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Zwischen Held und Buhmann

Torhüter Raphael Marhöfer meistert eine Gratwanderung. Der Beinahe-Profi steht als Ostbayerns Fußballer des Jahres zur Wahl.
Von Alexander Roloff

Torhüter Raphael Marhöfer vom ATSV Kelheim (rotes Trikot) packt entschlossen zu. Foto: Rutrecht
Torhüter Raphael Marhöfer vom ATSV Kelheim (rotes Trikot) packt entschlossen zu. Foto: Rutrecht

Kelheim.Vor über vier Jahren erhielt Torhüter Raphael Marhöfer einen Anruf vom 1. FC Kaiserslautern. Der Traditionsverein, damals in der zweiten Fußball-Bundesliga angesiedelt, unterbreitete ihm das Angebot, als dritter Torhüter der Profimannschaft und Stammkeeper in der Regionalliga-Truppe zu agieren. Aber Marhöfer hatte sich bereits entschieden, eine neue berufliche Herausforderung in Bayern anzutreten.

„Ich war auf dem Weg nach Ingolstadt, eine Umkehr kam nicht mehr in Frage“, erzählt der 28-jährige Ausnahmetorwart, der seit dreieinhalb Jahren das Tor von Fußball-Bezirksligist ATSV Kelheim hütet.

Torhüter Raphael Marhöfer vom ATSV Kelheim blickt einen Kopfball von Abensbergs Angreifer Michael Keil am Tor vorbei. Foto: Roloff
Torhüter Raphael Marhöfer vom ATSV Kelheim blickt einen Kopfball von Abensbergs Angreifer Michael Keil am Tor vorbei. Foto: Roloff

Bereut habe er die Absage an den Betzenberg nicht: „Es gab eben andere Aufgaben zu erledigen.“ Diese wollte er auch ohne fußballerischen Druck erfüllen und gewährte sich eine einjährige Auszeit. Seine Ausflüge in diverse Individualsportarten schürten nur die Sehnsucht nach seiner großen Leidenschaft. „Es zog mich zum Mannschaftssport zurück. Ich bin auf dem Fußballplatz aufgewachsen. Mein Dad war bereits Torwart, mein Bruder Feldspieler.“

Als der Kontakt zum ATSV Kelheim zustande kam, war Marhöfer prompt wieder zurück. In der Restrückrunde der Landesliga 2014/15 vermochte Marhöfer den Abstieg nicht mehr abzuhalten. Es folgten zwei nervenaufreibende Spielzeiten in der Bezirksliga, in denen auf die großartige Paraden und die Regieanweisungen Marhöfers aus hinterster Linie Verlass war.

Der Garant für den Derbysieg

Auch heuer befinden sich die Kelheimer trotz der herausragenden Qualitäten von Marhöfer noch nicht auf der sorglosen Seite des Tableaus. „Wir waren immer wieder von Verletzungen geplagt, werden aber im Frühjahr alles daran setzen, um uns schnellstmöglich ins gesicherte Mittelfeld der Liga abzusetzen.“ Auch Marhöfer musste aufgrund einer Steißbeinprellung einige Spiel pausieren, lief aber bei seinen zwölf Einsätzen in Topform auf.

Bewunderung heimste Marhöfer ausgerechnet von Lokalrivale TSV Langquaid ein: „Wir hatten viele Chancen, aber Raphael Marhöfer war richtig stark. Er hat überragend gehalten“, lobte Dietmar Listl, Sprecher des TSV Langquaid, die Glanztaten Marhöfers, die Langquaid eine 1:3-Derbypleite bescherten. Aufgrund seiner Reichweite zählt das Spiel auf der Torlinie zu den Vorzügen des 1,89 Meter großen Keepers. Aber auch im Strafraum räumt er gerne auf.

Raphael Marhöfer hütet seit dreieinhalb Jahren das Tor von Fußball-Bezirksligist ATSV Kelheim. Foto: Florian Laußer
Raphael Marhöfer hütet seit dreieinhalb Jahren das Tor von Fußball-Bezirksligist ATSV Kelheim. Foto: Florian Laußer

Der 28-Jährige räumt ein, dass er ein „durchaus kompletter Torwart mit vielleicht etwas zu wenig Technik“ sei. „Ich durfte eine höherklassige Ausbildung genießen, da nimmt man viele Dinge mit“, erklärt Marhöfer. Diese habe er aber nicht im Vorübergehen aufgeschnappt, sondern sich hart erarbeitet. Natürlich sei von Vorteil gewesen, dass er mit vielen Trainern und Spielern aus höheren Ligen zusammengearbeitet habe, die ihre Erfahrungen an ihn weitergaben.

Manchmal bin ich etwas aufbrausend. Aber ich verlange eben viel von mir und den anderen.

Raphael Marhöfer

Aus seiner Ausbildung leitet Marhöfer einen hohen Anspruch an sich ab. „Ich habe viel Zeit auf dem Fußballplatz investiert und großen Ehrgeiz entwickelt. Als Torwart kannst du der große Held sein oder auch der Buhmann. Leider übermannt mich manchmal mein Temperament.“

Ehrgeiz bremst manchmal aus

In der Vorsaison habe er zwei Platzverweise kassiert. „Das darf einem Führungsspieler nicht passieren“, sagt er selbstkritisch. „Manchmal bin ich etwas aufbrausend. Aber ich verlange eben viel von mir und den anderen. Meine Wesenszüge auf dem Platz gründen darauf, dass ich nie aufgebe und immer gewinnen will. Jetzt schnaufe ich aber lieber zwei Mal durch.“

Der Weg zur Wahl

  • Grundlage:

    Seine Qualitäten hat sich Raphael Marhöfer in der Jugend vom FC Fehrbach erarbeitet. Dort schaffte er es in der U19 bis hinauf in die Regionalliga. Es folgten die ersten Herrenjahre beim FK Pirmasens und SC Hauenstein in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar.

  • Votum: Unter www.mittelbayerische.de/erlebniswelt/sportler-des-jahres kann online für Raphael Marhöfer gestimmt werden.

Mittlerweile ist Marhöfer im Regensburger Raum ansässig und als Projektmanager bei Continental tätig. Vom Umfeld, das der ATSV Kelheim bietet, ist der 28-Jährige begeistert. „Mir gefällt es hier. Der ATSV ist ein super Verein mit einem tollen Team und auch im Umfeld geben sich alle große Mühe.“ Aus diesem Grund werde der Verbleib beim ATSV immer eine Option sein. Ob er sich die Fahrten mit 40 Kilometer zum Training nach der Geburt seines wenige Wochen alten Sohnes noch lange gönnen möchte, werde der Jungvater neu bewerten.

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