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Handball

Weltmeister trainiert Saaler Schüler

Handball-WM-Champion Dominik Klein macht Station an der Grund- und Mittelschule. Für die Kinder ist er in einer Vorbildrolle.
Von Wolfgang Wutzer

Dominik Klein sagt das Codewort „Sieben“ und die Saaler Schüler halten den Handball über dem Kopf. Fotos: Wutzer
Dominik Klein sagt das Codewort „Sieben“ und die Saaler Schüler halten den Handball über dem Kopf. Fotos: Wutzer

Saal.„Wie viele Tore hast du insgesamt gemacht?“, fragt Grundschüler Justus den Handball-Weltmeister Dominik Klein. „Die Anzahl der Tore ist nicht entscheidend. Der Zusammenhalt im Team ist das Wichtigste“, antwortet der 35-Jährige, WM-Champion 2007 unter Coach Heiner Brand und achtfacher Deutscher Meister mit Kiel.

Im Rahmen eines „AOK Star-Trainings“ an der Grund- und Mittelschule Saal hatten 40 Schülerinnen und Schüler im Alter von sieben bis elf Jahren die Gelegenheit, durch eine Trainingseinheit mit Autogrammrunde einem echten Handballweltmeister nahe zu kommen. Dieser verriet auch seine persönliche Zielsetzung, die er den Schülern mit auf den Weg gibt.

Der Trick mit dem Codewort

„Sieben“, sagt Dominik Klein gleich zu Beginn der Trainingseinheit vor versammelter Runde. Diese Zahl prägen sich die Kinder im Verlauf der knapp anderthalbstündigen Übungseinheit schnell ein und wissen dadurch fortan, dass der Handball über dem Kopf gehalten werden soll. „Mit einem Codewort verschafft man sich Aufmerksamkeit und stellt bewusst eine Verbindung zueinander her“, erklärt Klein diese Maßnahme.

Autogramme vom Weltmeister waren heiß begehrt.
Autogramme vom Weltmeister waren heiß begehrt.

Diese Methode wendet er vor allem zwischen den einzelnen Übungen an, um die Konzentration der Kinder aufrechtzuerhalten. Das Auf- und Abhüpfen mit zeitgleicher Balance des Balles bereitet der Menge in erster Linie Freude, andererseits ist in den Gesichtern eine gewisse Anspannung zu erkennen. Eine Schülerin darf zusammen mit Dominik Klein den anderen die geübte Handwurftechnik zeigen.

Klein wird zur Zielscheibe

Der zweifache Familienvater, der es zu verstehen weiß, besonders auf der menschlichen Ebene die richtigen Worte zu finden, spürt bei der Schülerin einen Hauch von Aufregung. „Kinder, seid nicht aufgeregt hier in der kleinen Turnhalle vor den wenigen Zuschauern. Irgendwann kann es sein, dass ihr vor einem Millionenpublikum auftretet“, lautete die bewusst gewählte Antwort.

Die Schüler begrüßten den Star mit einer Einlage.
Die Schüler begrüßten den Star mit einer Einlage.

Dominik Klein, der aus Miltenberg in Unterfranken stammt, erklärt den Schülern zunächst, dass mit unterschiedlichen Übungen die Grundlagen des Handballs gezeigt werden sollen. Zum Aufwärmen bittet der Trainer die Jungen und Mädchen, mit dem Ball durch den mit kleinen Hütchen abgesteckten Bereich zu dribbeln. Nach einer gewissen Zeit lässt er seine Truppe verschiedene Techniken ausprobieren. Gerade beim Rückwärtsdribbeln sind gegenseitige Zusammenstöße unausweichlich und sorgen bei allen Beteiligten für Heiterkeit.

„Man darf Handball nicht immer mit Fußball vergleichen.“

Dominik Klein

Beim Erlernen der richtigen Wurftechnik wird der Handballweltmeister selbst zur Zielscheibe. Dieser rechnet nicht damit, dass ein Kind von neun Jahren bereits eine gewisse Wucht am Ball vorzuweisen hat. „Nicht so schlimm, ich bin Papa von zwei kleinen Kindern“, lacht der Ex-Handballnationalspieler mit einem etwas schmerzverzerrten Gesicht. Ernst Werner, Vizepräsident des Bayerischen Handballverbandes, assistiert dem früheren Kieler Dauerbrenner.

Eine Übung: Triff den Medizinball mit dem Handball.
Eine Übung: Triff den Medizinball mit dem Handball.

Anschließend führt Klein die Schüler – gemäß eigener Aussage – in seine Lieblingsübung ein, indem er fragt: „Wer von euch schafft es, den Ball sitzend von der einen in die andere Hand zu übergeben, ohne dabei die Füße zu bewegen?“ Während einige der Probanden etwas Anlaufzeit brauchen, hat Gabriel den Dreh recht zügig raus. Geschicklichkeit und Koordination in frühen Jahren zu fördern, ist ein wichtiges Anliegen. „Meiner Ansicht nach ist Handball wegen der Dynamik im Spiel eine super Sportart für den Schulunterricht“, betont Ernst Werner.

Dominik Klein, der Weltmeister von 2007, der unter anderem für Branchenschwergewicht THW Kiel (2006-2016) aufgelaufen ist, hat sich nach Beendigung seiner Karriere (2018) zur Aufgabe gemacht, Kindern den Handball frühzeitig näherzubringen. Debatten, dass eine Sportart wie Fußball in Sachen Popularität meilenweit voraus sei, hält der in Oberschleißheim bei München wohnende 35-Jährige für den falschen Ansatz.

Handball als schlafender Riese

„Für mich persönlich steht die Entwicklung der eigenen Sportart im Vordergrund. Man darf nicht immer Vergleiche heranziehen“, erklärt der 187-fache deutsche Nationalspieler, der sein Debüt im Juni 2005 unter der Trainerlegende Heiner Brand gegeben hatte. „Wir Spieler haben eine Vorbildfunktion und möchten Wertvorstellungen, die eine Gemeinschaft im Team auszeichnen, weitergeben“, führt Klein aus. Für ihn hat der Handball in Bayern noch mehr Entwicklungspotenzial, das gefördert werden soll. Mit dem HC Erlangen verfügt der Freistaat aktuell nur über einen Bundesligisten. „Ich selbst stamme aus einer Handballfamilie und möchte die Begeisterung an dieser Sportart weitervermitteln.“

Klein musste sich in Acht nehmen: Manche Kinder schossen scharf.
Klein musste sich in Acht nehmen: Manche Kinder schossen scharf.

Von längerfristiger Aufmerksamkeit der Sportart spricht auch Philipp Fembacher, 2. Abteilungsleiter der Handballer des ATSV Kelheim. „Es wäre schön, den Bekanntheitsgrad des Handballs in der Region zu steigern“, sagt Fembacher. „Wir als Verein möchten die Kooperation mit Schulen verstärken, um den Kindern die Grundlagen des Handballs beizubringen.“

Fembacher zeigt sich erfreut, dass sich die Grund- und Mittelschule in Saal – als einzige in ganz Bayern (!) – unter knapp 2000 deutschlandweiten Bewerbern für das „AOK Star-Training“ durchgesetzt hat. „Wer kann schon behaupten, von einem Weltmeister trainiert worden zu sein“, bekräftigt er augenzwinkernd. Rektorin Sabine Schweiger pflichtet bei: „Wir haben einen Weltmeister hautnah da.“

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