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Fussball

Über Äcker rollt der Ball an die Laberau

Ein Metzgergeselle aus Regensburg leistete Pionierarbeit: 100 Jahre später feiern die Fußballer vom TV Schierling Jubiläum.
Von Alexander Roloff

Erst in den 1950er Jahren fanden die Fußballer vom TV Schierling im Laberstadion ihre dauerhafte Heimat. Foto: TV Schierling/Archiv
Erst in den 1950er Jahren fanden die Fußballer vom TV Schierling im Laberstadion ihre dauerhafte Heimat. Foto: TV Schierling/Archiv

Schierling.Vor 100 Jahren begann sich die Leidenschaft für den aktiven Fußball in Schierling als zarte Pflanze auf groben Wiesen zu entwickeln. Das Sportheim mit Terrasse und Tribüne im Laberstadion sowie die beiden Trainingsplätze standen den Vorvätern der Fußball-Abteilung längst nicht zur Verfügung: Die Fußball-Pioniere waren auf den guten Willen der ortsansässigen Landwirte angewiesen, um im besten Fall im Herbst auf deren Äckern und Wiesen dem Ball hinterherjagen zu dürfen.

„Dass die Schierlinger Fußballwelt überhaupt auf hundert Jahre zurückblicken kann, ist zweifellos der Tatsache geschuldet, dass hundert Jahre lang fußballinteressierte Menschen in uneigennütziger Weise viel Zeit, Arbeits- und Nervenkraft sowie Geld in die Abteilung gesteckt haben“, sagt Schierlings Richard Rohrer, seit über zwei Jahrzehnten Vorsitzender vom TV Schierling.

„Hundert Jahre lang steckten fußballinteressierte Menschen in uneigennütziger Weise viel Zeit, Arbeits- und Nervenkraft sowie Geld in die Abteilung.“

Richard Rohrer

Die Abteilung Fußball verzeichnet aktuell 400 Mitglieder und betreut etwa 180 Jugendliche. Ohne den ausdauernden Pioniergeist der Gründer hätte der Fußball in Schierling aber erst bedeutend später ins Schwarze getroffen. „Der Straßenfußball hat wohl vor 100 Jahren den Startschuss für die Vereinsgründung gegeben“, meint Schierlings Bürgermeister Christian Kiendl. Jakob Pesel, ein bei der Metzgerei Amann beschäftigter Geselle aus Regensburg, hat den Fußballsport nach Schierling aufs Land gebracht

„Städter“ setzt die Fußball-Saat

Laut Vereins-Chronik ist Pesel als „Städter“ bereits Fußball-Anhänger gewesen und habe unter seinen Freunden vor Ort „relativ schnell zehn junge Gleichgesinnte“ gefunden. Ein erstes Spiel wurde für den Kirchweih-Sonntag im Jahr 1919 auf die Beine gestellt. Zu Gast war vermutlich eine Polizei-Auswahl aus Regensburg. Gespielt wurde auf der Wiese neben der Gärtnerei Dantscher, das Versammlungslokal war die „Alte Post“. Für die Schierlinger „Ur-Elf“ liefen neben Pesel auch Franz Dantscher, Max Huber, Max Kneitinger, Georg Lippert, Hans Roßmeier, Martin Roßmeier, Anton Spanner, Hans Wallner und Rudolf Wallner in rot-weißer Sportkleidung auf.

Mit Trainer Ludwig Völkl holten die A-Junioren mit Josef Kindler, Franz Kaufmann, Hans Gänger, Klaus Winterling, Gerhard Hoffart, Helmut Dietz, Karl Pernpaintner, Michael Weinberger, Ernst Kammermeier, Gerhard Zinner und Dieter Limmer den niederbayerischen Titel 1969.. Foto: TV Schierling/Archiv
Mit Trainer Ludwig Völkl holten die A-Junioren mit Josef Kindler, Franz Kaufmann, Hans Gänger, Klaus Winterling, Gerhard Hoffart, Helmut Dietz, Karl Pernpaintner, Michael Weinberger, Ernst Kammermeier, Gerhard Zinner und Dieter Limmer den niederbayerischen Titel 1969.. Foto: TV Schierling/Archiv

Der Name des elften Spielers ist nicht bekannt, auch das Ergebnis der Partie ist nicht überliefert. Die Leidenschaft in Schierling für den Fußball war dennoch voll entfacht. Den jungen Männern wurde ihr Hobby durch die ständige Suche nach einer Spielstätte erschwert: Weil die Landwirte erst nach der zweiten Heuernte im Jahr bereit waren, ihre Wiesen zur Verfügung zu stellen, wurde überwiegend auswärts gespielt. 1924 lösten die „Rot-Weißen“ für einige Jahre ihr „Sportplatz-Problem“ und trugen ihre Spiele neben dem heutigen „Valentin-Stüberl“ aus.

Eine dauerhafte Heimat fanden die Fußballer auch hier nicht. Dennoch kickte bald eine Jugendmannschaft, aber ebenfalls nicht im offiziellen Spielbetrieb. Die Umstände änderten sich 1931 mit der Gründung des Fußballsportvereins Schierling unter den Vorständen Max Huber und Josef Hacker in der Gastwirtschaft Dantscher – hier entsteht aktuell ein Hotel.

Seit den 1950er Jahren bejubeln die Fußball-Mannschaften des TV Schierling (in weiß) ihre Treffer im Laberstadion. Das Vereinsheim mit Terrasse und Tribüne wurde im Mai 2003 eingeweiht. Foto: Roloff/Archiv
Seit den 1950er Jahren bejubeln die Fußball-Mannschaften des TV Schierling (in weiß) ihre Treffer im Laberstadion. Das Vereinsheim mit Terrasse und Tribüne wurde im Mai 2003 eingeweiht. Foto: Roloff/Archiv

Ab dem Folgejahr wurde dem Verein gegen eine Pachtgebühr von 200 DM ein Acker zur Verfügung gestellt. Dieser wurde mit großem Aufwand bespielbar gemacht. Die ersten Verbandsspiele waren mit 100 Zuschauern nur schwach besucht. Als sich die finanzielle Lage des FSV verschlechterte, gliederten sich die Fußballer 1939 als Abteilung in den TV Schierling ein. Das letzte Spiel trug der FSV 1940 gegen die Betriebsgemeinschaft Muna Schierling aus. Bis 1945 ruhte der Spielbetrieb.

Mit einem Schuss Nostalgie ins Jubiläum

  • Triumph:

    Mit Trainer Ludwig Völkl holten die A-Junioren mit Josef Kindler, Franz Kaufmann, Hans Gänger, Klaus Winterling, Gerhard Hoffart, Helmut Dietz, Karl Pernpaintner, Michael Weinberger, Ernst Kammermeier, Gerhard Zinner und Dieter Limmer den niederbayerischen Titel 1969.

  • Programm:

    Zum 100-Jährigen sind vom 19. bis 21. Juli alle Schierlinger Teams im Einsatz. Samstags wird zudem eine Kleinfeld-Marktmeisterschaft ausgetragen. Sonntags finden Kirchenzug, Gottesdienst, Talkrunde und Ehren-Gala statt. An den Abenden spielen Party-Bands im Festzelt.

  • Stammtisch:

    Am Sonntagmittag (21. Juli, 12.30 Uhr) ist Klaus Fischer zur Talkrunde mit prominenten Gästen im Festzelt. Der ehemalige Nationalspieler und zweitbeste Bundesliga-Torschütze lief als Jugendspieler und mit dem TSV 1860 München (1970, 1:1) im Laberstadion auf.

  • Vertrag:

    1960 schlossen Georg Lederer, Vorstand vom TV Schierling, und Bürgermeister Josef Wallner gemäß Gemeinderatsbeschluss einen notariellen Erbbaurechtsvertrag über eine Wiesenfläche in der Unteren Au. Seit diesem Zeitpunkt verfügt der TV Schierling über ein Sportgelände.

Laberstadion zieht die Fans an

Wenige Monate nach dem Weltkrieg baute Xaver Häring mit Hilfe von Josef Hacker ein neues Team auf. Erste Triumphe wurden gefeiert, aber spätestens mit Erhalt des eigenen Sportgeländes im Jahr 1960 war das Feld für dauerhaften Erfolg bereitet. Der TV Schierling sprang mit dem Meistertitel 1961/62 – Torschützenkönig war der spätere Bürgermeister Otto Gascher – in die Bezirksliga. Laut Chronik pilgerten in den beiden folgenden Spielzeiten 25.000 Zuschauer ins Laberstadion. Ein halbes Jahrhundert später mischten die Laabertaler unter Abteilungsleiter Martin Huber sogar für einige Spielzeiten in der Landesliga mit. Aktuell kickt der TV Schierling in der Kreisliga Donau/Laaber.

Mit Torjäger Christian Brandl spielte sich der TV Schierling zwei Mal in die Landesliga und hielt sich dort insgesamt für fünf Spielzeiten auf.  Foto: Roloff/Archiv
Mit Torjäger Christian Brandl spielte sich der TV Schierling zwei Mal in die Landesliga und hielt sich dort insgesamt für fünf Spielzeiten auf. Foto: Roloff/Archiv

Zum Auftakt der 100-Jahrfeier bestreiten die Laabertaler das erste Ligaspiel gegen Nachbarrivale SV Ettenkofen. (19. Juli, 18.30 Uhr). Für die folgende dreitägige Party rund um den Fußball hofft Festleiter Holger Bursian auf großen Zuspruch: „Wir freuen uns auf ein Fußball-Fest für die ganze Region. Die Gäste dürfen sich auf einige Schmankerl freuen.“ Fußballerisch locken das Eröffnungsspiel der Kreisliga Donau/Laaber, die Kleinfeld-Marktmeisterschaft für Vereine und Betriebe (20. Juli), die Ü32-Partie der Alten Herren gegen eine Labertal-Legendenauswahl (20. Juli, 17.30 Uhr) und Auftritte der A- und B-Junioren vom SSV Jahn Regensburg (21. Juli, ab 14 Uhr) gegen die Schierlinger Talente ins Laberstadion.

Am Sonntagmittag (21. Juli, 12.30 Uhr) spricht auch Klaus Fischer bei einer moderierten Talkrunde mit prominenten Gästen im Festzelt. Der ehemalige Nationalspieler und zweitbeste Bundesliga-Torschütze lief als Jugendspieler und mit dem TSV 1860 München (1970, 1:1) im Laberstadion auf. Foto: Thomas Eisenhuth/dpa
Am Sonntagmittag (21. Juli, 12.30 Uhr) spricht auch Klaus Fischer bei einer moderierten Talkrunde mit prominenten Gästen im Festzelt. Der ehemalige Nationalspieler und zweitbeste Bundesliga-Torschütze lief als Jugendspieler und mit dem TSV 1860 München (1970, 1:1) im Laberstadion auf. Foto: Thomas Eisenhuth/dpa

„Auch das Rahmenprogramm hat es in sich“, verspricht Bursian. Am Freitagabend rockt die Eggmühler Band On Fire das Festzelt. Am Samstagabend betritt die Showband Starmix die Bühne. Am Sonntagabend spielt Luiss Leitn Musi zum Festausklang auf. Der letzte Festtag beginnt mit dem Kirchenzug und Gottesdienst in der katholischen Kirche. Zurück auf dem Festgelände am Sportplatz bitten die Fußballer zum Mittagstisch in Bierzelt und -garten. Um 12.30 Uhr wird im Festzelt eine moderierte Talkrunde mit Fußball-Experten abgehalten.

Holger Bursian (Bildmitte, vorne) ist Festleiter der „100-Jahrfeier TV Schierling-Abteilung Fußball“. Dem Festkomitee gehören Robert Kuntze (Abteilungsleiter Fußball), Gerd Massinger, Christopher Kiendl, Hermann Diermeier, Karl-Heinz Specht, Christoph Rohrmayer, Georg Wallner (hinten, von links) sowie Steve Tetzlaff (2. Festleiter), Josef Gascher, Richard Rohrer (TV-Vorstand), Alfons Blabl, Alexander Roloff (3. Festleiter), Manfred Schrenk, Adrian Diermeier (vorne, von links) an. Foto: Elke Ademaj
Holger Bursian (Bildmitte, vorne) ist Festleiter der „100-Jahrfeier TV Schierling-Abteilung Fußball“. Dem Festkomitee gehören Robert Kuntze (Abteilungsleiter Fußball), Gerd Massinger, Christopher Kiendl, Hermann Diermeier, Karl-Heinz Specht, Christoph Rohrmayer, Georg Wallner (hinten, von links) sowie Steve Tetzlaff (2. Festleiter), Josef Gascher, Richard Rohrer (TV-Vorstand), Alfons Blabl, Alexander Roloff (3. Festleiter), Manfred Schrenk, Adrian Diermeier (vorne, von links) an. Foto: Elke Ademaj

Für die Stammtischrunde haben Silke Raml, Vizepräsidentin des BFV, Klaus Fischer, zweitbester Bundesliga-Torschütze, Christian Keller, Geschäftsführer und Sportlicher Leiter vom SSV Jahn Regensburg sowie Geschäftsführer Michael Ströll von Bundesligist FC Augsburg zugesagt. Ehe der Abend gesellig ausklingt, feiern die Fußballer ab 18 Uhr ihre einhundertjährige Geschichte und ihre verdienten Vereinsmitglieder im Rahmen einer Ehrengala.

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