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Triathlon

Dieser Challenge Roth ist Familiensache

Die Familien Schäfer (Pyrbaum) und Schmidpeter (Postbauer-Heng) haben emsig trainiert und sind heiß auf das Staffelerlebnis.
Von Thorsten Drenkard

Auf die legendäre Stimmung am Solarer Berg freuen sich auch die beiden Neumarkter Familien, die am Sonntag beim Challenge Roth antreten werden. Archivfoto: Weller
Auf die legendäre Stimmung am Solarer Berg freuen sich auch die beiden Neumarkter Familien, die am Sonntag beim Challenge Roth antreten werden. Archivfoto: Weller

Roth.Natürlich wollte Thomas Schäfer seiner Ehefrau Sabine ihren Wunsch nicht abschlagen. Wie auch, schließlich hat sie an diesem Sonntag Geburtstag.

Und so wird der 49-jährige aus Pyrbaum an diesem Sonntagmorgen in seinen Neoprenanzug schlüpfen, sich die Badekappe über den Kopf ziehen, seine Schwimmbrille auf der Nase zurecht rücken und ins kalte Wasser des Main-Donau-Kanals springen. Obwohl „das Schwimmen mir eigentlich am wenigsten gefällt“, gesteht Thomas Schäfer.

Thomas und Bastian Schäfer Foto: Schäfer
Thomas und Bastian Schäfer Foto: Schäfer

Einmal als Familie in der Staffel beim Challenge Roth schwimmen, Rad fahren und laufen, das war‘s, was sich Sabine Schäfer im Oktober des vergangenen Jahres von ihren Liebsten gewünscht hat. Und so soll es beim Langdistanz-Triathlon quasi vor der Haustür an diesem Sonntag auch geschehen.

Die Schäfers werden in gemeinschaftlicher Schwerstarbeit 3,8 Kilometer schwimmen (Thomas), 180 Kilometer radeln (Sohn Bastian) und 42,195 Kilometer laufen (Sabine). Dass Thomas Schäfer den Anfang machen darf beziehungsweise muss, ist der Tatsache geschuldet, dass „meine Frau und mein Sohn nicht schwimmen wollten“.

Die Schwimmstrecke des Challenge Roth in einer Grafik:

Also wird sich der Ehemann und Vater notgedrungen mit hunderten anderen Triathleten in die Kanalfluten stürzen. Zwei- bis viermal pro Woche zog er in der Vorbereitung im Neumarkter Schwimmbad unbeirrt seine Bahnen und legte dabei jeweils zwischen zwei und drei Kilometer zurück. Schäfers Fazit der vergangenen Trainingsmonate: „Ich bin zufrieden, aber es könnte immer besser sein.“ Sein existenzielles Vorhaben für seinen Schwimm-Part am Sonntag formuliert Thomas Schäfer lapidar: „Ohne zu ertrinken ankommen.“

Ankommen, das Ziel in Roth erreichen und mit der Familie über die Finisherlinie laufen, das ist der große Traum von Sabine Schäfer. Sie hat den Anstoß für das Schäfersche Staffel-Trio, das für den Neumarkter Triathlonverein Windschatten (TWin) startet, gegeben. Um ein maximal herausforderndes Ziel zu haben, sich wieder sportlich festzubeißen und, „um meinem Sohn zu beweisen, dass seine alte Mutter das schafft“, verrät eine bestens gelaunte Sabine Schäfer ihre Beweggründe.

Sabine Schäfer Foto: Schäfer
Sabine Schäfer Foto: Schäfer

Damit sie am Sonntag ihr Vorhaben meistert und die Marathon-Distanz zurücklegt, hat die noch 51-Jährige in den vergangenen Wochen und -monaten „sämtliche Wälder rund um Pyrbaum herum“ durchlaufen. Allerdings berufsbedingt nicht in einem Kilometerausmaß, wie sie es gerne gewollt hätte.

Deshalb weiß Sabine Schäfer, die bislang lediglich einmal beim Stadtlauf in Neumarkt bei einem Laufwettkampf die Beine in die Hand genommen hat, dass „ich das schwächste Glied der Familie in unserer Staffel bin“. Belastend sei das für sie zwar nicht, aber die Nervosität steige, je näher des Rennen rückt. Ihr Erfolgsrezept für die 42 Kilometer beim Challenge: „Ich darf einfach nicht aufhören zu laufen.“

Hier sehen Sie ein Video zum 35. Challenge Roth:

Challenge Roth

Bei ihrem Sohn Bastian ist es vor allem eine Sache der strammen Wadeln, mit denen er sein Rad antreiben wird. Der 25-Jährige ist seit seinem zehnten Lebensjahr TWin-Triathlet, auch, weil „ich Bock habe mich zu quälen und zu schinden“. Der Lohn für die Plackerei soll am Sonntag der Zieljubel mit der Familie sein. Für seine Mama wäre es „das größte Geschenk zum Geburtstag“. Eine bestimmte Zeit haben sich die Schäfers dabei nicht vorgenommen.

Ebenso wenig wie Familie Schmidpeter aus Postbauer-Heng, die auch für TWin an den Staffelstart gehen wird. Für Reinhold, Marion und ihre Tochter Yvonne wird es nach 2014 der zweite gemeinsame Anlauf in Roth sein. Damals blieb dem Trio ein gemeinschaftliches Überschreiten der Ziellinie verwehrt. Yvonne musste auf der Marathonstrecke mit Magenkrämpfen aufgeben. Eine bittere Enttäuschung, die nicht als finale Staffelerfahrung der Familie Schmidpeter Bestand haben soll. Deshalb pochte die Tochter auf einen neuerlichen Anlauf bei der nun 35. Auflage des Challenge Roth.

Yvonne Wachendörfer Foto: Schmidpeter
Yvonne Wachendörfer Foto: Schmidpeter

Mehr als 800 Kilometer ist die zweifache Mutter, die seit ihrer Heirat Wachendörfer heißt und in Frankfurt lebt, in den vergangenen zwölf Trainingswochen gelaufen. „Ich bin gut vorbereitet“, sagt sie und strahlt Zuversicht aus. Diesmal will sie den Marathon unbedingt bezwingen, idealerweise in einer Zeit um die 3:45 Stunden.

Die Vorfreude ist schon längst da, die Aufregung wird in der Nacht vor dem Wettkampf immer mehr steigen. „Ich bin immer total aufgeregt vorher. Am Wettkampftag ist es immer ganz schlimm“, weiß die 38-Jährige. Aber all die Anspannung, all die Schinderei sei es letztlich wert, wenn „wir als Familie zusammen ins Ziel kommen“.

Das findet auch Mutter Marion, die beim ersten Staffellauf der Familie noch geschwommen war, diesmal aber 180 Kilometer auf dem Fahrrad zurücklegen wird. Bereits 20 Langdistanz-Rennen hat die 59-Jährige gefinisht. Eigentlich ist sie lieber allein auf der Strecke, denn „da habe ich keine Verpflichtungen anderen gegenüber“ und könne sie ohne Druck loslegen.

Marion Schmidpeter Foto: Schmidpeter
Marion Schmidpeter Foto: Schmidpeter

Aber vereint als Triathlonfamilie den Challenge zu bezwingen ist „natürlich etwas, auf das ich mich sehr freue“. Weniger hingegen auf das Zuschauergedränge am Solarer Berg. Für gewöhnlich von allen Seiten als weltweit einzigartiges Stimmungsnest gelobt, ist Marion Schmidpeter der Rummel dort eher zuwider. „Ich mag die Massen nicht, das ist für mich eher ein Horrortrip“. Durch den Trubel dort sei man als Fahrer fast schon gezwungen, über dem eigenen Limit den Anstieg hochzujagen. Zudem schmerzten gut gemeinte Klapse auf den Po oder den Rücken, wenn man schon seit Stunden im Sattel sitze, findet Marion Schmidpeter.

Ihr Gatte Reinhold muss sich um allzu kontaktfreudige Zuschauer am Streckenrand nicht sorgen. Dafür um mit Armen und Beinen ausschlagende Triathleten, mit denen er sich im Wasser des Main-Donau-Kanals auf die Schwimmstrecke machen wird. Möglichst unter 1:10 Stunde will Schmidpeter bleiben, der eigentlich auf der Kurz- und Mitteldistanz heimisch und erfolgreich ist. Der 61-Jährige wurde zuletzt bayerischer Vize-Meister.

Reinhold Schmidpeter Foto: Schmidpeter
Reinhold Schmidpeter Foto: Schmidpeter

Am Sonntag geht es für ihn sowie die anderen Starter der Schmidpeters und Schäfers aber nicht um schnöde Titel oder Siege. Es geht um viel mehr. Nämlich darum, mit der eigenen Familie ein einzigartiges Staffelrennen beim Heim-Challenge zu erleben.

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