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„Mich wundert, dass er sich das antut“

Motorsport-Legende Walter Röhrl sprach mit Dieter Krelle über Michael Schumachers Comeback-Pläne und die Krise der Rallye-WM.

Walter Röhrl, der zweimalige Rallye-Weltmeister, legt auch als Repräsentant der Porsche AG die Messlatte immer noch sehr hoch: Wenn er etwas vertritt, soll es auch das Beste sein. Foto: dpa

Regensburg. Rekordweltmeister Michael Schumacher würde sich mit einer Rückkehr in den Formel-1-Zirkus „ganz schön was antun“, glaubt der zweimalige Rallye-Weltmeister Walter Röhrl (62) aus Regensburg. Im Gespräch mit der MZ-Sportredaktion macht sich der Porsche-Repräsentant auch seine Gedanken über den Ausflug des Finnen Kimi Raikkönen in die Rallye-Weltmeisterschaft.

Herr Röhrl, Sie haben ihren Vertrag mit Porsche wieder verlängert.

Walter Röhrl: Das ist richtig. Und ich habe das auch aus Neugierde über die Entwicklung im VW-Konzern und bei Porsche getan. Ich bin gespannt, wie es da weitergeht. Audi, für das ich aus Anlass des 100-jährigen Bestehens eine besondere Freistellung hatte, liegt mir besonders am Herzen, weil ich da zehn schöne Jahre hatte. Am Ende des Jahres werde ich bei Porsche immer gefragt, ob ich noch weitermache. Ich sagte ja, weil 2009 mir viel Spaß brachte – und ein wenig auch deshalb, weil ich Bedenken habe, mich auf null zurückzufahren.

Es gibt da einen siebenmaligen Weltmeister, dem es anscheinend ähnlich geht.

Walter Röhrl: Was Michael Schumacher zu seinen Comeback-Gedanken in der Formel 1 bewogen hat, kann ich nicht sagen. Aber ich muss mich wirklich wundern, dass er sich das antun will. Bei seinem Rücktritt vor drei Jahren hätte ich so etwas nicht mehr erwartet. Vielleicht ist es ja die Sehnsucht nach den Grenzwert-Erfahrungen. Er ist nicht als Typ Familienvater einzuordnen, der ruhiger wird, wenn sich Nachwuchs einstellt. Schon daran sieht man, dass er anders tickt.

Ist das nicht ein besonderes Risiko?

Walter Röhrl: Von den Erwartungen und den Anforderungen her sicherlich. Als deutscher Fahrer bei einer deutschen Firma wie Mercedes-Benz, deren Formel-1-Engagement ja auch nicht unumstritten ist – da steigt der Stress zehn zu eins. Ich weiß das aus meiner Rallye-Zeit. Da waren meine erfolgreichen Jahre in Italien weitaus entspannter als bei meinen Verpflichtungen in Deutschland. Vielleicht ist ihm da ja die Zusammenarbeit mit Ross Brawn eine Hilfe.

Haben Sie Bedenken, dass Schumacher sich übernimmt?

Walter Röhrl: Fit genug ist er bestimmt. Er wird körperlich mindestens ebenso gut drauf sein, wie ich es mit 41 war. Und sein fahrerisches Vermögen ist schon gar nicht in Zweifel zu ziehen. Wenn man sieht, was Rubens Barrichello in dieser Saison geleistet hat, weiß man, was man von Michael erwarten darf, wenn seine Nackenprobleme nach dem Motorradsturz tatsächlich überwunden sind.

Sebastian Vettel hat sich heuer als WM-Titelkandidat profiliert. Könnte Schumi diese Rolle beeinträchtigen?

Walter Röhrl: Ich glaube, der Erwartungsdruck auf einen siebenmaligen Weltmeister wird größer sein, als der auf den Newcomer. Aber sicher ist da nicht nur der deutsche Aspekt und der Vergleich mit Herausforderern wie Nico Rosberg, Timo Glock oder Adrian Sutil interessant. Wenn man so will, hofft der ganze Formel-1-Zirkus mitten in seinen Turbulenzen auf den Schumacher-Effekt.

Ein anderer Formel-1-Weltmeister pausiert 2010 und wagt stattdessen das Rallye-Abenteuer. Geht das gut für Kimi Raikkönen?

Walter Röhrl: Für einen Skandinavier ist dieser Sport schlechthin ein bisschen leichter. Deshalb wundert mich Kimis Entschluss nicht. Ich kann ihm aber sagen, dass die Umstellung ganz schwer wird, denn Rallyefahren erfordert ein hohes Maß an Disziplin. Da gibt es keine Auslaufzonen wie auf den Rennstrecken. Jeder Fehler kann lebensgefährlich sein. Die Szene kann aber einen Farbtupfer wie Raikkönen echt gebrauchen, weil ein Dauerweltmeister Sebastian Loeb letztlich für Langeweile sorgt. Zu meiner Zeit gab es in jedem Jahr zwölf bis 15 WM-Anwärter. Damals wurden die Sonderprüfungen auch nicht mehrmals wiederholt.

Im Ausland gibt es noch viel Rallye-Begeisterung – in Deutschland aber nicht.

Walter Röhrl: Man sieht es daran, dass für die Deutsche Meisterschaft 2010 nur noch fünf Läufe zustande kommen. Sponsoren-Ausfälle wegen der Wirtschaftskrise und die starken Einschränkungen im Rahmen des Umweltschutzes lassen nur noch wenig zu. Wie es im Ausland ist, habe im November bei der Costa-Brava-Historic-Rallye erlebt. Da stand ich richtig unter Strom, weil ich vor 35 Jahren dort im Rahmen der EM unterwegs war. Bei der ältesten spanischen Rallye zu verlieren, die einfach nur ein Riesenfest war, hätte sich für mein Selbstverständnis nicht so gut gemacht. Mein in Spanien lebender Beifahrer Peter Göbel hatte zwar einen Porsche 911 RSR neu aufgebaut, aber die komplette europäische Oldtimer-Elite ohne Training zu besiegen, war schon ein besonderes Erlebnis.

Der Anspruch, der Beste zu sein, spornt Sie also immer noch an.

Walter Röhrl: Und wie! Das ist auch mein Credo als Repräsentant bei der Porsche AG, die nach wie vor eine höchst veritable Firma ist. Wenn ich etwas vertrete, dann soll es das Beste sein. Und ich glaube, das kann ich glaubwürdig rüberbringen, Deshalb will man mich dort auch noch möglichst lange haben.

Sie sind mit ihrem Werdegang sehr zufrieden?

Walter Röhrl: Ich habe Glück gehabt. Ich habe zwar mal gesagt, mit 40 sollst du an ans Sterben denken, doch mein Abschied aus der Rallye-WM-Szene, 1988 nach der Abschaffung der Gruppe B, war alles andere als ein Fall ins Nichts. Drei Jahre lang habe ich an der Audi-Siegesserie in der amerikanischen Trans-Am-Serie mitgewirkt. Und diesen Antrieb habe ich mir erhalten. Wenn ich mich heute nach 30 rennmäßigen Runden in der „Grünen Hölle” des Nürburgrings ans Steuer setze, um 600 Kilometer heimzufahren, dann weiß ich, dass ich vieles richtig gemacht habe.

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