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Trotz Herz-OP: Wettberg macht weiter

Eine Untersuchung rettet dem Trainer-Idol (77) vermutlich das Leben. Sechs Stents wurden gesetzt. „Ich muss ruhiger werden.“
Von Martin Rutrecht

Karsten Wettberg wird im November 78 Jahre alt. „So wie es mir jetzt wieder geht, kommen noch etliche Jahre dazu.“ Foto: Lex/Archiv
Karsten Wettberg wird im November 78 Jahre alt. „So wie es mir jetzt wieder geht, kommen noch etliche Jahre dazu.“ Foto: Lex/Archiv

Elsendorf.Aus dem Radio dudelt „She loves you“ von den Beatles. Karsten Wettberg ist daheim in Elsendorf, alles wie gewohnt. Und doch ist es anders: Die vergangenen Wochen bedeuteten den wohl größten Einschnitt im Leben des 77-jährigen Fußball-Traineridols. „Ich hatte zwei Eingriffe am Herzen“, erzählt Wettberg. Stents mussten gesetzt werden, weil Gefäße verengt waren. Er hatte Glück: „Eher zufällig habe ich mich untersuchen lassen.“

„Es war ein Schock. Ich habe nie geraucht, mich auch vernünftig ernährt.“

Karsten Wettberg

Ein Herz wie ein Löwe – dieses Bild passt nicht nur, weil Wettberg bei TSV 1860 München seit dem Zweitliga-Aufstieg 1991 eine Ikone ist. „Die Ärztin hat bei der Untersuchung gesagt: Ohne ihren Fitnesszustand und ihren Willen wäre längst etwas passiert.“ Vorfälle im Bekanntenkreis – unter anderem der Tod von Haix-Chef Ewald Haimerl (57) – veranlassten den Fußballcoach Ende Juli, zu einem Check in die Mainburger Klinik zu gehen. „Ich war bei Vorsorgeuntersuchungen, aber in Richtung Herz habe ich nie gedacht.“

Wie ein „Wollknäuel“ in der Brust

Eine Chefärztin hatte zunächst erfreuliche Kunde: „Sie haben Werte wie ein 40-Jähriger.“ Doch einen letzten Stresstest wollte die Medizinerin noch vornehmen. Am Rücken liegend musste Wettberg radeln. „Da ist was – die Blutgefäße sind verengt“, erkannte die Ärztin. „Das war ein Schock. Jeder weiß, dass ich viel Rad fahre und Liegestützen mache. An Herzprobleme hätte ich nie gedacht“, sagt Wettberg. Er habe nie geraucht („Mal als junger Kerl eine probiert, aber da wurde mir schlecht“), sich vernünftig ernährt.

„Ruhiger werden“ hat sich Wettberg vorgenommen. Foto: Neumaier/Archiv
„Ruhiger werden“ hat sich Wettberg vorgenommen. Foto: Neumaier/Archiv

Doch Ablagerungen waren da. Nur wenige Tage später wurde ein Tandem-Stent (siehe Info) gesetzt, aber die Medizinerin entdeckte ein noch größeres „Wollknäuel“ auf der anderen Brustseite. Zwei Tage darauf gab es den nächsten Eingriff. „Insgesamt wurden sechs Stents gesetzt“, erklärt Wettberg. Wobei sich der SPD-Kreisrat bestätigt sieht, dass er sich für das Herzkatheter-Labor in der Mainburger Klinik stark gemacht hat. „Diese Ausstattung und das medizinische Team haben mir das Leben gerettet“, sagt das Mitglied im Aufsichtsrat der Ilmtal-Kliniken Mainburg und Pfaffenhofen.

„Bei Sechzig wird’s schwierig, sich nicht aufzuregen. Für die Löwen schlägt mein Herz.“

Karsten Wettberg

An die Operationen schloss sich eine mehrwöchige Reha in der Bayerwaldklinik bei Cham an. „Natürlich habe ich nachgedacht, übers Leben, wie geht’s weiter?“, sagt der 77-Jährige. „Was wäre gewesen, wenn ich die Untersuchung nicht gemacht hätte? Ich fühle mich befreit“, sagt der Coach, der Stationen wie SpVgg Landshut, SpVgg Unterhaching, SSV Jahn Regensburg, Ingolstadt, FC Augsburg, ASV Cham, SV Seligenporten, ATSV Kelheim und zuletzt SV Donaustauf (2017) zählt.

In Reha zum ersten Mal gekocht – eine Süßspeise

Seine Bekanntheit merkte Wettberg auch in der Kur. „Ich musste jeden Tag über die Löwen sprechen.“ Zwischen Massagen, Fango, Ergometer und Übungen entdeckte der Hallertauer die Entspannung für sich. „Ich bin bei der Musik immer eingeschlafen“, lächelt er. Und: „Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich gekocht, eine Nachspeise.“ In einer Gruppe gab Wettberg zunächst nur den Topfgucker. „Die Therapeutin ließ mich nicht auskommen. Ich musste einen Mürbteig mit Sahne und Muskat bestreichen.“

Der 77-Jährige ist wieder guter Dinge. Foto: Bachmeier-Fausten/Archiv
Der 77-Jährige ist wieder guter Dinge. Foto: Bachmeier-Fausten/Archiv

Der frühere Postbeamte muss es nun ruhiger angehen lassen. „Ich bin in den letzten eineinhalb Jahren von einem Löwen-Fanclub zum anderen getingelt, bin nachts 200 Kilometer nach Hause gefahren. Ich bin bei riesen Hitze wie ein Narrischer geradelt. Ich muss ein gesundes Maß finden. Meine Frau und mein Sohn verdienen längst mehr Zeit.“

Die letzten Dinge im Leben geregelt

Die letzten Dinge im Leben hat Wettberg in den vergangenen Wochen geregelt. „Wir sind endlich. Aber ich fühle mich wieder fit. So wie es mir jetzt geht, könnten noch etliche Jahre dazu kommen.“ Seine Ausbildungs-Projekte für Kicker gemeinsam mit Fußballlehrer Richard Saller sowie neuerdings auch mit der Agentur „Moses“ will der Elsendorfer weiterführen. Auch sein Engagement für den schwer erkrankten Ex-Profi Olaf Bodden setzt er fort. „Ich verkaufe laufend T-Shirts zu seinen Gunsten.“ Ein Traineramt wird es nicht mehr geben. „Aber das ist schon länger kein Thema.“

Die Eingriffe

  • Befund:

    Wenn sich die Blutgefäße durch Ablagerungen stark verengen, kann es zum Herzinfarkt oder zum Schlaganfall kommen. Ein verengtes Gefäß kann mit einem Ballonkatheder wieder aufgedehnt werden. „Da hatte ich jedes Mal das Gefühl, es zerreißt mir die Brust“, so Wettberg. Um zu verhindern, dass sich die geweitete Stelle wieder verschließt, kommt der Stent zum Einsatz.

  • Stent:

    Eine „Gefäßstütze“ ist ein medizinisches Implantat zum Offenhalten von Gefäßen oder Hohlorganen. Es handelt sich meist um eine Spiraldrahtprothese aus Metall oder Kunstfasern. Ein Stent wird bei örtlicher Betäubung über die Leisten- oder Armarterie eingeführt. „Die Haltbarkeit ist lange. Ich könnte jetzt 110 oder 120 Jahre alt werden“, sagt Karsten Wettberg.

Die schwierigste Übung: „Ich versuche, mich nicht mehr aufzuregen. Die Emotionen sollen bleiben, aber nur die positiven.“ Ob das auch bei seinem Lieblingsklub TSV 1860 funktioniert, bezweifelt er. „Für die Löwen schlägt mein Herz. Solange es schlagen kann.“

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