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Harrers Pech überschattet Team-EM

Die Regensburger Läufer tragen 27 Punkte zu Platz zwei für Deutschland bei. Aber eine Wadenverletzung sorgt für Tränen.

Schlechte Nachrichten für Kurt Ring und seinen Schützling: Corinna Harrer hat sich in Tscheboksary wieder verletzt.
Schlechte Nachrichten für Kurt Ring und seinen Schützling: Corinna Harrer hat sich in Tscheboksary wieder verletzt. Foto: Brüssel

Tscheboksary.Platz zwei für Maren Kock, Platz vier für Florian Orth und Platz sechs für Corinna Harrer: Das waren die nackten Zahlen des Regensburger Trios, das bei der Team-Europameisterschaft im russischen Tscheboksary für Deutschland 27 der insgesamt 346,5 Punkte erlief. Dass Gastgeber Russland, der am Ende 22 Punkte Vorsprung hatte und den Wettbewerb schon zum vierten Mal seit 2010 gewann, schwer zu schlagen sein würde, war im Vorfeld klar. „Ich denke einfach, dass man ein russisches Team nur schlagen kann, wenn alles zu 100 Prozent und mit vielen Überraschungen funktioniert wie im letzten Jahr in Braunschweig“, sagte DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska.

Doch aus Oberpfälzer Sicht war das Thema sowieso ein ganz anderes: Corinna Harrer hatte ihr Rennen über 1500 Meter nur humpelnd beenden können und rettete sieben Punkte für Deutschland ins Ziel. Erste Diagnose: Muskelfaserriss in der Wade, vielleicht sogar noch schlimmer. „Sie hat schon nach 700 Metern bei einer Kollision einen Tritt bekommen und 100 Meter vor dem Ziel einen stechenden Schmerz gespürt“, berichtete ihr Kurt Ring drei Stunden nach dem Rennen von einer „heulenden Coco“, die „nicht auftreten kann, irrsinnige Schmerzen hat und bis oben einbandagiert ist“.

Die 24-Jährige, die auf die Jagd nach der Norm für die Weltmeisterschaft in Peking gehen wollte, bleibt nach zwei von Krankheit und Verletzung geprägten Jahren also auch 2015 ein Pechvogel. „Mal schauen, wie lange das dauert. Es ist stark eingeblutet. Wir werden sie am Montag vom Flughafen abholen und sofort zur MRT bringen. Aber die Saison ist wohl gelaufen“, sagt Ring. „Da bräuchte es schon so etwas wie eine Wunderheilung.“

Maren Kock zeigt ein coruagiertes Rennen.
Maren Kock zeigt ein coruagiertes Rennen. Foto: dpa

Die Verletzung Harrers am Sonntag überschattete in Tscheboksary das gelungene Auftreten der beiden anderen Läufer der LG Telis Finanz Regensburg schon am Samstag. Vor allem Maren Kock, die als Deutschlands Jahresschnellste ursprünglich auf die 1500 Meter spekuliert hatte, zeigte als Zweite über 3000 Meter ein couragiertes Rennen, ließ sich nur auf der Zielgeraden noch von der Polin Sofia Ennaoui überspurten und war im Fernsehinterview entsprechend stolz: „Ich habe gezeigt, was für eine gute Sportlerin ich bin.“ Auch Ring lobte: „Das war gut.“

Maren Kocks Lebensgefährte Florian Orth wird Vierter.
Maren Kocks Lebensgefährte Florian Orth wird Vierter. Archiv-Foto: Kiefner

Maren Kocks Freund Florian Orth tat es ihr nicht ganz gleich. „Es war das erwartete Spurtrennen“, sagte der Hesse im Regensburg-Trikot nach seinem vierten Platz und war vor allem mit seiner letzten Runde zufrieden: „52 Sekunden – das ist das, wo ich hinwollte und auch mal war.“ Allerdings weiß der Zahnmedizin-Student: „Staatsexamen machen und Rennen laufen, ist ein bisschen schwierig.“ Das fiel auch Kurt Ring aus der Ferne im Fernsehen auf: „Er macht eben seine Prüfungen und wirkt nicht ganz frisch.“

17 Platzierungen in den Top drei

Auch ohne Diskus-Ass Robert Harting, der sich nach seinem Kreuzbandriss gerade in Form bringt, überzeugte das deutsche Team. Sonntagssiege feierten Kugelstoß-Europameisterin Christina Schwanitz und 3000-Meter-Mann Richard Ringer. Am ersten Tag sorgten Kugelstoßer David Storl, Speerwurf-Weltmeisterin Christina Obergföll, Stabhochspringerin Silke Spiegelburg und Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause für deutsche Erfolge.Am Ende reichten sechs Siege, fünf zweite und sechs dritte Plätze nicht, um den Coup von Braunschweig zu wiederholen.

Kommentar

Unerträglich und respektlos

Wir kennen das vom Fußball: Mancher Fan würde bisweilen am liebsten den Ton abdrehen. Würde das nicht die Stadion-Atmosphäre im Wohnzimmer killen bzw....

Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe hätte seinen Dauerrivalen Renaud Lavillenie richtig ärgern können, weil der Franzose bei zwei Fehlversuchen schwächelte. Am Ende war die Sprung-Ordnung wieder hergestellt: Olympiasieger Lavillenie gewann mit 5,85 Metern, Holzdeppe sprang genauso hoch und musste sich trotz Saisonbestleistung mit Rang zwei zufrieden geben. Bei Teamkapitänin Betty Heidler riss die Siegesserie der Team-EM. Die ehemalige Hammerwurf-Weltrekordlerin haute im letzten Versuch 75,73 Meter raus, doch die Polin Anita Wlodarczyk konterte: 78,28 Meter. (dpa/cw)

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