung für die PDC-Tour.

Nächstes Jahr in die Profi-Quali

Durch diese Qualifikationsmühle will auch Unterbuchner im nächsten Jahr. Bereits im Herbst des Vorjahres reifte dieser Entschluss, als er in der Weltrangliste der WDF (Worlds Darts Federation) als erster Deutscher überhaupt zur Nummer eins aufstieg. „Heuer spiele ich weiterhin Turniere der BDO“, sagt der 30-Jährige. Im vergangenen Jahr reiste er mit seiner Freundin von Turnier zu Turnier – und spielte fast 30 Wettkämpfe in ganz Europa.

Lange Erfolgsliste

  • Profi-Vergleich:

    Beim „Grand Slam of Darts“ der PDC erreichte Michael Unterbuchner Mitte November 2018 als einziger BDO-Spieler das Viertelfinale. Der deutsche Vorzeigeakteur Max Hopp schied in der Vorrunde aus.

  • BDO-Tour:

    WM-Halbfinale 2018 und 2019, der Sieg bei den Swiss Open sowie der Finaleinzug bei World Trophy, British Open, German Masters und Helvetia Open stehen als herausragendste Erfolge des „T-Rex“ zu Buche.

Dabei hat er einen Beruf als Lagerlogistiker. Zum Teil nimmt er sein Darts-Equipment am Freitag in die Arbeit mit, um nach Feierabend sofort ins Auto springen zu können. „Meist werden an einem Veranstaltungsort dann zwei Turniere ausgetragen.“ Sonntagabend muss er sich auf die Rückreise machen, am nächsten Tag wartet wieder die Arbeit. „Die Anstrengung merke ich meist erst nach dem Wochenende.“ Auf diese Tortur will sich „T-Rex“ heuer erneut begeben. Wenn er gesund ist.

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