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Triathlon

Challenge Roth: Der Weg zum Spektakel

Was in Roth einst als kleiner Wettkampf begann, ist zu einem Großereignis geworden – nicht immer waren die Zeiten leicht.
Von Thorsten Drenkard

Ein heißer Siegkandidat: Sebastian Kienle will bei seinem dritten Start in Roth triumphieren. Foto: Arne Dedert/dpa
Ein heißer Siegkandidat: Sebastian Kienle will bei seinem dritten Start in Roth triumphieren. Foto: Arne Dedert/dpa

Roth.Was ein Triathlon, geschweige denn ein Ironman eigentlich genau ist, das wussten die wenigsten Menschen hierzulande im Jahr 1984. Einer jener idealistischen Sonderlinge, die sich mit dem damals weitgehend unbekannten Zusammenspiel aus Schwimmen, Radfahren und Laufen bestens auskannten, war Detlef Kühnel aus Roth.

Der heute 73-Jährige war Anfang der 80er-Jahre einer der ersten europäischen Triathleten überhaupt, die so verrückt oder motiviert waren – je nach Sichtweise –, sich beim legendären Ironman in Hawaii zu quälen und zu schinden.

Er war es dann auch, der gemeinsam mit unentwegten Mitgliedern der 1984 gegründeten Triathlonabteilung des TSV Roth den allerersten Schwimm-, Radfahr- und Laufwettbewerb im heimischen Roth zum Leben erweckte. Im Jahr 1984 hieß die überschaubare Premiere noch „Franken-Triathlon“ und lockte lediglich knapp 130 Starter an.

Ultimative Herausforderung

Wenn an diesem Sonntag zum 35.Mal ein Langdistanz-Triathlon in den mittelfränkischen Landkreis lockt, werden rund 3400 Einzelstarter und 650 Staffeln die ultimative sportliche Herausforderung suchen. Aus dem „Franken-Triathlon“ ist längst die weltweit strahlende Marke Challenge Roth geworden, die zwischenzeitlich jahrelang unter dem Ironman-Label lief.

Bis zu 250.000 Zuschauer werden laut Polizeiangaben an den Schwimm-, Rad- und Laufstrecken dieser riesigen Sportveranstaltung erwartet. Das sind knapp doppelt so viele Menschen, wie im benachbarten Landkreis Neumarkt (130000 Einwohner) leben. So viel zur mittlerweile gigantischen Dimension dieses Langdistanz-Spektakels.

Ohne den Ironman-Pionier Kühnel gäbe es diese international renommierte und mehrfach ausgezeichnete Sportveranstaltung nicht. Ebenso nicht ohne das unermüdliche und ausdauernde Engagement der Familie Walchshöfer, welche seit Jahrzehnten federführend die Triathlon-Erfolgsgeschichte von Roth schreibt – und während dieser Zeit auch schweren Schicksals- und Rückschläge meisterte.

Die Triathlongemeinde trauerte

So starb 2007 der zu diesem Zeitpunkt bereits langjährige Organisator Herbert Walchshöfer, dessen Tod die Triathlongemeinde rund um die Welt trauern ließ.

Seine Frau Alice, sein Sohn Felix und seine Tochter Kathrin führen bis heute das Vermächtnis Herbert Walchshöfers mit Hingabe und Liebe zum Sport und den Menschen vor Ort. Der Challenge wird von den Menschen in der Region gelebt. Rund 7000 Helfer packen jährlich mit an, dieses gigantomanische Sportevent zu wuppen, darunter auch viele Enthusiasten aus Neumarkt.

Hier sehen Sie eine Bildergalerie vom Streckenabschnitt am Solarer Berg:

Die glücklichen Gesichter des Solarer Bergs

Zwischenzeitlich hatte der Langdistanz-Triathlon-Wettbewerb in Roth finanziell arg zu knabbern. Nach dem Wechsel vom Ironman-Dach hin zum Challenge beispielsweise war es eine nerven- und schweißtreibende Herausforderung für die Walchshöfers, finanzielle Förderer zu finden. Auch die Quelle-Insolvenz und der Rückzug der Post als Geldgeber rissen tiefe Lücken in den Etat. Von dieser wirtschaftlichen Talfahrt hat sich der Challenge mittlerweile längst erholt, auch dank des potenten Hauptsponsors Datev.

So ist es der Familie Walchshöfer bei der 35. Jubiläums-Auflage auch möglich, an diesem Sonntag 200.000 US-Dollar an Preisgeld auszuschütten – doppelt so viel wie in den Jahren zuvor. Eine weitere Neuerung zur Jubiläums-Veranstaltung betrifft die Laufstrecke, die nach 2017 abermals abgeändert wurde.

Hier sehen Sie eine Grafik der Radstrecke:

Erst im Vorjahr hatten die Veranstalter den Kurs am alten Kanal durch eine hügeligere Strecke abgelöst. Das kam nicht bei allen Athleten (und Zuschauern) gut an. Für den bevorstehenden Challenge haben die Veranstalter die Strecken am Kanal sowie den Abschnitt über Büchenbach vereint.

„Wir haben damit auf die Wünsche der Athleten reagiert. Die Sicherheit der Athleten und die Zuschauerfreundlichkeit bleiben gewährleistet“, begründete Felix Walchshöfer diesen Schritt. Anstatt der 330 Höhenmeter des Vorjahres sind heuer lediglich 160 Höhenmeter zu meistern. Zudem führt der Ein-Runden-Kurs nahezu ausschließlich über Asphalt.

Einige der Favoriten in der Info-Box:

Einige der Favoriten auf den Sieg

  • Andreas Dreitz

    aus Oberfranken geht erstmals an den Start. Er gewann 2017 den Ironman Italy.

  • Lucy Charles

    gewann 2017 den Ironman auf Lanzarote und die „Challenge World Championships“.

  • Daniela Sämmler

    gewann in überragender Manier beim Ironman 2017 in Hamburg und will in Roth den Sieg.

Die Distanz, welche die heimischen und internationalen Starter in ihren Laufschuhen zurücklegen müssen, ist freilich bei unveränderten 42,195 Kilometern geblieben. Diese gilt es zum Abschluss des Langdistanz-Rennens zu bewältigen, nachdem die Triathleten bereits 3,8 Kilometer im Main-Donau-Kanal geschwommen sind sowie 180 Kilometer in die Fahrradpedale getreten haben.

Ab 6.30 Uhr werden die ersten Starter an der Lände in Hilpoltstein ins Wasser springen, erst gegen 22.30 Uhr, wenn es bereits dunkel geworden sein wird, werden die letzten Triathleten im Ziel erwartet.

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