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Triathlon

Challenge Roth: Heißer Tag der Rekorde

Sebastian Kienle holt sich den Sieg bei den Männern. Bei den Frauen gewinnt Daniela Sämmler in einem Herzschlagfinale.
Von Thorsten Drenkard

Sebastian Kienle triumphierte in Roth. Fotos: Karmann/dpa/Eibner/Weller
Sebastian Kienle triumphierte in Roth. Fotos: Karmann/dpa/Eibner/Weller

Roth.Auf diese Umarmung hatte Sebastian Kienle 7:46:23 Stunden hingearbeitet. Als der 33-Jährige völlig abgekämpft, aber mit einem Lächeln auf den Lippen unter dem Applaus der Zuschauer die Ziellinie im Stadion Roth als erster Triathlet überquert hatte, drückte und herzte ihn Felix Walchshöfer. Das hat Tradition beim Challenge Roth, bei dem der Rennleiter stets den Sieger als ersten in die Arme schließt.

Daniela Sämmler im Ziel  Foto: Christoph Raithel
Daniela Sämmler im Ziel Foto: Christoph Raithel

Genau dieser Sieg beim Challenge-Spektakel hatte Kienle bis Sonntagnachmittag noch gefehlt. Zweimal war er bei seinen Starts auf dem zweiten Platz gelandet, diesmal war er der Schnellste – und zusätzlich um 40.000 US Dollar reicher. Auf die erste Frage im Zielraum, wie er sich denn nun so fühle, nachdem er in irrsinnigem Tempo 3,8 Kilometer geschwommen, 180 Kilometer geradelt und 42 Kilometer gelaufen war, gestand ein ausgepumpter Kienle: „Ich weiß gar nicht so recht wie es mir geht. Ich glaube eher gut.“

„Vor so einer Kulisse fühlt sich der Schmerz etwas süßer und der Sieg etwas schöner an.“

Sieger Sebastian Kienle

Dann schwärmte er von der Roth-Atmosphäre. „Vor so einer Kulisse fühlt sich der Schmerz etwas süßer und der Sieg etwas schöner an“. Direkt hinter ihm platzierte sich Andreas Dreitz aus Oberfranken auf Rang zwei.

Stunden vor Kienles Sieg waren ab 6:30 Uhr die ersten der rund 5500 Sportler aus 76 Nationen an diesem Sonntag in den Main-Donau-Kanal gesprungen, um 3,8 Kilometer zu schwimmen. Beim Challenge in Roth sind nicht nur die Sportler, sondern auch die Zuschauer bereits früh am Morgen auf den Beinen. Vor allem die Plätze auf der Kanalbrücke sind beim Publikum heiß begehrt.

Das Kommen sollte sich in jedem Fall lohnen. Die Triathlonfans bekamen an diesem Sonntag einen neuen Schwimmrekord zu sehen: Lucy Charles benötigte nur 46:48 Minuten für die 3,8 Kilometer – damit war die 24-Jährige auch schneller als alle Männer.

Nach dem Schwimmen hieß es für die Triathleten raus aus den Neoprenanzügen und rauf auf die Fahrräder – die es in einem scheinbar unübersichtlichen Zweirad-Gewirr möglichst schnell zu finden galt. Bei den Frauen ging Charles als Erste aufs Rad, bei den Herren war es der Brite Fraser Cartmell.

Ein Video von der Atmosphäre auf dem Solarer Berg:

Im Radsattel hatten die Triathleten 180 Kilometer vor sich, die sie keinesfalls im Windschatten des Vordermanns zurücklegen durften – andernfalls drohten Strafen. Auf der Strecke ging es für die Sportler auch über den Solarer Berg in Hilpoltstein, der im Triathlonsport längst ein Mythos ist.

Obwohl es sich bei ihm topographisch gesehen eher um einen unspektakulären Hügel handelt, zählt er zu den weltweit absoluten Stimmungsgipfeln dieses extremen Ausdauersports. Auch am Sonntag drängten sich mehr als 50.000 Zuschauer dicht gedrängt an der Strecke und verwandelten den Solarer Berg abermals zu einem Hexenkessel.

Hier sehen Sie eine Grafik der Radstrecke:

Auf der Radstrecke trat vor allem das Duo Cameron Wurf (Australien) und Sebastian Kienle wie entfesselt in die Pedale. Wurf benötigte lediglich 4:05:37 Stunden und war damit schneller als der bisherige Rekordhalter Jan Frodeno (4:08:07). Kienle brauchte 4:07:26 Stunden.

Weil Schwimmen und Radfahren dem gemeinen Langdistanz-Triathleten nicht schon genug ist, schnürt er zu guter Letzt noch seine Laufschuhe. Damit es auch besonders anstrengend und qualvoll wird, ist als Schlussakkord ein knackiger Marathon angesagt. Bei Temperaturen um die 26 Grad Celsius war das Laufen für die Triathleten am gestrigen Sonntag besonders schweißtreibend.

Eine Bildergalerie zur Stimmung am Solarer Berg:

Die glücklichen Gesichter des Solarer Bergs

Für den dramatischen Höhepunkt des 35. Challenge Roth sorgten Daniela Sämmler und Lucy Charles. Lange hatte die Britin das Feld angeführt, doch die 29-jährige Daniela Sämmler kämpfte sich auf der Laufstrecke immer näher heran – und überholte Charles schließlich knapp sieben Kilometer vor dem Ziel in Büchenbach. Es war der frenetisch gefeierte Auftakt des Schlussduells der Läuferinnen.

Zuletzt hatte es 2003 einen Schlusssprint um den Sieg gegeben, als Lothar Leder nach 8:11:50 Stunden nur drei Sekunden Vorsprung im Ziel auf Chris McCormack aufwies. Unter dem lautstarken Applaus der Zuschauer im Stadion in Roth spurtete am Sonntag Daniela Sämmler nach 8:43:42 Stunden über die Finisherlinie – neun Sekunden vor Charles. Im Zielbereich lagen dann beide Athletinnen sekundenlang abgekämpft nebeneinander.

Lucy Charles (links) und Daniela Sämmler völlig erschöpft im Zielbereich:

Der 35. Challenge Roth wird in die Geschichte des Rennens eingehen: Nicht nur, dass mit Kienle und Sämmler zwei Deutsche am Ende jubelten, mit Andreas Dreitz landete zudem ein Franke (Lichtenfels) als Zweiter auf dem Podest in der Männerkonkurrenz. Hinzu kommen die Rekorde im Schwimmen (Charles) und Radfahren (Wurf) sowie der deutsche Rekord von Sämmler (8:16:17 Stunden).

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