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Sport aus Neumarkt
Sonntag, 23. September 2018 21° 8

Schwimmen

Alicia Urschel im Kreis der Jugendelite

Die 15-Jährige vom TV Parsberg kam bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Berlin nicht an ihre Bestleistung heran.
Von Günter Treiber

In 28,54 Sekunden schaffte Alicia Urschel ihre 50 Meter Freistil. Foto: Eddi Bachmann
In 28,54 Sekunden schaffte Alicia Urschel ihre 50 Meter Freistil. Foto: Eddi Bachmann

Parsberg.Die Top- Schwimmerin des TV Parsberg, Alicia Urschel, war mit ihrem Betreuer Roland Böll nach Berlin gereist, um bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften auf der Langbahn ihre Lieblingsdistanz – 50 Meter Freistil – zu schwimmen. Für die 15-Jährige war dies nicht nur ein sportliches Erlebnis, sondern gleichermaßen ein geselliges und gesellschaftliches Ereignis, denn sie traf viele Menschen, die ihren sportlichen Weg begleitet haben. Und für den TV Parsberg, ihrem Heimatverein, ist die Teilnahme einer Schwimmerin aus dem eigenen Verein schon etwas Herausragendes.

Mit ihrem späteren Lauf über 50 Meter Freistil zeigte sich die engagierte Schwimmerin nicht so ganz zufrieden. In 28,54 Sekunden schlug sie als Vierte an. „Ich war doch schon viel schneller unterwegs“, ärgerte sich Alicia, „und hätte mir gewünscht, dass mir das gerade auch beim Saisonhöhepunkt deutsche Meisterschaften gelingt.“ Betreuer Richard Urschel aber meinte, dass diese Zeit im Rahmen ihres momentanen Leistungsvermögens liege. Insgesamt belegte sie damit den 32. Platz.

In Berlin saß auf der Tribüne Papa Richard Urschel, der seine Tochter betreute und anfeuerte. Foto: Treiber
In Berlin saß auf der Tribüne Papa Richard Urschel, der seine Tochter betreute und anfeuerte. Foto: Treiber

Aus ihrer Trainingsgruppe vom Landesverbands-Stützpunkt Erlangen waren außerdem Emma Veit und Michael Bachmann dabei, die sich ebenfalls qualifiziert hatten. Für das Trio begannen die deutschen Meisterschaften schon im heimischen Schwimmbecken in Erlangen, denn am Montag ging es in aller Frühe mit einem 2000-Meter-Anschwimmen los, bevor im Anschluss das Erlebnis Berlin in Angriff genommen wurde. Und die lange Anfahrt wurde meist schlafend verbracht.

Auch so eine Großveranstaltung muss der Sicherheit Rechnung tragen. So hieß es dann, sich akkreditieren lassen, denn ohne Akkreditierung und entsprechenden Ausweis kam man auch im Berliner Europasportpark nirgendwo hin. Danach habe dann das erste Wassertraining im Wettkampfbecken auf dem Programm gestanden, so Vater Richard Urschel.

Mit Bewunderung und Erstaunen

„Von verschiedenen Seiten wurden wir wieder auf Alicias schwierige äußeren Bedingungen und die komplizierte Trainingssituation angesprochen“, berichtete Richard Urschel, „immer mit Bewunderung und Erstaunen, dass sie trotzdem zu solchen Leistungen fähig ist.“ Berücksichtigt man an diese Bedingungen, nämlich zum intensiven Training dreimal in der Woche von Parsberg nach Erlangen zu fahren, dann sei allein das eine großartige Leistung, sich für die deutschen Meisterschaften qualifiziert zu haben.

„Wer hier schwimmt“, sagte ihr ehemaliger Stützpunkttrainer Stefan Döbler, der mittlerweile am Olympiastützpunkt Magdeburg arbeitet, „der gehört zur absoluten deutschen Spitze.“

Dr. Ines Schmid ist stolz auf ihre Schwimmerin Alicia Urschel. Foto: Treiber
Dr. Ines Schmid ist stolz auf ihre Schwimmerin Alicia Urschel. Foto: Treiber

Auch Alicias aktuelle Stützpunkttrainerin, Jill Becker, ging kurz auf die Situation der 15-Jährigen ein: „Alicia hat eine schwierige Saison hinter sich“, sagte Becker, „die hat ihr sehr viel Kraft gekostet.“

Ihre derzeitige Leistungsschwäche sei ganz normal für Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren und für Mädchen im ganz Besonderen. „Der ganze Körper verändert sich“, erklärte die Trainerin, „Alicia ist außerdem sehr schnell gewachsen und die Pubertät kommt dazu.“

Das alles müsse sie erst wieder auf die Reihe bringen, um ihr Leistungspotenzial im Wasser wieder ausschöpfen zu können. Es habe schon qualifizierte Sportler gegeben, die in diesem Alter frustriert aufgehört haben, meinte Becker.

Auf die Frage, wie es mit Alicia denn weitergehen könnte, meinte Jill Becker, dass das ganz einfach sei. Sie müsse ihren derzeitigen körperlichen Zustand akzeptieren, motiviert dabeibleiben und weiter trainieren. Das Training sollte allerdings weiter in Erlangen betrieben werden, wo sie ihre eigene Bahn schwimmen könne. Vater Richard Urschel ergänzte, dass man zu Schulzeiten eh schon drei- bis viermal in der Woche in Erlangen sei und in den Ferien manchmal auch täglich.

Stolz sind ihre Freunde in der Schwimmabteilung des TV Parsberg, dass sie wieder eine Schwimmerin in ihren Reihen haben, die bei deutschen Meisterschaften dabei sein kann. „Ich bin mächtig stolz auf Alicia“, sagte Abteilungsleiterin Dr. Ines Schmid, „wir würden uns nur wünschen, dass sie öfter bei uns mitschwimmen könnte, denn sie gehört zu uns.“ Dr. Schmid betonte, dass Alicia immer die Unterstützung der gesamten Abteilung gehabt habe und weiter haben werde.

Für die 15-jährige Schülerin des Gymnasiums Parsberg schwamm bei den deutschen Jahrgangs-Meisterschaften über 50 Metern Freistil.Foto: Treiber
Für die 15-jährige Schülerin des Gymnasiums Parsberg schwamm bei den deutschen Jahrgangs-Meisterschaften über 50 Metern Freistil.Foto: Treiber

Man sei aber auch stolz auf die eigene Leistung, denn ohne den TV Parsberg, bei dem sie von Anbeginn ihrer Karriere trainiert hat und mitgeschwommen ist, wäre sie ja nicht so weit gekommen. Sicher, was ein Techniktraining betrifft, da sei ein Stützpunkttraining schon etwas Besseres. Und „wenn sie nicht so einen tollen Vater hätte“, so Dr. Schmid, „dann ginge gar nichts“. Erfreut konnte Dr. Schmid in diesem Zusammenhang berichten, dass man künftig im Freibad eine zweite Bahn abgrenzen dürfe, damit sie ganz für sich trainieren kann.

Ganz andere Bedingungen fand die 15-jährige Parsbergerin hingegen bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Berlin vor. Die weiteren Tage, die sie dort noch verbrachte, folgten in der Regel dem gleichen Schema: Um 7 Uhr Training mit für jeden persönlich zugeschnittenem Plan und Einschwimmen. Wettkampfbeginn war dann stets um 8.30 Uhr. Dabei wurde Alicia von den Mannschaftskollegen kräftig angefeuert. In der Mittagspause gab es eine gemeinsame Verpflegung und ab 15 Uhr begann derselbe Ablauf wie am Vormittag mit Training, Einschwimmen, Anfeuern und gemeinsamen Essen. Die Bettruhe war dann für 21 Uhr angeordnet.

Viele Freunde wieder getroffen

Für Alicia Urschel war es auch gesellschaftlich und gesellig eine tolle Woche, in der sie viel erlebt und viele Freunde aus dem Schwimmsport aus ganz Deutschland wieder getroffen hat. Denn auch Alicia hatte an einem Tag nach dem Frühtraining die restliche Zeit des Tages für sich zur Verfügung. Diese Zeit nutzte die Parsbergerin für Sightseeing mit der Familie und zum Shoppen.

Besonders freute sich Alicia Urschel auch, viele ihrer Schwimmfreundinnen aus ganz Deutschland getroffen und täglich etwas Zeit füreinander gehabt zu haben. Überhaupt waren die Meisterschaften wieder eine gute Gelegenheit, viele schon lange bestehende Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen – für Athleten und Betreuer.

Für Alicia Urschel ist die Saison noch lange nicht beendet. Vom 30. Juni bis 1. Juli finden die Oberpfalz-Meisterschaften auf der Langbahn in Tirschenreuth statt. Und da freuen sich schon ihre Vereinskollegen, dass sie von ihr unterstützt werden, was vor allem bei den Staffelwettbewerben ein großer Vorteil sein dürfte.

Weiter geht es dann für Alicia Urschel mit den bayerischen Jahrgangsmeisterschaften, die vom 13. bis 15. Juli in Nürnberg stattfinden. Dann findet für die engagierte Schwimmerin noch Training bis 25. August statt, bevor es in die Saisonpause geht.

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