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Fussball

Über Thailand in die Landesliga

Coach Benjamin Flicker tankt in Asien Kraft für „zehn Endspiele“ mit Aiglsbach. Beim FC Ingolstadt leidet er mit den Profis.
Von Martin Rutrecht

Schon am 7. Januar geht’s für TV Aiglsbach (l.) in die Frühjahrsvorbereitung. Testspiele – wie im vergangenen Winter beim ASV Cham (r.) – und ein Trainingslager in Kroatien gehören zum Programm. Foto: Tschannerl
Schon am 7. Januar geht’s für TV Aiglsbach (l.) in die Frühjahrsvorbereitung. Testspiele – wie im vergangenen Winter beim ASV Cham (r.) – und ein Trainingslager in Kroatien gehören zum Programm. Foto: Tschannerl

Aiglsbach.Nach Diktat verreist. Benjamin Flicker, Trainer des Fußball-Bezirksligisten TV Aiglsbach, macht erst mal die Fliege. „Vier Wochen bin ich in Thailand.“ Mit seiner Partnerin unternimmt er eine Rundreise. „Das Handy bleibt aus.“ Seinen Job, nicht nur als stellvertretender Leiter der Schanzer-Fußballschule beim FC Ingolstadt, lässt er hinter sich. Auch sein erstes Halbjahr beim Hallertauer Klub kann er beruhigt abhaken. Platz drei eröffnet alle Chancen im Kampf um die Rückkehr in die Landesliga. „Wir bereiten uns auf zehn Endspiele vor“, kündigt der 32-jährige Trainer fürs Frühjahr an.

Aus der Ingolstädter Nachwuchs-Trainerriege, in der er zum Schluss die U16 betreute, verschlug es den Wolnzacher im Sommer zum damaligen Landesliga-Absteiger. „Der Start mit Niederlagen gegen DJK SV Altdorf und TSV Langquaid ging daneben“, erinnert sich Flicker. Dazu kam ein Kreuzbandriss bei Spieler Stefan Liebler („Mit ihm rechnen wir erst wieder in der neuen Spielzeit“).

Unverzichtbarer Torjäger bei Aiglsbach ist Manfred Gröber (in blau). Nach 20 Spielen hält er bei 25 Treffern. Foto: Rimmelspacher/Archiv
Unverzichtbarer Torjäger bei Aiglsbach ist Manfred Gröber (in blau). Nach 20 Spielen hält er bei 25 Treffern. Foto: Rimmelspacher/Archiv

Langsam aber nahm die Truppe Fahrt auf. „Seit dem achten Spieltag weisen wir mit 2,2 Zählern im Schnitt einen Topwert in der Liga auf.“ Aiglsbach arbeitete sich bis zur Winterpause bis auf Rang drei nach vorne, nur einen Zähler hinter dem aktuellen Aufstiegsreleganten FC Dingolfing und fünf Punkte hinter Tabellenführer VfB Straubing. „Der Spitzenreiter hat die erfahrenste Mannschaft und wird schwer zu stellen sein. Aber Dingolfing wollen wir abfangen.“

Andere Klubs greifen nach Coach

Nach nunmehr 20 Spielen ist Flicker mit dem Saisonverlauf „sehr zufrieden“. „Es gab schon Vereine, die nach einem Landesliga-Abstieg durchgerauscht sind. Wir haben uns gefangen.“ Das Herausspielen von Chancen laufe immer besser. „Mein Ziel war und ist es, dass alle Kicker denselben Gedanken beim Spiel mit dem Ball im Kopf haben.“ Das Toremachen klappt auch. „Wir stellen mit 56 Treffern eine der besten Offensiven in allen 13 Bezirksligen Bayerns.“

In der Leistungsbereitschaft müssten die TV-Kicker keinen Vergleich mit den Youngsters der Ingolstädter Zweitliga-Schmiede scheuen. „Im Nachwuchsleistungszentrum, wo ich sieben Jahre gearbeitet habe, wird erwartet, dass die Jungs alles dem Fußball unterordnen. Das kann ich nach einem halben Jahr auch von Aiglsbachs Spielern sagen.“ Einige hätten sich sogar Trainingspläne für die Winterpause von Flicker schreiben lassen. „Anders ist natürlich, dass Spieler mal wegen Arbeit oder Studium fehlen. Auf der anderen Seite kriegt man von gestandenen Kickern mehr Feedback.“

„Aiglsbachs Spieler ordnen wie FCI-Youngsters alles dem Fußball unter.“

Benjamin Flicker

In diesem Umfeld, auch getragen vom Verein, finde er „optimale Rahmenbedingungen“ vor. „Ich fühle mich pudelwohl“, sagt der A-Lizenz-Trainer. Sein Beitrag wird gewürdigt – auch durch Angebote anderer Klubs. „Landesliga-Teams zeigen Interesse“, verrät Flicker. Für den es aber hinsichtlich der Zukunft nur eine Vorgehensweise gibt: „Mein erster Ansprechpartner ist der TV Aiglsbach. Ein Jahr ist eine kurze Zeit und ich bin noch nicht fertig mit meinen Plänen.“

Aiglsbachs Trainer Benjamin Flicker (hier bei einer Trinkpause mit Abensbergs Daniel Nutz) kam vom FC Ingolstadt in die Hallertau. Foto: Rutrecht
Aiglsbachs Trainer Benjamin Flicker (hier bei einer Trinkpause mit Abensbergs Daniel Nutz) kam vom FC Ingolstadt in die Hallertau. Foto: Rutrecht

Verstärkungen in der Winterpause seien nicht vorgesehen, bis auf Mittelfeldtalent Florian Buchberger (JFG Neuburg), der aus der  U-19-Landesliga zu den Hallertauern stößt. „Gefühlte Neuzugänge“ sind Keeper Thomas Attenhauser, Georg Gröber-Lex, Paul Belousow, Niklas Schmidbauer, Luis Dunkes und Florian Lang, die allesamt im Herbst fehlten. Flicker kann schon verlauten, dass der Kader „über die Saison hinaus zusammen bleiben wird“. Ob es neuer Spieler bedürfe, hänge von der Ligazugehörigkeit ab. „Als Landesligist ist man für Kicker attraktiver. Zusammenhalt und Kameradschaft können wir bieten, aber kein Geld – daran ändert sich nichts.“

Eigene Karriere endete mit Mitte 20

Bereits am 7. Januar 2019 bittet Benjamin Flicker, der seine aktive Zeit beim TSV Wolnzach wegen eines Kreuzbandrisses schon mit Mitte 20 beenden musste, zum Vorbereitungsstart fürs Frühjahr. Nach Grundlageneinheiten im Fitnessstudio geht es ab dem 28. Januar auf dem Kunstrasenplatz in Niederscheyern am Ball zur Sache. „Wir wollen kein Risiko wegen der Witterung eingehen, deshalb haben wir einen Kunstrasen gebucht.“

Torwart Thomas Attenhauser fehlte wegen einer Schulterverletzung den ganzen Herbst. Im Frühjahr kehrt er zurück. Foto: Roloff
Torwart Thomas Attenhauser fehlte wegen einer Schulterverletzung den ganzen Herbst. Im Frühjahr kehrt er zurück. Foto: Roloff

Komplettiert wird die Vorbereitung mit acht Testspielen und einem Kurztrainingslager in Kroatien. Die Arbeitsintensität hat sich für Flicker nicht geändert. „Bei Ingolstadt stand ich vier Mal im Training auf dem Platz. Die Einheiten in Aiglsbach sind weniger, dafür bereite ich Videoanalysen auf oder studiere die Taktik der Gegner.“

„Manchmal muss man weggehen, um anders wahrgenommen zu werden.“

Benjamin Flicker

In der Schanzer-Fußballschule ist der 32-Jährige für Trainerausbildung und -koordinierung zuständig und schreibt Konzepte. Täglich geht er bei den leidgeplanten Zweitliga-Profis ein und aus. „Es tut mir weh, was da gerade passiert.“ Für Flicker ist mangelndes Selbstvertrauen Hauptgrund für den letzten Platz. „Man konnte es auch beim FC Bayern beobachten: Fehlt das positive Gefühl, gelingt nichts.“ Ein Trainer sei als Psychologe gefragt. „Er muss den Turnaround schaffen.“

In Ingolstadt werde sich dieser Umkehrpunkt „hoffentlich bald“ einstellen. Eine Rückkehr zu den Schanzern als Coach – auch für höhere Aufgaben – schließt Flicker nicht aus und erklärt vor dem Abflug nach Thailand: „Manchmal muss man weggehen, um anders wahrgenommen zu werden.“

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