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Tennis

WTA: Wird der Nürnberg-Fluch gebannt?

Seit 2013 versuchen sich Deutschlands beste Spielerinnen vergeblich am Sieg beim Nürnberger Versicherungscup – ein Überblick.
Von Thorsten Drenkard

Julia Görges ist als Weltranglisten-Elfte die topgesetzte Spielerin des Nürnberger Versicherungscups, der am Montag für das Hauptfeld beginnt. Foto: Daniel Karmann/dpa
Julia Görges ist als Weltranglisten-Elfte die topgesetzte Spielerin des Nürnberger Versicherungscups, der am Montag für das Hauptfeld beginnt. Foto: Daniel Karmann/dpa

Nürnberg.Andrea Petkovic war bei der Premiere nah dran. Im Finale schlug sich die damals 25-Jährige mit der Rumänin Simona Halep vor rund 2000 Zuschauern auf dem Centre Court die gelben Filzbälle um die Ohren. Nach 1:23 recht einseitigen Stunden und einem deutlichen 3:6, 3:6 musste die Hessin ihrer Kontrahentin neidlos zum Match- und damit auch zum Turniergewinn gratulieren.

Im Jahr 2013 war das, als man in der fränkischen Metropole das Abenteuer wagte, ein Damentennis-Turnier von Weltrang auf dem sandigen Untergrund der Tennisanlage des 1. FC Nürnberg zu etablieren. Mittlerweile hat der Nürnberger Versicherungscup hierzulande neben dem Grand Prix in Stuttgart einen festen Platz im Turnierkalender der WTA gefunden.

Andrea Petkovic startet mit einer Wildcard. Foto: Justin Lane
Andrea Petkovic startet mit einer Wildcard. Foto: Justin Lane

Was dem heuer mit 250000 US-Dollar dotierten Turnier bislang noch fehlt, das ist eine einheimische Gewinnerin. Bei fünf Versuchen zwischen 2013 und 2017 gelang es keiner deutschen Spielerin, sich am Ende als Siegerin des 32er-Feldes zu behaupten. Mit Petkovic drang überhaupt erst eine deutsche Spielerin ins Finale des Wettbewerbs vor. Dass, obwohl jährlich eine Vielzahl heimischer Spielerinnen in Nürnberg aufschlagen und dem Turnier meist die ganz großen Namen des Damentennis abgehen.

Die Top10-Spielerinnen fehlen

So fehlen auch bei dem am Samstag mit der Qualifikation startenden Nürnberger Versicherungscup 2018 – die Teilnehmerinnen des Hauptfelds greifen ab Montag zu den Schlägern – die Spielerinnen aus den Top10 der Weltrangliste. Was in der sportlichen Spitze fehlt, macht der Versicherungscup in der Breite wett.

Die Leistungsdichte der Spielerinnen zwischen den Weltranglistenpositionen 25 bis 70 ist enorm – weshalb eine Vorhersage über die kommende Gewinnerin der sechsten Auflage auf fränkischem Boden wenig seriös, weil nahezu unmöglich ist.

Eine Videobotschaft von Andrea Petkovic an die Tennisfans:

Fest steht indes zweifelsfrei, dass mit Julia Görges eine deutsche Lokalmatadorin das Spielerinnenfeld anführen wird. Als Weltranglisten-Elfte ist sie die topgesetzte Spielerin in Nürnberg und auf dem Papier somit die Favoritin auf den Titel. Was aber auf dem Platz rein gar nichts bedeutet.

Denn Nürnberg und die deutschen Starterinnen, das ist bisher keine unbeschwerte Erfolgsgeschichte mit fröhlichem Happy End. Vielmehr endeten die herbeigesehnten Auftritte der heimischen Akteurinnen auf den Sandplätzen der FCN-Anlage mitunter dramatisch, nicht selten schmerzhaft, immer aber mit einer Niederlage.

Beinahe scheint es so, als würden die beanspruchten Körper der Deutschen Spielerinnen stets beim Nürnberger Versicherungscup zur Unzeit streiken. Die Liste der Hiobsbotschaften für Petkovic, Görges und ihre Kolleginnen ist in ihrer Länge beinahe grotesk lang.

Wissenswertes rund um das WTA-Turnier:

Rund um das Turnier

  • Zum zweiten Mal

    wird Judy Murray, Mutter der ehemaligen Weltranglistenersten Andy (Einzel) und Jamie (Doppel), am Pfingstsonntag auf der Tennisanlage des FCN einen Workshop für Trainerinnen und Jugendbetreuerinnen abhalten. Am Pfingstmontag folgen zwei Tenniscamps für Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren.

  • Es gibt einen

    Girls Nations Cup, in dem die besten U14-Juniorinnen aus Deutschland, Österreich, Tschechien und der Schweiz im Fed-Cup-Format gegeneinander antreten.

Besonders negativ sticht dabei die dritte Turnierauflage im Jahr 2015 heraus, als erst Petkovic bereits in der ersten Runde verletzt den Schläger zur Seite legen und schließlich Angelique Kerber unter Tränen im Halbfinale gegen Roberta Vinci passen musste.

Im Jahr darauf wollte die damalige Weltranglisten-Zweite Kerber einen neuen Anlauf in Nürnberg wagen, wurde aber bereits vor Turnierstart durch eine hartnäckige Schulterverletzung ausgebremst. Vergangenes Jahr erwischte es schließlich Laura Siegemund im Achtelfinale gegen die Tschechin Barbora Krejcikova, als sie sich am Knie verletzte und nach längerer Behandlung mit der Trage vom Center Court gebracht werden musste.

Dass heuer mit Julia Görges ausgerechnet die deutsche Top-Spielerin den Nürnberg-Fluch endlich wird bannen können, erscheint noch vor ihrem ersten Aufschlag in Franken fraglich. Denn die Hoffnungsträgerin in Diensten des Bundesligisten TC Rot-Blau Regensburg verzichtete diese Woche auf ihren Turnierstart in Rom, nachdem sie zuvor in Madrid im Achtelfinale gegen die Französin Caroline Garcia nach 80 Minuten mit 2:6, 4:6 verloren hatte.

Warum und weshalb Görges in Rom nicht antrat, darüber rätselte auch Sandra Reichelt, die Leiterin des WTA-Turniers in Nürnberg. Allerdings konnte sei der Start der 29-Jährigen in der Noris nicht gefährdet. Ob Görges topfit oder körperlich angeschlagen in Nürnberg die Bälle über des Netz schlagen wird, davon werden sich die Zuschauer auf der modernisierten FCN-Tennisanlage überzeugen können.

So wurde unter anderem das Fundament des Sandplatzes auf dem Center Court heuer runderneuert, denn im Vorjahr hatten sich Spielerinnen über Unebenheiten beschwert. Ein weiterer Fortschritt: Die Tennisfans vor Ort werden nun per digitalen Infotafeln auf dem Laufenden gehalten.

Fünf Deutsche im Hauptfeld

Außer Julia Görges werden sich im 32er-Hauptfeld noch Carina Witthöft (WTA-Rang 57), Mona Barthel (68) sowie Andrea Petkovic (102) und Nachwuchstalent Katharina Hobgarski (285), die beiden letzteren per Wildcard, daran versuchen, den ersten deutschen Turniersieg in Nürnberg tatsächlich wahr werden zu lassen.

Zudem sind in der Qualifikation mit Katharina Gerlach, Jule Niemayer, Lena Rüffer und Anna Gabric vier weitere junge deutsche Spielerinnen mit einer Wildcard ausgestattet, die über diesen sportlichen Umweg den Sprung ins Hauptfeld schaffen wollen.

Die Niederländerin Kiki Bertens gewann 2016 und 2017 den Nürnberger Versicherungscup. Foto: Karmann/dpa
Die Niederländerin Kiki Bertens gewann 2016 und 2017 den Nürnberger Versicherungscup. Foto: Karmann/dpa

In den beiden vergangenen Jahren stand jeweils Kiki Bertens ganz oben an der Spitze des Tableaus. Die Weltranglisten-21. aus den Niederlanden war in den Jahren 2016 und 2017 in Nürnberg jeweils nicht zu bezwingen und möchte heuer den Titel-Hattrick im Frankenland eintüten.

Das wollen die deutschen Tennisspielerinnen um Julia Görges verhindern und erstmals selbst jubeln. Andrea Petkovic war 2013 ja schon einmal nah dran am Turniersieg.

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