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Leichtathletik

Pohl, die EM-Norm und der Urschrei

Der beste 100-Meter-Mann lief im B-Finale der Regensburger Sparkassen-Gala. Rekordhalter Reus verzichtete aufs Finale.
Von Claus-Dieter Wotruba

Ein Urschrei – und alle freuen sich mit: Michael Pohl war in 10,22 Sekunden als Sieger im B-Finale schneller als der A-Lauf-Sieger. Foto: Brüssel
Ein Urschrei – und alle freuen sich mit: Michael Pohl war in 10,22 Sekunden als Sieger im B-Finale schneller als der A-Lauf-Sieger. Foto: Brüssel

Regensburg. Nicht alles ist berechenbar: Es hätte Logik, wenn der deutsche Rekordhalter über 100 Meter auch der schnellste Mann wäre. Doch die Sparkassen-Gala in Regensburg war nicht der Tag von Julian Reus: Nach seinen 10,47 Sekunden verzichtete er angeschlagen auf das Finale. Es hätte auch Logik, wenn der Sieger eines A-Finales schneller als der Sieger eines A-Endlaufs wäre. Auch das war nicht der Fall – und so hieß der Sprinter des Tages am Sonntag im Unistadion von Regensburg Michael Pohl.

Der 28-Jährige vom Sprintteam Wetzlar nennt sich selbst den „schnellsten Hobbyläufer“ Deutschlands. Er trainiert sechs Stunden die Woche und schreibt seine Trainingspläne selber, erzählte er dem Portal leichtathletik.de anlässlich der Hallen-WM. In Regensburg rückte er auch durch den Reus-Ausfall trotz seiner 10,52 Sekunden noch ins B-Finale nach – und gewann.

Auch der B-Lauf-Zweite jubelt

Mit einem Urschrei feierte er schon die 10,24 Sekunden, die zunächst auf der Anzeigentafel erschienen – und erst recht, als die Zeit noch um zwei Hundertstel auf 10,22 nach unten korrigiert worden war. Deutsche Jahresbestleistung und EM-Norm für Berlin (7. bis 12. August) war es so oder so. Und der B-Lauf-Zweite Markus Fuchs aus Österreich freute sich gleich mit, weil er in 10,35 die Norm seines Landes ebenfalls erfüllt hatte.

„Ich wusste, dass ich nach den 10,5 im Vorlauf bei 1,5 Metern Gegenwind unter 10,3 bleiben kann“, berichtete Pohl und hatte den Eindruck, länger als 100 Meter unterwegs zu sein. „Sonst vergeht das schneller.“ Mit der Zeit hat Pohl schon einmal „etwas auf der Tafel und das ist viel wert“. Auch auf die deutschen Meisterschaften in Nürnberg (21./22. Juli) freut er sich schon: „Ich bin ein Meisterschaftsmensch.“ Obendrein hatte Pohl auch schnell nach dem Rennen im Kopf, eine Uralt-Rekordmarke einer Sprintlegende gelöscht zu haben. „Die 10,22 sind ein neuer Hessen-Rekord. Den hatte vorher Armin Hary“ – und 1960 in Zürich aufgestellt. Nur in der Staffel klappte es nicht: Pohls Quartett brachte den Stab genauso wenig ins Ziel wie die deutsche U-20-Staffel.

Nur die USA waren schneller

Dafür aber glänzten hier die Frauen. Gina Lückenkemper vollendete mit Rebekka Haase, Keshia Kwado und Tatjana Pinto als Schlussläuferin eine 42,28, was über eine Sekunde unter der EM-Norm lag, zum Staffel-Saisoneinstieg den Sprung auf Platz eins der europäischen Jahresbestenliste und Rang zwei der Weltbestenliste 2018 hinter einer US-Staffel bedeutete. „Die Zeit hätte auch WM-Bronze gebracht“, ordnete Gala-Meeting-Direktor und DLV-Vizepräsident Jochen Schweitzer die Leistung ein. „Wenn sie das in Berlin bringen können, dann werden sie kaum zu schlagen sein.“

Staffeltests für die Damen wird es noch in Lausanne und London geben. Tatjana Pinto hatte auch im Einzel geglänzt und sich nach jahrelangen Starts in Regensburg über eine persönliche Unistadion-Bestleistung gefreut. „Das war meine beste Zeit hier.“ Die 11,11 Sekunden aus dem Vorlauf bestätigte sie in 11,15 als A-Lauf-Siegerin – „und das trotz zweimal Gegenwind“, sagt Pinto. „So kann es weitergehen.“ Der Zeitenwert von Regensburg sollte auch in den EM-Endlauf von Berlin führen. „Und da will ich hin“, sagt Pinto. Nach Regensburg kommt 25-jährige Staffel-Europameisterin von Helsinki 2012 immer wieder gerne. „Hier ist einfach immer schönes Wetter. Fehlt nur der Wind und den kann man halt nicht immer so genau steuern.“

Übrigens: Nach den Frauenläufen verhinderte erst der engagierter Sprint eines Helfers, dass die Laufrichtung bei den Männern gedreht wurde. Michael Pohl war’s recht: Er hatte nämlich 0,8 Meter/Sekunde Rückenwind.

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