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Titelverteidigung

TSV Abensberg ist Süd-Meister

Der deutsche Judo-Rekordchampion siegt in Esslingen mit 9:4. Die Gastgeber ringen den Babonen einige enge Kämpfe ab – mehr aber nicht.
von martin Rutrecht, MZ

  • Der Deutsche Meister Sebastian Seidl (r.) aus Pförring hatte bis 66 kg erneut alles im Griff. Foto: Archiv
  • Der Olympia-Siebte Lukas Krpalek (r.) verstärkte den TSV kurzfristig. Foto: dpa-Archiv

Abensberg.Aus der Kabine der Gastgeber drangen Jubelgesänge. Was verwunderlich war, denn der KSV Esslingen hatte soeben in der Judo-Bundesliga zu Hause gegen den TSV Abensberg mit 4:9 verloren. „Sie freuen sich, dass sie Vizemeister der Süd-Staffel sind“, klärte TSV-Cheftrainer Radu Ivan auf. Standesgemäß hat sich der deutsche Rekordmeister Platz eins in der Gruppe Süd geholt, selbst eine Niederlage am Samstag daheim gegen JC Wiesbaden würde daran nichts ändern.

Und Esslingen bleibt trotz Niederlage auf Rang zwei. Dass der KSV am letzten Kampftag in Leipzig gewinnt, gilt als ausgemacht. „Wir sehen uns im Finale wieder“, verabschiedeten die Hausherren den Gast von der Abens. Die Entscheidung wird beim Süd-Meister steigen (außer er verliert das Viertelfinale gegen den Nord-Vierten), also beim TSV Abensberg.

Einmal mehr war es eindrucksvoll, wie der Titelverteidiger einen Kontrahenten beherrschte. Esslingen hatte ähnliches geahnt und auf den Einsatz von Legionären verzichtet. Mit seinen nationalen Athleten hielt der KSV tapfer dagegen, aber beim TSV ist alles immer eine Nummer größer. So eröffnete der Abensberger Sven Maresch (81kg) den Tag mit einem klaren Erfolg gegen Felix Kurz. Dominant trat auch der Deutsche Einzel-Meister Sebastian Seidl (66 kg) auf. Für sein Gegenüber Steffen Marlock gab es nach drei Minuten kein Entrinnen mehr aus einem Festhaltegriff des Pförringers.

Stimmung kam in der gut besetzten Halle nach dem dritten Duell auf. Lokalmatador Lasse Leitert (60 kg) zwang den TSV-Armenier Hovhannes Davtyan mit einer mittleren Wertung (Wazaari) in die Knie. „Das war eine echte Überraschung“, zollte Ivan dem Esslinger Respekt. Die Gäste hatten den umgekehrten Ausgang auf ihrer Rechnung. Doch wer als nächsten Judoka einen Olympia-Dritten im Talon hat, dem wird nicht bange. Dimitri Peters (100kg) gewann gegen Helge Molt mit einer Hebeltechnik. „Dima ist auf nationaler Ebene nicht zu knacken.“

Dann zog Abensberg eine Trumpfkarte. Der Tscheche Lukas Krpalek war für den Auftritt beim Verfolger nicht vorgesehen. Doch weil Schwergewichtler Andreas Tölzer noch Auszeit nahm, mobilisierten die Niederbayern den Osteuropäer. Der Olympia-Siebte bis 100 kg kämpfte noch am Freitag in Wien, düste in der Nacht nach Abensberg und saß mit im Bus Richtung Esslingen. Dort nahm er Sven Heinle im Schwergewicht nach drei Minuten den Punkt ab. Tölzer gab derweil Autogramme und durfte sich wie Peters für die Olympia-Bronzemedaille von den Hausherren mit regionalem Wein ehren lassen.

Robert Dumke (90kg) macht in einem engen Duell mit seinem langjährigen Trainingspartner Michael Pinske den fünften Zähler für Abensberg. Die Entscheidung fiel über Verwarnungen wegen Passivität, Pinske kassierte eine mehr. Fabian Seidlmeier (73kg) konnte das halbe Dutzend im letzten Kampf vor der Pause nicht voll machen. Der deutsche Vize-Meister René Schneider, früher U 20-EM-Dritter, zermürbte den Mann aus St. Johann bei Train mit tiefen Ansätzen, die mehrere Wertungen für den Esslinger brachten. Der TSV führte zum Pausentee mit 5:2.

Nach einem Unentschieden von Maresch gegen den starken Niklas Ebert und einem Sieg des Armeniers Armen Nazaryan (66kg) gegen den arrivierten Deutschen Boris Trupka hätte der Gastgeber aus den letzten vier Kämpfen vier Siege gebraucht, um Abensberg zumindest ein Remis abzuluchsen. Philip Graf (60kg) führte gegen den Esslinger Martin Schumacher bereits mit einer kleinen Wertung, ließ sich dann aber übertölpeln. Leise Hoffnungen der Hausherren erstickte der Abensberger Dominik Gerzer (100kg) sofort im Keim. Er spielte im Vergleich mit Jörn Linckh seine Konditionsstärke aus und trieb seinen Gegner in drei Strafwertungen.

Den Schwergewichtler gab im zweiten Durchgang „Dima“ Peters. Er holte Sven Heinle mit einer Außensichel von den Beinen. Florian Germroth (90kg) benötigte einige Zeit, um gegen den Esslinger Peter Abel und dessen langen Arme durchzukommen. Mit starken Ansätzen fuhr Germroth letztlich den Sieg ein. Stefan Kneitinger (73kg) kriegte René Schneider zwar zu fassen, aber der KSV-Vertreter entwand sich jedes Mal geschickt der Umklammerung. Mit einem tiefen Wurf beförderte er Kneitinger schließlich auf die Matte. Die „Ehre“ des letzten Punktes blieb damit den Esslingern.

Die Bilanz von Trainer Radu Ivan konnte das nicht trüben. „Unsere Jungs haben sehr gut gekämpft und einen klaren Erfolg gelandet. Weil einige Aufeinandertreffen eng waren, sind auch die Zuschauer auf ihre Kosten gekommen. Von der Aufstellung her war klar, dass der KSV nicht mit aller Macht den Süd-Titel anstrengt. Den dürfen wir nun feiern.“

Am Samstag erwartet der TSV Abensberg zum letzten Kampf der Vorrunde Schlusslicht Wiesbaden. „Wir werden ein rein deutsches Aufgebot stellen, sofern möglich“, gibt Ivan aus. Ein wenig kann sich der Rekordmeister bereits mit dem Viertelfinale befassen. Am 6. Oktober steigt der Hinkampf. Gegner wird der Nord-Vierte sein, aktuell wäre das der JC Frankfurt/Oder.

Aber im Norden ist vor dem letzten Gruppen-Durchgang noch alles offen. UJKC Potsdam hat sich mit einem überraschend deutlichen 10:4 gegen Frankfurt auf Rang eins geschwungen; JC Bottrop und SUA Witten folgen einen Punkt dahinter. Und der Vierte hat nur einen weiteren Zähler Rückstand. Das Judoteam Hamburg kann seinerseits auch noch unter die Top vier springen.

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