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Zusage

Wettberg begibt sich auf ATSV-Mission

Das Trainer-Idol will den Kelheimer Klub zu neuen Ufern führen. Förderverein und frisches Personal sollen helfen. „Es muss sich etwas rühren.“
Von Martin Rutrecht, MZ

Künftig gibt Karsten Wettberg beim ATSV Kelheim die Richtung an. Der Verein will in die Bezirksliga. Foto: Archiv

Kelheim. Martin Birkl sah sich schnell bestätigt. „Der Name Karsten Wettberg könnte uns ein wenig ins Rampenlicht rücken“, sagte der Pressewart des ATSV Kelheim, als er am Mittwoch das Trainer-Engagement des 71-jährigen Betreuer-Idols bei den Kreisstädtern verkündete. In der Tat, die Aufmerksamkeit stellte sich rasch ein. Kaum hatte die MZ die Nachricht exklusiv verbreitet, ging die Kunde reihum. Von „Bild“ über „Münchner Merkur“, „tz“ bis zum „Focus“ fand die Meldung binnen weniger Stunden Widerhall auf den Online-Seiten der genannten Blätter. Beim „erfolgreichsten Amateurtrainer Deutschlands“, wie Wettberg einmal tituliert wurde, schauen viele hin.

Das Trainer-Urgestein notierte es auch: „Das Telefon hat schon einige Male geklingelt, bis aus München.“ Den Vatertag nutzte der Noch-Coach des Regionalligisten SV Seligenporten nicht zum Zurücklehnen – der 71-Jährige bestritt mit dem FC Sternstunden, einem Promi-Team für caritative Zwecke, am Nachmittag bei Erding ein Benefizspiel. Natürlich als Aktiver.

Das Gehalt? „Wie in der Kreisklasse“

Am Mittwochvormittag hatte sich Wettberg mit den ATSV-Verantwortlichen um Abteilungsleiter Hans-Jörg Hettich zum letzten und entscheidenden Gespräch getroffen. „Für mich stand seit einigen Tagen fest, dass es Kelheim wird.“ Seit dem Bekanntwerden seines Abschieds aus Seligenporten mit Saisonende war der Elsendorfer heiß begehrt. „Ich hatte aus höheren Ligen Angebote als Sportlicher Leiter, aber das blieb zu nebulös.“ Sein Herzenswunsch, intensiver ins Scouting beim TSV 1860 München eingebunden zu werden, ging nicht in Erfüllung. „Ich möchte dazu klarstellen: Ich wollte nie Chefscout der Löwen werden, ich hätte dieses Handwerk nur gerne ein Stück professioneller betrieben.“ Doch München winkte ab. Als Beobachter junger Talente für den Traditionsklub macht Wettberg weiter.

Vor gut vier Wochen nahm der ATSV erstmals Kontakt zum Erfolgscoach auf. „Ein Walter Zepf oder Oswald Bauer, die ich beide aus meinen Saaler Zeiten in den 1970er Jahren kenne – Ossi war Torwart unter mir –, spielten für meine Entscheidung genauso eine Rolle wie die jungen Burschen um Hettich und Spielertrainer Florian Schinn. Der Verbleib von Flo als Kicker und Co-Betreuer ist mir ganz wichtig.“ Als sich das Engagement abzeichnete, erfuhr Wettberg aus seinem Bekanntenkreis fragende Blicke: „Du gehst nicht wirklich von der Regional- in die Kreisliga?“ Der Elsendorfer antwortet lächelnd: „Seligenporten hat 1400 Einwohner, Kelheim über 15000. Der ATSV kann und soll wieder eine Nummer werden.“ Die finanziellen Anreize halten sich in Grenzen. „Ich hab’ im Fußball noch nie etwas wegen des Geldes gemacht. Die Aufwandsentschädigung, die ich kriege, erhalten vermutlich manche Betreuer selbst in einer Kreisklasse.“

Mit ein Beweggrund sind die überschaubaren Fahrwege. „Ich brauche zum Training nach Seligenporten wegen der Baustellen bis zu drei Stunden. Diese verlorene Zeit mindert die Lebensqualität. Ich bin kein Masochist.“ Nach Kelheim sei es vergleichsweise ein Katzensprung. Dass er sich nicht leicht vom Regionalligisten los sagte, wird an Wettbergs Worten deutlich: „Wir wären ein heißer Kandidat auf den Aufstieg in die 3. Liga. Aber das bringt den Verein an seine Grenzen. Und bei Abgängen von neun Spielern während der laufenden Saison war’s unmöglich.“

Verein freut sich überschwänglich

Im ATSV herrscht geradezu Euphorie. „Uns konnte nichts Besseres passieren, als einen Mann mit diesem Know-how und dieser Erfahrung für uns zu gewinnen. Dies in Kombination mit Florian Schinn ist sicher ein Trainergespann, von dem viele höherklassige Vereine träumen“, schwärmen Hettich und Birkl. Die Übernahme des Traineramts – am 24. Juni wird Wettberg seine erste Einheit leiten – war für den 71-Jährigen zwingend mit dem Aufstiegsgedanken verbunden. „Ohne das Ziel Bezirksliga hätte ich’s nicht gemacht.“Abteilungsleiter Hettich springt bei: „Als Kreisstadt kann es nicht der Anspruch sein, dauerhaft in unteren Ligen vertreten zu sein.“

Der Klub bastelt an einem Förderverein im Verbund mit der Wirtschaft. „Wir wollen und können keine Spieler mit viel Geld anlocken, aber mit Firmen kann man vielleicht eine berufliche Perspektive bieten“, so Wettberg. Über neues Personal sei schon gesprochen worden. „Der Kader passt, aber bei der einen oder anderen Position müssen wir nachbessern.“ Karsten Wettberg sprüht einmal mehr vor Elan: „Es muss sich etwas rühren. Ich will eine fitte Mannschaft aufstellen, die den Fans erfolgreichen und attraktiven Fußball bietet.“

„Sicher mit Plagerei verbunden“

Der neue Coach kündigt „viele Einzelgespräche“ mit den Kickern an. „Ziele sind nur erreichbar, wenn die ganze Truppe mitzieht, mit Spaß an der Sache, aber ganz sicher auch mit Plagerei.“ Wie lange das Trainer-Urgestein Kelheim treubleibt? „Das entscheidet der da oben“, sagt der 71-Jährige.

Vita: Der „König von Giesing“ – 1990 bis 1992 war er Löwen-Coach und 2007/08 Vizepräsident – trat sein erstes (größeres) Traineramt 1974 beim SV Saal an. Spätere Stationen waren MTV und ESV Ingolstadt, SpVgg Landshut, SSV Jahn Regensburg, FC Augsburg, ASV Cham oder Freier TuS Regensburg. Mit dem Gewinn der bayerischen Hallenmeisterschaft im Winter mit Seligenporten feierte der Elsendorfer seinen 51. Titel als Trainer. Seit 2002 ist der frühere Postoberamtsrat in Pension.

Doppelleben: Ganz zu Beginn seiner Tätigkeit war Wettberg einmal parallel Coach bei zwei Klubs: „Ich machte den Spielertrainer beim TSV Sandelzhausen und betreute auch den SV Puttenhausen. Beide waren in verschiedenen Ligen. Puttenhausen wurde Meister.“

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